Mittwoch, 10. Februar 2010

Netzwelt



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23.08.2007
 

iPhone

Meine 79 Seiten lange Telefonrechnung

Von Marc Pitzke, New York

2. Teil: "Scheiß auf deine grüne Attitüde"

Die letzte bedruckte Seite beginnt mit der vielversprechenden, doch angesichts des Blätterwalds in meiner Hand etwas ironischen Ankündigung: "AT&T wird grün." Doch halt, es wird noch spaßiger: "Sie mögen unser neues Rechnungsformat bemerkt haben", gurrt AT&T weiter. "Alle wichtigen Informationen, die Sie brauchen, sind einfacher zu lesen, auf weniger Seiten." Weniger Seiten? Meine eigentliche Rechnung wäre noch länger gewesen?

Aber ich sollte wirklich nicht klagen. Denn offenbar bin ich nicht der Einzige mit ellenlangen iPhone-Sendschreiben. Überall in den US-Medien jammern AT&T-Kunden inzwischen über papierne Traktate von 50, 60 oder 70 Seiten. Es ist schon zum Schießen: Ausgerechnet das iPhone, Wunderwerkzeug des virtuellen Zeitalters, produziert Papierberge, als wäre man noch im Postkutschenzeitalter.

Die Grafikerin und Bloggerin Justine Ezarik aus Pittsburgh bekam eine iPhone-Rechnung für rund 30.000 Einzel-SMS über 300 Seiten. In einem Pappkarton, per Paketpost, Porto sieben Dollar. Ezarik filmte sich damit in einem Coffeeshop, stellte das ins Internet und wurde zum Online-Star. In der ersten Woche wurde das Video 2,5 Millionen Mal angeklickt. Die Internet-Enzyklopädie Wikipedia widmete ihr einen eigenen Eintrag.

74.535 abgeholzte Bäume

"Wir verschicken nicht viele Rechnungen im Karton", versicherte AT&T-Sprecher Mark Siegel der Zeitung "USA Today". Später legte AT&T eine schriftliche Stellungnahme nach, in der es den Kunden empfahl, sie könnten die Papier-Rechnungen gerne abbestellen und stattdessen auf reinen Online-Verkehr umsteigen.

Doch die Kritik an den Riemen-Rechnungen häuft sich - und wird langsam zur Image-Frage, sowohl für AT&T wie auch Apple. "Rechnungen, die wie Bücher aussehen", seien nur eine weitere Macke des iPhones, wie zuvor schon schlechter Kundendienst, notorische Netzprobleme und langsamer Datenfluss, schimpfte der Tech-Analyst Rob Enderle im TV-Sender ABC. "AT&T sollte sich ein neues Motto besorgen", sagte er. "Use AT&T, kill a tree."

Wie viele Bäume für das "umweltfreundliche" iPhone draufgehen, will der Blogger Muhammad Saleem ausgerechnet haben. Sollten tatsächlich bis Ende 2008 zehn Millionen iPhones verkauft werden und jede Monatsrechnung dafür im Schnitt 50 Seiten betragen, so schrieb er, wären das sechs Milliarden Seiten Papier - 74.535 Bäume.

Jedes Jahr verleiht die Marketing-Organisation CMF den Halo Award, einen Preis für brillantes und "gutes" Marketing. Voriges Jahr gewann AT&T die Silbermedaille - für sein papierloses "eBill"-Programm, also die papierlose Abrechnung via Internet. "Der Anreiz war, Bäume zu retten", hieß es in der Begründung, die AT&T auch dafür lobte, für jeden Kunden, der auf die "e-Rechnung" wechselt, einen Dollar an die National Arbor Day Foundation zu spenden, eine Stiftung, die Bäume pflanzt. Aber wie gesagt: Dies ist ein Marketing-Preis.

Am Ende meiner 79-Seiten-iPhone-Rechnung verabschiedet sich AT&T derweil freundlich bis zum nächsten Monat: "Vielen Dank, dass Sie uns geholfen haben, der Umwelt zu dienen."

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