In Südkorea stehen Präsidentschafts-Wahlen an, wobei die Jungwähler durch zwei Regeländerungen erheblich an Einfluss gewinnen dürften. Zum einen wurde das Mindestalter von 20 auf 19 Jahre gesenkt. Aber vor allem darf jetzt auch per SMS abgestimmt werden. Damit sollen Koreas Twens, die nach ihren Handy-Tippfingern benannte "Generation Daumen", zur politischen Partizipation ermuntert werden.
Südkorea ist allerdings nicht das erste Land, das die Stimmabgabe per SMS einführt: Diese Premiere fand 2005 im Schweizer Bülach, im Kanton Zürich, anlässlich einer Volksabstimmung statt. Dabei wurden immerhin stattliche elf Prozent der Stimmen per Handy abgegeben, Probleme oder Ungereimtheiten wurden nicht bekannt - Allerdings waren insgesamt nur 17.000 Menschen stimmberechtigt.
Die Handy-Nation
Anders als in der Schweiz geht es jetzt in Korea aber um eine landesweite Abstimmung. Außerdem haben Mobiltelefone dort einen weltweit einmaligen Stellenwert. Denn in Südkorea scheinen all die mobilen Anwendungen tatsächlich auf großen Zuspruch zu treffen, die hierzulande nur in den Marketing-Plänen der Netzbetreiber stattfinden.
Für Außenstehende scheinen die Koreaner in ihrer Gadget-Versessenheit vor allem allerlei Kuriositäten hervorzubringen, wie per UMTS vernetzte Überwachungs-Teddys, Telefone mit Fischradar oder antibakterielle Handy-Waschanlagen.
Aber auch die trockene Statistik zeigt, dass hier bereits eine ganz neue Mobilkultur entstanden ist: Bei einer Nutzungsrate von mehr als 90 Prozent sind nach Zahlen von "CNN" 99 Prozent aller verwendeten Handys mit einer Kamera ausgestattet, 97 Prozent der Nutzer kaufen Klingeltöne und 63 Prozent bezahlen mit dem Telefon. 45 Prozent der Musikverkäufe werden über Handys abgewickelt, Mobil-TV-Kunden schauen am Tag durchschnittlich 129 Minuten auf dem Mini-Display fern und rund ein Drittel aller Studenten bringt es auf mehr als 100 verschickte SMS am Tag.
Politiker und Popstars
Es liegt auf der Hand, dass die Mobiltelefon-Nutzung unter den jungen Koreanern noch ausgeprägter ist, als die erwähnten Durchschnittswerte. Gleichzeitig spielen die unter Dreißigjährigen im politischen Leben eine vergleichsweise unbedeutende Rolle, die Twens interessieren sich nicht für Wahlen, weshalb sich die Politik auch nicht um ihre Belange kümmert. Bei den Präsidentschaftswahlen am 19. Dezember könnten die Jungwähler allerdings plötzlich massenhaft abstimmen, was schon jetzt zu einer Änderung der politischen Landschaft geführt hat.
Laut einem Kommentar des "Korea Herald" wird das Wahlgeschehen durch die SMS-Abstimmung jedenfalls endlich "wieder spannend". Die Ergebnisse der Vorwahlen, mit der die Parteien nach US-Vorbild ihre Kandidaten nominieren, deuten auf eine extrem hohe Akzeptanz des Votums per Textnachricht hin: Bis zu 70 Prozent der Stimmen wurden dabei mit dem Handy abgegeben. Aber sogar in Südkorea finden sich kritische Stimmen zum Einzug der Hosentaschentechnik in die Politik. So äußerte ein Kommentar der Zeitung "Joongang Daily" die Befürchtung, dass die Wahlen "zur Show" verkommen könnten - Die Jungen würden Abstimmung schließlich nur aus Casting-TV-Shows kennen, sie könnten daher auch die Wahlen als Spiel missverstehen.
Sascha Koesch / Fee Magdanz / Robert Stadler
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