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28.10.2007
 

Handy-Phänomen

Phantomvibrationen

Sie treiben die ständige Erreichbarkeit an die Spitze: Hardcore-Handy-User, die sogar dann einen Vibrationsalarm zu verspüren glauben, wenn sie das Mobiltelefon gar nicht dabei haben. Manche sind sogar stolz auf ihre Über-Sensibilisierung.

New York - Die Handy-Zivilisation treibt merkwürdige Blüten: Intensive Mobilfunk-Nutzer wundern sich, wenn sie die typische Vibration ihres Handys am Oberschenkel spüren, auch wenn sie das Telefon gar nicht in der Hosentasche dabei haben. Andere spüren das typische Brummen auch dann, wenn das Handy gar nicht klingelt.

Jeff Posner mit seinem Blackberry: Spürt den Vibrationsalarm, auch wenn das Handy aus ist
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AP

Jeff Posner mit seinem Blackberry: Spürt den Vibrationsalarm, auch wenn das Handy aus ist

Analog zum Phantomschmerz nach dem Verlust eines Körperteils sprechen Experten in den USA bereits von "Phantomvibrationen".

Jonathan Zaback spürte dieses Phänomen zum ersten Mal, als er Freunden seinen neuen "BlackBerry Curve" zeigte. "Als sie ihn anschauten, spürte ich diese Vibration an meiner Seite", berichtete der Manager der PR-Agentur Burson-Marsteller. "Ich griff hin, um ihn in die Hand zu nehmen, als mir bewusst wurde, dass ich den Blackberry ja gar nicht mehr bei mir hatte." Zaback gehört zu den Hardcore-Nutzern des Smartphones. Er hat seinen BlackBerry neben sich am Bett, schaut nach E-Mails, wenn er nachts aufwacht, und lässt sich morgens von dem Gerät wecken.

Die "Phantomvibrationen" nimmt Zaback nicht weiter ernst. "Solange das nicht bedeutet, dass mir ein Tumor am Bein wächst, ist das in Ordnung", sagt der Smartphone-Nutzer. "Einige Leute haben eine biologische Uhr. Da habe ich ja vielleicht einen biologischen Blackberry."

Ähnliche Selbstbeobachtungen hat Dawn Mena gemacht. "Selbst wenn ich mal keinen BlackBerry dabei habe, ertappe ich mich dabei, wie ich im Sitzen meine Haltung verändere, um mich daran anzupassen", sagte die Technologieberaterin in der kalifornischen Ortschaft Thousand Oaks. "Ich lache über mich selbst, wenn ich danach greife, um ihn hervorzuholen (ich könnte schwören, dass er da ist), und dann feststelle, dass ich ihn gar nicht dabei habe."

Solche Berichte deuteten darauf hin, dass "die Leute das Gefühl haben, das Telefon wäre ein Teil von ihnen selbst", erklärt der Psychologe B.J. Fogg vom "Persuasive Technology Lab" der Universität Stanford. Die Menschen der Informationsgesellschaft seien so sehr darauf gedrillt, ja keinen Anruf zu verpassen, dass sie lieber einen falschen Alarm hinnehmen als eine Anfrage zu verpassen. "Unser Gehirn prüft ständig, ob wir jemandem antworten müssen."

In gewissen Kreisen ist man offenbar schon fast ein bisschen stolz auf die Phantomvibrationen. "Natürlich bekomme ich sie", sagt Fred Wilson von der New Yorker Venture-Capital-Firma Union Square Ventures. "Ich kenne das schon seit mehr als zehn Jahren." Für andere aber ist es nur eine weitere technische Irritation. Jeff Posner, Betreiber der Website e-ventsreg.com in New Jersey, entschied sich deswegen, seinen BlackBerry nicht mehr am Gürtel zu tragen, sondern in die Hemdentasche zu stecken. Da sei aber alles noch schlimmer geworden.

Der Karikaturist Scott Adams berichtete in seinem Blog dilbert.org, dass er die Phantomvibrationen etwa zehn Mal am Tag spüre und dann immer voller Erwartung auf eine E-Mail mit einer positiven Nachricht sei. Jake Ward von Qorvis Communications hat offenbar eine besonders sensible Form des Phänomens entwickelt: Er spürt es nach eigenen Angaben bereits, wenn eine mobile Nachricht gerade abgeschickt wurde und auf dem Weg zu seinem Smartphone ist.

"Ich spüre es, schaue drauf. Keine Vibration. Dann fängt es an zu vibrieren. Ich bin eins mit meinem BlackBerry."

Ellen Simon/AP

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