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20.11.2007
 

Funkfrequenz-Vergabe

Radiosender blockieren Datenfunk-Frequenzen

Mehr Platz für mobilen Datenfunk: Einer UN-Konferenz hat beschlossen, bisher für Radiosender reservierte Funkfrequenzen für Telekomdienste zu öffnen. Leider schert Europa dabei aus. Mögliche Folge: Mobilgeräte aus den USA und Asien werden in Europa nicht funktionieren.

Wie Mobilfunk im Jahr 2015 aussehen wird, wagt kaum jemand ernsthaft vorherzusagen. Außer der International Telecommunication Union (ITU) - solche Prognosen gehören zu den Aufgaben dieser Uno-Tochter für Telekommunikationsfragen. Die ITU soll die Telekommunikationspolitik ihrer 164 Mitgliedsstaaten für die kommenden Jahrzehnte koordinieren.

W-Lan-Antenne auf Straßenlaterne: So sieht das Drahtlos-Internet heute im kalifornischen Anaheim aus
AP

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Beim aktuellen ITU-Treffen "World Radio Communication Conference 2007" haben die Mitglieder entschieden, dass Radiosender in Zukunft Funkfrequenzen an Mobilfunker abtreten müssen.

Hintergrund: Durch die Digitalisierung erhöht sich die Zahl möglicher Sender dramatisch, weil die Frequenzen deutlich weniger "Sicherheitsabstand" zu benachbarten Bändern benötigen. Die Folge: Plötzlich ist sehr viel Platz in technisch attraktiven Sendebereichen. Dieser Kapazitätszugewinn ist so bedeutsam, dass er in Fachkreisen als "digitale Dividende" bezeichnet wird.

Wer von der digitalen Dividende profitieren darf, ist heftig umstritten: Denn nicht nur die Zahl potentieller Sendeplätze ist gewachsen, sondern auch die der Interessenten. Vereinfacht gesagt konkurrieren Radiosender und Telekomunternehmen um die Segnungen des digitalen Frequenz-Füllhorns.

Radiosender verteidigen ihre Pfründe

Die Radiosender befinden sich in der Defensive. Tendenziell verlieren sie Frequenzen an den Mobilfunk, WiMAX oder andere Datendienste. Die Details dieser Umverteilung wurden jetzt auf der "World Radio Communication Conference 2007" ausgehandelt. Laut dem Schlussdokument, auf das sich dich die 2800 Delegierten einigen konnten, müssen die Radios erhebliche Teile ihrer angestammten Sendebereiche an die Telekom-Konkurrenz abtreten.

Allerdings nicht in Europa: Während in Nord- und Südamerika, sowie in fast allen asiatischen Staaten, bis 2015 der für Datenübertragung besonders gut geeignete Bereich von 698 bis 806 Megahertz zur Verfügung stehen wird, konnten die europäischen Rundfunkanstalten große Teile dieses Bereichs als ihr Hoheitsgebiet verteidigen. In Europa, Afrika und dem Mittleren Osten steht nach 2015 der Bereich von 790-862 Megahertz für Mobilfunk und Laptop-Netze zur Verfügung.

Diese Weichenstellung könnte dramatische Folgen für die Entwicklung in Europa haben. Im schlimmsten Fall könnten Hard- und Software vieler Funkdienste zwischen Europa und den Technologiezentren in den USA und Asien inkompatibel werden.

Auf der Frequenz, die in Peking und San Francisco zum mobilen Surfen verwendet wird, dürften Europäer dann der Hitparade lauschen.

Endgültig besiegelt ist dieses Szenario aber zum Glück noch nicht. Denn in der EU-Kommission kursieren Pläne, die strikte Trennung zwischen Radio- und Telekom-Frequenzbereichen generell aufzuheben.

Sascha Koesch / Fee Magdanz / Robert Stadler

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