Im Alltag nerven Handy-Klingeltöne. Aber in der Kunst inspirieren sie manchen Musiker: "Ein Mobiltelefon ist genauso ein Musikinstrument wie ein Klavier", erklärte beispielsweise die junge US-Musikerin Bora Yoon kürzlich gegenüber der koreanischen Zeitung "Chosun".

Handy-Präsentation in Seoul: Die Mobiltelefone können nicht nur funken - sondern auch musizieren
Auch wenn Yoon mit den Telefonen auf der Bühne heute immer noch Aufsehen erregen kann, steht sie bereits in einer eigenen Traditionslinie. Als weltweit erstes Handy-Konzert gilt die "Dialtone Symphony" des Medien- und Kommunikationskünstlers Golan Levin, die 2001 in Linz unter Beteiligung von 200 Besuchertelefonen zur Uraufführung kam. Und vergangenes Jahr spielte das renommierte Chicagoer Symphonieorchester das "Concertino for cell phones and orchestra" des Jazz-Komponisten David Baker.
Handy-Ersatz für Gitarre und Bass
Die österreichische Band the handyhandy hat sich unterdessen der Aufgabe verschrieben, das klassische Rockinstrumentarium durch Mobiltelefone zu ersetzen: Statt Gitarre, Bass und Schlagzeug treten die vier Bandmitglieder mit umgehängten Handys auf, das Resultat ist eine Mischung aus Luftgitarren-Wettbewerb und Kunstperformance. Dabei steuert die Band mit den Telefonen via Bluetooth die dargebotene Musik, auch wenn die Klänge im Computer erzeugt werden.
Ähnlich experimentell wie das Treiben von the handyhandy ist das Projekt des israelischen Musikers Omri Levy. Levys Album "about:blank" nutzt nämlich nicht nur einzelne Handy-Klänge, es ist wohl das erste Album, das komplett mit einem Mobiltelefon aufgenommen und produziert wurde. Konkret entstand "about:blank" mit einem "Nokia N80" und der Software "Alon MP3 dictaphone", das Ergebnis hat Levy zum freien Download online gestellt.
Nachdem Handys schon alle Funktionen bei der Musikproduktion eingenommen haben, sollen sie auch beim Konzertpublikum neue Aufgaben erobern. Dafür hat der Virgin-Konzern, zu dem sowohl ein Plattenlabel als auch einen Mobilfunkanbieter gehören, ein "Festival Survival Kit" kreiert.
Die Software kann in Virgins Mobilnetz heruntergeladen werden und soll aus dem Handy Feuerzeug, Taschen- und Signallampe machen. Vor allem das virtuelle Feuerzeug könnte sich als nützlich erweisen - mit der Flamme auf dem Handy-Display verbrennt man sich jedenfalls garantiert nicht die Finger.
Sascha Koesch / Fee Magdanz / Robert Stadler
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