Der ehemalige Computer-Hersteller Apple hat mit seinem iTunes-Music-Store den Markt für Musik-Downloads bereits einmal revolutioniert. Jetzt will der notorische Innovator dem digitalen Musikkonsum den nächsten Impuls verpassen: Seit dieser Woche können US-Besucher der Kaffeehauskette Starbucks Musik, die gerade im Geschäft läuft, umgehend und unkompliziert erwerben - Jedenfalls wenn sie ein iPhone, einen "iPod Touch" oder ein Laptop, auf dem iTunes installiert ist, bei sich haben.
Kaffee-Knopf: Wer mit seinem iPod-Touch in einer US-Starbucks-Filiale steht, sieht womöglich dieses Symbol - damit kauft man die Kaffeehausmusik
Die Kooperation haben die Kaffeehauskette und der Produzent von Livestyle-Technik gründlich vorbereitet, ganze zwei Jahre wurde an dem Deal gefeilt. Also schon zu einer Zeit, als das iPhone höchstens als Gerücht existierte. In Branchenkreisen sind die Erwartungen entsprechend hoch gesteckt.
James Katz, der das "Center for Mobile Communications Studies" an der Rutgers-Universität leitet, verglich den Musik-Impulskauf beim Kaffeetrinken sogar mit Amazons "One-Click-Shopping": Die Reduzierung des Kaufvorgangs beim Online-Kauf war ein genauso banaler wie durchschlagender Schritt, erklärte Katz jetzt gegenüber der "New York Times".
Aus dieser Perspektive folgt die Starbucks-Kooperation dem gleichen Schema wie viele Apple-Hits der Vergangenheit: Einfach aber gut durchdacht und daher unglaublich erfolgreich. Der Kniff beim spontanen Musikkauf liegt in der einfachen Erkenntnis, dass viele Menschen die Suche nach Musik, die ihnen gefällt, als lästig empfinden. Wenn ihnen dagegen Stücke nebenbei vorgespielt werden, könnten sie zu Musikkäufern werden: "Kundenwünsche werden prompt befriedigt", erklärte dazu Ken Lombard, der bei Starbucks die Unterhaltungssparte leitet.
Hören, mögen, kaufen
Damit der "prompten Befriedung des Kundenwunsches" wirklich Nichts im Weg steht, haben Apple und Starbucks den Kaufprozess auf das Nötigste reduziert: Das iPhone zeigt automatisch ein spezielles Icon an, wenn es in den Empfangsbereich eines Starbucks-Funknetzes kommt. Mit einem Klick auf dieses Icon erhält man dann jederzeit Informationen zur Musik, die gerade aus den Boxen der Filiale tönt. Mit zwei weiteren Klicks kann das Lied dann gekauft werden, der Download an sich erfolgt kostenlos und schnell via W-Lan.
Und während dieser Service auch den Besitzern von Laptops zur Verfügung steht, ist der Bezahlvorgang am iPhone oder iPod Touch unübertroffen simpel: Die 99 US-Cent pro Song werden nämlich schlicht am Monatsende zusammen mit der Telefonrechnung beglichen. Um es den Kunden besonders einfach zu machen, ist im Hintergrund natürlich eine genaue Abstimmung erforderlich, schließlich sind mindestens drei Unternehmen an der Transaktion beteiligt - Apple, Starbucks und der Mobilnetzbetreiber.
Daher steht der Dienst für spontanes Sound-Shopping zunächst auch nur in 600 Filialen in New York und Seattle zur Verfügung. Erst bis 2009 will Starbucks sämtliche seiner rund 6.000 US-Niederlassungen mit dem System ausstatten. Ob und wann es im Rest der Welt ankommt, ist noch nicht ausgemacht.
Sascha Koesch / Fee Magdanz / Robert Stadler
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