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03.09.2007
 

Funktelefon-Fernsehen

Handy-TV legt los

Von Felix Knoke

Das Fernsehen per Mobiltelefon soll endlich in Fahrt kommen. Eine Vorgabe der EU gibt den künftigen Standard vor. Damit ist für Handy-Hersteller und Programmanbieter der Weg frei. Sie können passende Endgeräte und Inhalte entwickeln. Ab 2008 soll's losgehen. Einen Vorgeschmack bietet die Ifa.

Bisher kam das Handy-Fernsehen in Europa nicht so recht aus den Startlöchern. Weder die Länder innerhalb der EU, noch die deutschen Bundesländer waren in der Lage, sich auf einen gemeinsamen Standard zu einigen. Handy-Hersteller und Netzausrüster taten das Ihre, um die Lage zu verschlimmern und boten wahlweise UMTS, DMB, DVB-SH oder DVB-H als beste Lösung an.

TV-Handy: Ab 2008 soll das Funktelefon-Fernsehen durchstarten
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TV-Handy: Ab 2008 soll das Funktelefon-Fernsehen durchstarten

Damit soll bald Schluss sein. Am 18. Juli sprach die EU-Kommissarin für Telekommunikation Viviane Reding ein Machtwort. Sie rief EU-Länder und Mobilfunkbranche dazu auf, doch endlich an einem Strang zu ziehen. Reding fordert, die Länder mögen sich doch bitte auf DVB-H als gemeinsamen Standard einigen. Die Ausstrahlung soll über die Sendefrequenzen des analogen Fernsehens erfolgen, das bis 2012 EU-weit abgeschaltet wird.

Nach Redings Vorstellung sollen Länder und Mobilfunkbranche ab 2008 richtig loslegen. Zur Not werde reguliert, drohte die Kommissarin bereits auf der Cebit 2006. Reding: "Wir dürfen nicht darauf warten, bis auch die letzte deutsche Landesmedienanstalt endlich entschieden hat, mit welchem Standard und auf welchen Frequenzen Handy-TV stattfinden soll." Kurzum: Die EU-Kommissarin will so schnell wie möglich den Weg für die mobilen Bewegtbilder freimachen. Mit ihnen soll sich auch ein lukrativer Markt entwickeln. Bis 2011, so die Schätzung der EU-Kommission, könnte der eine halbe Milliarde Nutzer erreichen und einen Wert von bis zu 20 Milliarden Euro haben.

Europas Handy-TV dümpelt vor sich hin

Die Ifa 2007 soll der Startschuss für das ehrgeizige Projekt sein. Das forderten Branchenvertreter sowie der Direktor der Landesmedienanstalt Berlin-Brandenburg bereits auf der Ifa letzten Jahres. Ebenso wie die Olympischen Spiele in China böte die Fußball-Europameisterschaft in Österreich und der Schweiz das ideale Umfeld dafür. Aber sind die Technikanbieter überhaupt schon bereit?

Bislang ist das Angebot an DVB-H-fähigen Handys ausgesprochen mau. Kaum ein Dutzend der hier angebotenen Geräte unterstützt diesen Standard. Während in Japan und Korea bereits elf Millionen Nutzer auf ihren Handys fernsehen, dümpelt der europäische Markt mit höchstens 500.000 Handy-Glotzern vor sich hin. Das könnte sich nun rapide ändern - die Handy-Hersteller könnten ihre koreanischen und japanischen Geräte für den europäischen Markt anpassen. Das geht schnell, angeblich sind bereits 20 weitere TV-Handys in der Entwicklungsphase.

Interaktive Programme sollen den Markt bereiten

Für das Programmangebot werden Plattform-Anbieter wie die MFD Mobiles Fernsehen Deutschland GmbH sorgen, die den mobilen TV-Dienst watcha betreibt. Dort werden Technik, Programm und Vertrieb von Handy-TV zusammengeführt. Bislang ist MFD noch recht einsam auf dem Markt. Gerade bewarb sich das Unternehmen um die einzige DVB-H-Lizenz, die Ende des Jahres von der Bundesnetzagentur ausgegeben wird.

Henrik Rinnert (35) ist einer der beiden Geschäftsführer von MFD. Er sieht der Entwicklung von Handy-TV entspannt entgegen. Vom Formatkrieg wäre eh schon bald nichts mehr zu spüren: Mobiltelefone würden in Zukunft ihre Bilder einfach aus verschiedenen Funkfrequenzen saugen.

Doch bevor es richtig losgeht, dauert es eh noch eine Weile. Jetzt müssen erst mal das Netz aufgebaut, Programme entwickelt und vor allem Mobilfunkgeräte mit TV-Chips auf den Markt gebracht werden. Einen Eindruck von der mobilen neuen TV-Welt kann man sich auf der Ifa, auf dem Messestand der MFD verschaffen, wo Testprogramme ausgestrahlt und passende Handys zum ausprobieren ausgestellt werden.

Die Couch-Potatoes werden mobil

Was man dort zu sehen bekommt, ist jedoch nur der Anfang. Zunächst wird Handy-TV lediglich eine Kopie des üblichen Fernsehprogramms im Handy-Format sein. Nach und nach soll die Technik konventionelles Fernsehen und interaktive Anwendungen, wie man sie aus dem Internet kennt, verbinden.

Sogenannte Location Based Services, Ausstrahlungen, die sich zum Beispiel über GPS daran orientieren, wo sich der Handy-Benutzer gerade befindet, und natürlich von den Benutzern selbst erstelltes und verbreitetes Material dürften mobiles Fernsehen erst wirklich interessant machen.

Bei einem DVB-H-Test in Österreich nutzten die Versuchspersonen ihre TV-Handys noch bevorzugt zu Hause. Das könnte sich mit interaktiven Angeboten ändern. Das ganze Formathickhack wird bis dahin hoffentlich längst Geschichte sein.

Zumindest, wenn der Plan von Forschern des Fraunhofer-Instituts für Nachrichtentechnik aufgeht. Der soll Handy-TV um ein weiteres Buchstabenkürzel bereichern: DXB, also Digital eXtended Broadcasting. Damit wollen die Forscher verschiedene Daten-, Radio- und Fernsehsignale, also DVB-H, DMB und UMTS, vermählen. Für die Anwender wäre dies die beste Lösung. Denn mit DXB könnte man die Technik hinter den Bildern vergessen und einfach nur Fernsehen - fehlen nur noch Chips und Bier.

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