Hyperlinks sind elementar für den Erfolg des Internets. Sie basieren auf der akademischen Fußnote, die gedruckte Dokumente miteinander verbindet. Der revolutionäre Fortschritt des Web-Links besteht darin, dass man den verknüpften Inhalt per Mausklick erreicht - der gleiche Vorgang wäre bei der traditionellen Fußnote mit zeitaufwendiger Suche in Registern und Bibliotheksregalen verbunden.
Nachdem das Prinzip Hyperlink durch das Internet zum Allgemeingut geworden ist, wirkt der Umgang mit Informationen in der realen Welt plötzlich ziemlich umständlich. Hier gelten noch die alten Regeln der Fußnote, weil man reale Objekte eben nicht einfach anklicken kann, um näheres über sie zu erfahren. Mit dem Hype um die Online-Welt "Second Life" verbreitete sich allerdings die Vorstellung, man könne auch in dreidimensionalen Umgebungen mit Hyperlinks agieren.
Funkchips oder Satellitenbilder
Wieso kann man Dinge, die man sieht, nicht einfach anklicken? Diese Frage, der im Internet geschulten Wahrnehmung, ist inzwischen ein Hauptmotiv der technischen Entwicklung geworden. Dabei werden so unterschiedliche Bereiche wie RFID-Funketiketten, Satelliten-Ansichten von Google-Earth oder die Handy-Ortung miteinander verbunden.
Die direkte Verknüpfung von realen Objekten und Informationen, die sich auf Objekte beziehen, ist derzeit dank der RFID-Chips im Logistikbereich wohl am weitesten gediehen. Aber auch in anderen Bereichen gibt es bereits vielversprechende Ansätze. Vor allem seit Handys immer leistungsfähiger werden. So können beispielsweise japanische Konsumenten seit kurzem mit dem Handy auf Restaurants oder Geschäfte zeigen, um Informationen zu deren Angebot zu erhalten.
Dahinter steckt der Service "Mapion Pointing", der auf Mobiltelefonen mit Kompassfunktion, GPS-Positionsdaten und einer UMTS-Anbindung basiert: Durch die Kombination von Blickrichtung und Standort können die gewünschten Informationen aus einer Online-Datenbank abgerufen werden.
Alles wird zum Link
Der japanische Einkaufsführer mit Ortssinn dürfte allerdings erst ein bescheidener Anfang sein. Denn wenn es nach Nokia geht, wird das Handy in naher Zukunft zur universellen Computermaus. Auf der Nokia-Entwicklerkonferenz " The Way We Live Next" wurde dazu das ehrgeizige Projekt "Point & Find" offiziell vorgestellt, mit dem jedes Objekt verlinkbar werden soll.
Das System beruht auf der Technik der kalifornischen Firma Pixto, die Nokia erst dieses Jahr übernommen hat. Genau wie beim japanischen "Mapion Pointing" kombiniert "Point & Find" die Daten von GPS und anderen Sensoren, um sie online mit einer Datenbank abzugleichen. Aber Nokia hat sehr viel ehrgeizigere Ziele, als eine möglichst exakte Navigation.
Bei "Point & Find" stehen nämlich die Bilder aus der Handy-Kamera im Mittelpunkt. Die Fotos werden umgehend an einen Nokia-Server verschickt, dort analysiert und die Ergebnisse wieder aufs Mobiltelefon des Nutzers gesandt.
Dadurch soll "Point & Find" auch mit bereits existierenden Handy-Modellen funktionieren. Zudem soll das System nicht nur Immobilien wie Ladengeschäfte sondern auch bewegliche Objekte erkennen können: Das Foto vom Auto am Straßenrand wird so beispielsweise per Bilderkennung zum direkten Link auf die Websites des Herstellers. Eine erste Version des Systems soll dem Vernehmen nach bereits nächstes Jahr angeboten werden.
Sascha Koesch / Fee Magdanz / Robert Stadler
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