Von Matthias Kremp
T-Mobile will sich die Butter nicht vom Brot nehmen lassen. Konkurrent Vodafone zwang das Unternehmen per einstweiliger Verfügung, das iPhone auch ohne Vertragsbindung anzubieten. Dieser Verpflichtung kommt Apples exklusiver deutscher iPhone-Vertriebspartner jetzt nach. Allerdings belegt das Unternehmen die entsperrte Version mit einem üppigen Strafzoll. 600 Euro Aufpreis kostet das iPhone ohne Netzsperre. Lohnt sich das?
Nicht nur über den Preis, auch mit Argumenten versucht T-Mobile das entsperrte iPhone madig zu machen. Zwar sei "das Telefonieren mit dem iPhone auch in anderen Netzen möglich", sagte eine T-Mobile-Sprecher. Dennoch müsse man mit Einschränkungen rechnen. So sollen "zahlreiche Funktionen weiterhin nur für T-Mobile-Kunden mit einem Complete Tarif verfügbar" sein.
Visual Voicemail
So wird darauf verwiesen, dass Visual Voicemail, der spezielle Anrufbeantworter des iPhone, nur im T-Mobile-Netz funktioniert. Die von Apple als große Besonderheit gepriesene Funktion, mit der man auswählen kann, wann und in welcher Reihenfolge man Sprachnachrichten abhört, fehlt in anderen Netzen. Wer dort den Anrufbeantworter aufruft, landet stattdessen bei der Standard-Mailbox des jeweiligen Anbieters. Wer damit leben kann, Sprachnachrichten weiterhin auf die gewohnte sequentielle Weise, also einfach nacheinander, abzuhören, wird Visual Voicemail kaum vermissen.
Zudem weist T-Mobile selbst darauf hin, dass "Visual Voicemail nur im deutschen Netz von T-Mobile" verfügbar ist. Das deutet darauf hin, dass Apples Anrufbeantworter auch mit einem entsperrten iPhone funktioniert, solange man dort eine T-Mobile-Karte eingesteckt hat.
Das Edge-Netz
Viel wichtiger als der visuelle Anrufbeantworter dürfte im täglichen Umgang mit dem Gerät, das sich gerade als mobile Surfstation anbietet, die Verfügbarkeit passender Edge-Mobilfunknetze sein. In diesem Bereich ist T-Mobile in Deutschland unangefochtener Klassenprimus. Bis Ende des Jahres soll der größte Teil Deutschlands per Edge mit Datenraten von 220 Kilobit pro Sekunde vernetzt sein.
Die Konkurrenz hinkt diesem Angebot hinterher. Zwar ist Vodafone auch dabei, sein Edge-Netz auszubauen, scheint jedoch bei weitem noch nicht so weit zu sein wie T-Mobile. Konkurrent O2 hat angekündigt, sein Netz im Zuge der turnusmäßigen Erneuerung von Basisstationen umrüsten zu wollen und E-Plus will gar erst 2008 mit dem Aufbau eines Edge-Netzes beginnen.
Wo kein Edge vorhanden ist, muss das iPhone allerdings mit dem viermal langsameren Standard GPRS vorlieb nehmen, von Datenautobahn keine Spur. Das ist eher wie Autofahren mit angezogener Handbremse. Deshalb: Die beste Internetversorgung per Mobilfunknetz bekommt man mit dem iPhone bei T-Mobile.
Die W-Lan-Hotspots
Als eines der Argumente für den Abschluss eines iPhone-Vertrags führt T-Mobile das firmeneigene Netz an Hotspots ins Feld. Immerhin 8000 dieser drahtlosen Internet-Zugangspunkte hat das Unternehmen deutschlandweit in den Ballungszentren der Städte installiert. Die lassen sich mit sämtlichen iPhone-Verträgen nach Lust und Laune nutzen. Eine Beschränkung des dabei monatlich übertragenen Datenvolumens gibt es nicht, die gilt nur für das Edge-Netz.
Dennoch ist man beim Thema W-Lan nicht ausschließlich auf T-Mobile angewiesen. So listet beispielsweise "Hotspot-Locations" deutschlandweit allein rund 6500 kostenlose Hotspots. Intels W-Lan-Verzeichnis Jiwire listet gar 19.563 drahtlose Internet-Zugänge innerhalb Deutschlands. Darunter sind freilich auch vielfach Hotels und Gaststätten aufgeführt, die zweifelsohne Gebühren für die Nutzung ihrer Netze erheben. Klar ist aber: Um mit dem iPhone via W-Lan zu surfen, ist man nicht auf T-Mobile angewiesen.
Die iPhone-Tarife
T-Mobile wird überdies nicht müde zu betonen, mit den iPhone-Tarifen könne man bis zu 40 Prozent gegenüber entsprechenden Einzeltarifen sparen. Das fällt bei Monatspreisen zwischen 50 und 90 Euro zwar schwer zu glauben, ist aber durchaus richtig. Wer allerdings nicht alle Komponenten der Sammeltarife ausnutzt, zahlt trotzdem drauf, blecht für ungenutze Inklusivminuten, Frei-SMS oder Datenvolumina.
Hier kann man durch entsprechende Billigtarife von Anbietern wie Simyo oder Blau.de einiges sparen. Sinnvoll ist die Kombination iPhone/Billigtarif aber nur für reine Telefonierer, die bestenfalls gelegentlich eine E-Mail online abholen. Der Grund: Die meisten Billiganbieter nutzen die Edge-schwachen Netze von E-Plus und O2. Dort kommt beim Langsam-Surfen mit dem iPhone kaum Freude auf.
Für wen lohnt sich das entsperrte T-Mobile-iPhone also?
Nur für Design-Fetischisten, die unbedingt ein Apple-Handy haben wollen, aber die Inklusivleistungen der iPhone-Tarife nicht brauchen. Billig wird das Gerät damit aber trotzdem nicht. Einziger echter Vorteil: Der Wiederverkaufswert dürfte durch die offizielle Entsperrung steigen. Denn ein solches Gerät wird auch in Zukunft offen für alle Updates sein, die Apple seinem Handy angedeihen lässt.
Wer auf diese Sicherheit verzichten kann, aber unbedingt ein entsperrtes iPhone haben will, ist mit Angeboten von Drittanbietern oder einem selbst aus den USA importierten Apple-Handy besser beraten. Die eBay-Preise für derartige Geräte dürften angesichts der aktuellen Entwicklung nochmals drastisch nachgeben. Schon jetzt bleibt mancher Verkäufer auf seinem Angebot sitzen.
Zudem hat T-Mobile angekündigt, gegen Vodafones einstweilige Verfügung anzugehen, behält sich gar vor, Schadensersatz zu fordern. Sollte der Konzern vor Gericht Recht bekommen, soviel ist schon jetzt klar, wird das entsperrte iPhone sofort wieder aus den Regalen verschwinden und nur noch die vertragsgebundene Version angeboten. Eile tut also Not.
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