Handy-Hersteller Sony Ericsson beschreibt in einem Patentantrag eine neue Methode zum intuitiven Datentransfer. Der Titel ist so sperrig wie nichtssagend: "Programmierung und Anwendung einer Fernsteuerung". Die Idee ist umso plastischer: Im Laufe einer Unterhaltung kommt man darauf, dem Gesprächspartner eine Datei zu übermitteln, beispielsweise ein Foto oder die eigene Visitenkarte. Nach der Vorstellung der Sony Ericsson-Entwickler greift man dazu einfach das entsprechende Icon und wirft es vom eigenen Display in Richtung des Gegenübers .
Bevor der Transfer ausgeführt wird, muss der Nutzer nach der Bewegung des Icons nur noch einmal Klicken, um den Vorgang zu bestätigen, womit die gesamte Prozedur im Vergleich zu aktuellen Verfahren wirklich radikal vereinfacht ist. Denn heute muss man für die gleiche Aktion in der Regel zunächst ein Menu aufrufen, den Transferkanal auswählen und sich mit dem gewünschten Handy verbinden, wozu oft auch noch die Eingabe eines Passworts nötig ist. Nach der Sony-Ericsson-Idee schubst man dagegen die gewünschte Datei einfach rüber.
Das intuitive Schnippen mit dem Finger oder einem Datenstift, um eine Aktion zwischen zwei Telefonen auszulösen, würde heute natürlich ganz schnell scheitern, weil es voraussetzt, dass die Verbindung zwischen zwei Handys ohne Zutun der Nutzer im Hintergrund aufgebaut wird. Und dies leisten Telefonen heute nur, wenn man alle Sicherheitseinstellungen deaktiviert, was sicher nicht empfehlenswert ist.
Die Sony-Ericsson-Entwickler gehen in ihrem Patent daher davon aus, dass sich zukünftige Handys mittels einmaliger Hardware-Codes sicher und einfach "ausweisen" können. Dabei sollen sogenannte NFC-Chips zum Einsatz kommen, die sich bereits zur sicheren Authentifizierung beim Bezahlen mit dem Handy bewährt haben. Und die Integration der NFC-Technik in den gängigen Nahfunkstandard Bluetooth ist bereits beschlossene Sache, weshalb das im Patent beschriebene Szenario nicht utopisch ist.
Bluetooth oder NFC werden aber auch zukünftig nicht in der Lage sein, die Richtung zu bestimmen, in der sich ein anderes Gerät befindet. Daher macht es für das Patent zum Dateien-Schubsen praktisch auch keinen Unterschied, ob man das Icon wirklich in Richtung des gewünschten Handys bewegt - man kann die Datei vielmehr in beliebiger Richtung symbolisch über den Display-Rand ziehen.
Intuitiv wird man die Datei allerdings schon in Richtung des angepeilten Telefons bewegen, womit das Patent voll im Handy-Trend liegt, der auf das selbstverständliche Hantieren mit den Geräten setzt: Wie der japanische Dienst "Mapion Pointing", bei dem man schlicht mit dem Handy auf ein Geschäft oder ein Restaurant zeigt, um Detail-Informationen zu erhalten - in diesem Fall ist tatsächlich ein Kompass zur Orientierung im Spiel. Und nach der gleichen Logik will Nokia mit einem Service namens "Point & Find" alle Dinge, die man im Sucher der Handy-Kamera sieht, wie einen Internet-Link klickbar machen.
Sascha Koesch / Fee Magdanz / Robert Stadler
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