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04.11.2007
 

SMS-Werbung

Motorola will Handy-Privatpost lesen

Per Stichwortsuche in SMS und Telefongesprächen will Motorola personalisierte Werbebotschaften aufs Handy-Display bringen. Was im Internet fast alltäglich ist, gilt auf dem Handy als Verletzung der Privatsphäre.

Motorola - einst für Wunderhandys geliebt, heute für Mittelklasse-Machwerke berüchtigt, entwickelt nun Werbesoftware. Marketingchef Kenneth Keller provozierte diese Woche vorhersehbaren Protest von Datenschützern, als er der britischen "Times" von Plänen erzählte, SMS und Telefonate nach werberelevanten Stichworten zu durchsuchen. Wenn beispielsweise die Stichwörter "Hunger" und "Essen" in einem Handy-Gespräch gefunden werden, könnte der Nutzer Werbung für Restaurants seiner Nähe erhalten - denn selbstverständlich würde man auch die Mobilfunk-Positionsdaten für die Auswahl zielgerichteter Werbebotschaften nutzen.

"Wir besitzen die Technik herauszufinden, wo sich jemand aufhält und woran er gerade interessiert sein dürfte," erklärte Keller. Natürlich weiß der Marketing-Manager, dass er damit ein Traumszenario aller Werbetreibenden beschreibt: Wenn man die Kommunikation potentieller Kunden automatisch analysieren könnte, würde kein Konsumwunsch verborgen bleiben, gleichzeitig würden Werbeplazierungen ohne Streuverluste möglich.

Programmierter Protest

Laut Keller hat Motorola die nötige Software zur Text- und Sprachanalyse bereits entwickelt, und auch schon Sondierungsgespräche mit möglichen Partnern aus der Mobilfunkbranche geführt. Keller sagte aber auch, dass Motorola sich der möglichen Folgen für die Privatsphäre bewusst sei.

Daher werde sich die Stichwortsuche in SMS und Telefonaten auch nur mit einem Opt-in-Modell verwirklichen lassen. Nutzer, die die Analyse ihrer Mobilkommunikation erlauben, könnten beispielsweise mit verbilligten Tarifen belohnt werden. Utopisch ist dieses Konzept nicht, so tauscht beispielsweise die britisch-finnische Firma Blyk bereits den Empfang von Werbebotschaften gegen Frei-SMS.

Wie Datenschützer auf diese Ausführungen reagieren, ist absehbar: "Letzten Endes läuft das Opt-in-Modell doch darauf hinaus, dass diejenigen, die nicht einwilligen, bestraft werden," erklärte Simon Davies, Direktor von Privacy International und Initiator der Datenschutznegativpreise "Big Brother Awards". Demnach wären die "verbilligten" Tarife in Wirklichkeit der reguläre Preis, während für die Selbstverständlichkeit einer intakten Privatsphäre Gebühren fällig werden.

Zustände wie im Internet

Davies Kritik an den Plänen für personalisierte Handy-Werbung dürfte den meisten Nutzern sofort einleuchten. Aber dieselben Nutzer akzeptieren im Internet meist klaglos auf ihre Interessen zugeschnittene Werbung - etwa bei jeder Google-Suche. Und dieser Widerspruch dürfte auch die Ursache für den Glauben der Werbetreibenden an einen Sinneswandel der Konsumenten sein: Wer sich im Web ohne Hemmungen offenbart, sollte bald auch am Handy seine Zurückhaltung aufgeben, so die Überlegung.

Der Vergleich mit den Gepflogenheiten im Internet zeigt, dass das Geschehen auf dem Handy-Bildschirm ganz anders wahrgenommen wird als das Web. Das Telefon in der Hosentasche gehört nämlich - noch - eindeutig zur Privatsphäre, während die meisten Internet-Aktivitäten eher der öffentlichen Sphäre zugeordnet werden. Wenn nun die beiden Welten immer weiter verschmelzen, ist ein Konflikt programmiert.

Und dass Internet und Mobilfunk zusammenwachsen, steht wohl außer Frage, wie die aktuellen Meldungen zu Googles Handy-Plänen zeigen. Googles Vorstandsvorsitzender Eric Schmidt hat übrigens schon letztes Jahr beschrieben, wie er sich Mobiltelefonie vorstellt: Handys und ihre Nutzung sollen kostenlos sein, aber dafür voller Werbung.

Sascha Koesch / Fee Magdanz / Robert Stadler

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