Die Handy-Textnachricht war als Kommunikationskanal für Mobilfunktechniker konzipiert, war daher anfangs sogar kostenlos. Dann merkten die Mobilfunk-Anbieter, dass der Dienst von den Kunden extrem gut angenommen wurde. Heute dürften rund 20 Prozent der Mobilfunk-Gewinne durch SMS erwirtschaftet werden, was weltweit rund 60 Milliarden Dollar im Jahr entspricht.
Denn nachdem die Mobilnetzbetreiber einmal kapiert hatten, dass die Kunden bereit sind, für den SMS-Versand zu bezahlen, entwickelten sich die Kurznachrichten zur wahren Cashcow. 1999 verschickten die Deutschen laut einer Statistik der Bundesnetzagentur nur 3,6 Milliarden Kurznachrichten. In diesem Jahr werden es 23 Milliarden Kurznachrichten sein, schätzt der Verband Bitkom. Dabei ist die Gewinnspanne für Anbieter exorbitant hoch, da der Versand von Kurznachrichten vergleichsweise wenig Aufwand erfordert.
Diese bequeme Einnahmequelle gerät derzeit allerdings gleich von zwei Seiten unter Druck, einerseits durch die mobile Internet-Nutzung, andererseits durch die Politik der EU-Kommission. Für die Netzbetreiber gerät damit ein lukratives Geschäftsmodell in Gefahr, während sich Konsumenten auf sinkende Preise freuen können.
Unterwegs-Internet könnte SMS begraben
Mit der Propagierung der mobilen Internet-Nutzung knabbern die Mobilfunkanbieter derzeit selbst an ihrer zuverlässigsten Gewinnquelle: Denn sollten einmal alle Kunden die Datendienste aktiv nutzen, wäre dies das Aus für die Traumgewinnspannen mit den Kurznachrichten. Wenn sich, wie allgemein angenommen, auch hier Flatrates durchsetzen, würde die Zahl der versandten Nachrichten gar keine Rolle mehr spielen. Aber auch bei Abrechnungsmodellen nach Datenvolumen, fallen 160 Zeichen Text kaum ins Gewicht.
Und der Einbruch der Internet-Gepflogenheiten in die Handy-Welt kündigt sich bereits durch Dienste wie JackSMS oder Skebby an, die derzeit in Italien Furore machen: Beide Services erlauben es, beim SMS-Versand bereits zu sparen, wenn nur der Sender über einen mobilen Internet-Zugang verfügt, aber der Empfänger die SMS noch auf dem klassischen Weg erhält. JackSMS oder Skebby machen sich dabei die Tatsache zu Nutze, dass es für SMS auch "Großhandelspreise" gibt, die drastisch unter den Endkundenpreisen liegen.
Und genau wie die Gratis-SMS-Angebote im Internet lohnt es sich unter Umständen, eine größere Anzahl von Kurznachrichten zu verschenken, wenn dadurch Nutzerscharen auf die eigene Website kommen, die Werbung betrachten oder potentiell kostenpflichtige Premiumdienste in Anspruch nehmen.
EU-Kommission droht
Aber auch wenn Skebby, das sich in Namensgebung und Gestaltung an den Internet-Telefondienst Skype anlehnt, professionell wirkt, ist es doch nur ein Übergangsphänomen. Und so steht hinter dem Service auch nur ein findiger Student, der gegenüber der Zeitung "International Herald Tribune" selbst eingesteht, dass sein Geschäftmodell extrem fragil ist: "Die Netzbetreiber erzielen mittels SMS astronomische Gewinne, und bereits eine kleine Verschiebung im Preisschema könnte mich aus dem Rennen werfen," erklärte Skebby-Macher Davide Marrone.
Aber nicht nur die Technik stellt eine Gefahr für die sprudelnden SMS-Erlöse dar, in Europa könnte auch die Politik den "astronomischem Gewinnen" bald ein Ende bereiten. Denn die EU-Kommissarin für Telekommunikation, Viviane Reding, hat nach ihren erfolgreichen Maßnahmen zur Senkung der Gebühren für Handy-Auslandsgespräche bereits die nächsten Schritte angekündigt.
Demnach soll "so bald wie möglich ein gemeinsamer europäischer Ansatz zur Berechnung kostenorientierter Mobilfunk-Zustellungsentgelte" geschaffen werden. Im Klartext ist dies eine Kampfansage an überhöhte Gewinnspannen und damit an das allzu lukrative SMS-Geschäft.
Sascha Koesch / Fee Magdanz / Robert Stadler
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