Viele Handy-Telefonate werden im Gehen geführt. Auch die Anzahl der Gespräche, bei denen beide Teilnehmer zu Fuß unterwegs sind, dürfte noch erklecklich sein. Eine aktuelle Studie hat nun herausgefunden, dass sich bei dieser speziellen Form des per Telefon verbundenen Spaziergangs die Schritte der Gesprächsteilnehmer synchronisieren. Genauer gesagt, befinden sich per Handy verbundene Fußgänger während 29 Prozent eines guten Gesprächs im Gleichschritt.
Diese Erkenntnis scheint genauso skurril wie sinnlos zu sein, und die Studie " Gait aligment in mobile phone conversations" daher ein perfekter Kandidat für den Ig-Nobelpreis: Die Auszeichnung für abseitige Forschungsvorhaben, die alljährlich an der Harvard-Universität verliehen wird, ehrt wissenschaftliche Experimente, die "nicht wiederholt werden können oder wiederholt werden sollten".
Wirtschaftliches Potential
Die Initiatoren der Arbeit zum Gleichschritt am Handy dürften aber anderes im Sinn gehabt haben, als den Nonsens-Preis aus Harvard. Denn die Psychologen Simon Garrod und Melissa Jackson sowie der IT-Spezialist Roderick Murray-Smith von der Universität in Glasgow haben nicht nur das Verhalten von umherspazierenden Handy-Nutzern untersucht. Die Wissenschaftler ergründeten auch, ob man das Phänomen der Schritt-Synchronisation von Gesprächspartnern auch technisch befördern kann.
Konkret hat das Team für seine Versuche die Schritte mittels Drucksensoren im Schuh erfasst und anschließend ans Handy des Gesprächspartners gesendet. Diese Signale wurden dann mit der Vibrationsfunktion der Telefone ausgegeben, so dass die Mobilfunk-Flaneure ihre Schrittfolge gegenseitig spüren konnten. Das Kalkül der Forscher war damit ganz offensichtlich, eine praktische Mobilfunkanwendung zu entwickeln, die das Spaziergang-Erlebnis synchronisierter Schritte simulieren kann. Und angesichts des anhaltenden Handy-Booms hätte sich eine solche Funktion bestimmt gewinnbringend an Mobilnetzbetreiber oder Handy-Hersteller verkaufen lassen.
Worte schlagen Vibrationen
Der IT-Spezialist und die Psychologen aus Glasgow mussten bei ihren praktischen Versuchen allerdings feststellen, dass sich das Gleichschritt-Phänomen mittels Vibrationen kaum erzeugen lässt. Statt einer vermarktungsfähigen Anwendung haben die Forscher nämlich die Erkenntnis gewonnen, dass sich das synchrone Ausschreiten auch beim Mobiltelefonieren oft von ganz allein einstellt. Dabei ist der entscheidende Faktor aber nicht technischer, sondern psychologischer Natur: In nicht weniger als 29 Prozent der Gesprächszeit befanden sich die Testpersonen im Gleichschritt, wenn sie einen lebendigen Dialog führten.
Versuche, diesen Effekt künstlich zu verstärken, scheiterten hingegen. Lediglich beim Ablesen vorgegebener Dialoge registrierten die Forscher etwas mehr Schritt-Synchronität. Aber dieser Effekt verblasst im Vergleich mit dem eines echten Gesprächs, bei dem sich offensichtlich allein durch den Sprachrhythmus die Schritte angleichen.
Sascha Koesch / Fee Magdanz / Robert Stadler
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