Bonn - Es passiert nicht oft, dass ein Firmenlenker vor die Presse tritt, um den begierig wartenden Journalisten die Verkaufszahlen für ein Telefon in die Blöcke zu diktieren - am Ende des ersten Verkaufstages. Aber Apples iPhone, in Deutschland exklusiv von T-Mobile vertrieben, ist auch nicht irgendein Mobiltelefon - aus Marketing- und PR-Perspektive ist es ein feuchter Traum.
Denn das Gerät generiert durch seine bloße Existenz Nachrichten. So bekam T-Mobile-Chef Philipp Humm Gelegenheit, der Presse das Ausmaß seiner Begeisterung zu vermitteln: "Wir sind begeistert und freuen uns über das riesige Interesse unserer Kunden am iPhone."
Humm sieht die "strategische Entscheidung", das "revolutionäre Gerät in unser Angebot aufzunehmen", bestätigt. Klingt nach Entscheidung aus freiem Willen, war es aber wohl nicht: Dem Zuschlag für T-Mobile war ein regelrechter Bieter-Wettkampf vorausgegangen. Apple vertreibt das Gerät in jedem Land exklusiv nur mit einem Partner, und den konnten sich die Amerikaner aussuchen. Wie genau die Zugeständnisse der Partner aussehen, ist nicht bekannt, billig soll der Spaß aber nicht sein: Apple lässt sich angeblich auch an den Erlösen aus den an das Telefon gekoppelten Verträgen beteiligen, die Rede ist von 30 Prozent.
Wirkt Kult auch, wenn es kalt ist?
So ganz hatte auch T-Mobile der Sache nicht vertraut. Trotz des "großen Erfolges" ist die Hysterie ums Telefon in Deutschland weit weniger ausgeprägt als in den Vereinigten Staaten, wo Fans teils Tage vor Verkaufsbeginn vor den Läden kampierten. Das scheiterte hierzulande nicht nur am Wetter, sondern auch am mangelnden Interesse: Den Plan, iPhone-Fans in der Nacht zu Freitag aus der ganzen Bundesrepublik per Bus nach Köln zu verfrachten, gab T-Mobile mangels Nachfrage auf.
In Köln reichte es immerhin für eine hinlänglich euphorisch gefeierte Launch-Party, zu der mehrere Hundert Kunden aus der ganzen Republik angefahren waren. Dort will, wie es inzwischen heißt, T-Mobile rund 700 Handys gebunkert haben, um die Fans zu versorgen. Verkauft wurden davon angeblich rund 200.
Nirgendwo sei es zu chaotischen Zuständen gekommen, gab dementsprechend auch ein Sprecher des Unternehmens zu. Der Verkauf laufe in ruhigen Bahnen. Den Interessenten sei klar signalisiert worden, dass das iPhone kein rares Gut, sondern auch noch in der nächsten Woche verfügbar ist.
So gut das klingt, ist es vielleicht die einzige Enttäuschung: Ein kleines bisschen mehr Chaos wäre schon schön gewesen.
pat/dpa
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