Von Frank Patalong
Am späten Montagnachmittag europäischer Zeit will Google ein neues Kapitel in der Geschichte des Unternehmens aufschlagen: Kurz nach 18 Uhr wird der Suchmaschinenkonzern bekanntgeben, wen er alles schon als Partner und Nutzer für seine geplante offene Mobilfunk-Plattform gewonnen hat. Das Ziel: auf dem Handy so allgegenwärtig zu werden wie im klassischen Internet.
Dort ist Google nicht eine, sondern die Marke überhaupt, wenn es um Suche geht - und um coole Internet-Anwendungen wie Maps oder Earth. Auch Dienste wie Blogger oder Google Mail erfreuen sich einiger Popularität, dazu kam im vergangenen Jahr ein stetig wachsendes kostenloses Softwarepaket. Doch letztlich bleibt Google auf dem Desktop ein Gast, dessen Programme nur laufen, wenn darunter ein Betriebssystem schuftet. Und das heißt in den meisten Fällen nach wie vor Windows. Microsoft mag Marktanteile verlieren, aber es ist und bleibt der Monolith auf dem PC-Markt.
Im Bereich des mobilen Webs sieht das anders aus. Hier konkurrieren Microsoft und Symbian, Palm OS und Linux um möglichst große Stücke vom Kuchen. Ein de-facto-Standard wie auf dem PC existiert bisher nicht.
Genau den will Google schaffen.
Worum geht es eigentlich?
Denn es ist ein Missverständnis, dass Google plant, direkt in das Mobilfunkgeschäft einzusteigen. So wie Microsoft kein Computer-, sondern ein Softwarekonzern ist, will Google nicht direkt die technische Plattform entwickeln oder ein Netz betreiben - sondern indirekt zur Mobilfunkmacht werden, indem es das Betriebssystem für alle liefert.
Ein hehrer Anspruch, wenn man bedenkt, dass Microsoft zum Beispiel allein in diesem Jahr rund 20 Millionen Handys mit einem mobilen Windows-System bestücken will. Der IT-Riese hat einen mächtigen Vorsprung. Doch Google hat einen Trumpf im Ärmel.
Denn Google hat vor, seine Waren zu verschenken. Google Mail, das zeichnet sich immer deutlicher ab, ist als offene Plattform konzipiert. Jeder Handyhersteller, jeder Software-Entwickler soll offenbar Zugang zum System bekommen - und ohne Lizenzgebühren die Software nutzen und Dienste aufsetzen können.
Davon will auch Google eine Menge entwickeln: Von Google Earth über Lokalisierungsdienste, die auf Maps aufsetzen, bis hin zu YouTube sollen Google-Dienste zur alltäglich genutzten Ware werden.
Die Methode erinnert an Microsoft. Vor elf Jahren begann der Konzern aus Redmond damit, Konkurrenten aus der Web-Startup-Welt aus dem Markt zu drängen, indem er Produkte wie den Internet Explorer zum überall vorinstallierten Gratis-Standardprogramm machte; später auch den Media Player. Das Kalkül ging schnell auf, verschaffte Microsoft ein bis zur Veröffentlichung von Mozilla/Firefox unangefochtenes Quasi-Monopol - und zerstörte letztlich die Grundlage für einen kommerziell orientierten Browser-Markt. Internet-Browser werden verschenkt. So wie künftig auch die Betriebssysteme für mobile Telefone, wenn es nach Google geht.
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