Von Matthias Kremp
T-Mobile prüft Schadensersatzansprüche
Vorerst heißt es für die beteiligten Unternehmen jedoch, ihre Wunden zu lecken und das weitere Vorgehen abzustimmen. Man sei "auch weiterhin bereit, für dieses Vertriebsmodell zu kämpfen", sagt Telekom-Vorstand Philipp Humm. Tatsächlich besteht für Vodafone auch die Möglichkeit, binnen der kommenden vier Wochen beim Hanseatischen Oberlandesgericht Berufung einzulegen. Das wäre allerdings schlechter Stil. Schließlich hatte Unternehmenschef Joussen von Anfang an betont, es ginge ihm primär darum, die Rechtmäßigkeit des iPhone-Exklusivvertriebs rechtlich überprüfen zu lassen. Für den Fall einer Niederlage vor Gericht kündigte er an, sich dem Urteil beugen zu wollen.
T-Mobile hingegen prüft nach Auskunft der Pressestelle weiter, ob man nun Schadensersatzansprüche gegen Vodafone geltend machen könne. Entschieden sei in dieser Hinsicht aber noch nichts. Als größtes Problem dürfte sich dabei die Frage darstellen, wie man den Schaden belegen solle. Denn in erster Linie geht es für den deutschen Mobilfunk-Marktführer darum, sein angeschlagenes Image wieder aufzurichten.
Das hatte vor allem Schaden genommen, weil es bei der erzwungenen Entsperrung der iPhones zu allerlei Problemen gekommen ist. Zunächst berichteten Kunden von vollkommen ahnungslosen Mitarbeitern, die entweder nichts von vertragsfreien iPhones wussten oder keine Ahnung hatten, wie das Apple-Handy von seiner Sim-Lock-Sperre zu befreien sei. Erhebliche Reibungsverluste hatte es offenbar auch bei Apple selbst gegeben. Nur der Hersteller selbst konnte über eine Art Online-Update die mit 999 Euro sehr teuer bezahlten iPhones freischalten. Einzelne Anwender berichten, auf diese Freischaltung bis zu zehn Tage gewartet zu haben.
Die Bundesnetzagentur prüft noch
Einen Nebenkriegsschauplatz hatte der Mobilfunkvermarkter Debitel eröffnet. Das Unternehmen beschwerte sich seinerseits bei der Bundesnetzagentur über die per Sim-Lock gesperrten iPhones. Kaum, dass T-Mobile mit dem Verkauf der entsperrten Geräte begonnen hatte, startet Debitel den Verkauf eines eigenen iPhone-Tarifs. Wechselwillige Kunden wurden mit einer 600-Euro-Fangprämie gelockt.
Doch damit könnte es bald vorbei sein. "Unseren Tarif müssen wir nun wahrscheinlich aus dem Angebot nehmen", heißt es seitens der Pressestelle. Man bedaure, "dass den Verbrauchern nun offensichtlich die freie Netzwahl verwehrt wird". Das sei ein klarer Verlust für die Kunden. Als abgeschlossen sieht man den Streit um das iPhone aber offenbar nicht an. Schließlich werde Debitels Anzeige bei der Bundesnetzagentur im Moment noch bearbeitet.
Wo bekommt man noch ein "FreiPhone"?
Wer sich jetzt noch ein entsperrtes Apple-Handy besorgen will, muss künftig wieder auf andere, als die offiziellen Kanäle ausweichen. Sehr beliebt scheint hier eBay zu sein, wo seit Monaten ein schwunghafter Handel mit iPhones betrieben wird - trotz möglicher Nachteile. Eine weitere Auswahlmöglichkeit bietet Frankreich, wo Apple-Vertriebspartner Orange das iPhone ohne Vertrag für 749 Euro offerieren muss. Ob das hierzulande allerdings fehlerfrei funktioniert, ist unklar.
Und schließlich kann man sich das Gerät auch aus dem USA mitbringen. Inklusive US-Steuern und deutschem Einfuhrumsatzzoll kommen rund 350 Euro zusammen. Ein solches Gerät muss man allerdings erst selber per "Jailbreak"-Software entsperren. Das geht dank einfacher Tools und vieler Online-Anleitungen zwar meist problemlos, verhindert aber, dass man sich künftige Software-Updates aufs Handy spielen kann. Wer das trotzdem versucht, kann sich meist sicher sein, das Gerät damit unbrauchbar zu machen.
Für iPhone-Anwender hat sich der Streit gelohnt
Immerhin jedoch hat das Gerangel um das iPhone für Käufer des Kult-Geräts trotz der nun wieder etablierten Vertrags- und Netzbindung einige Vorteile gebracht. Allen voran den, dass T-Mobile versprach, iPhones generell nach Ablauf der zweijährigen Mindestvertragslaufzeit von ihrem Sim-Lock zu befreien. Spätestens dann also hat man auch als iPhone-Nutzer die freie Wahl zwischen den Netzanbietern.
Damit nicht genug, fühlte sich T-Mobile offenbar genötigt, auch die oft als zu teuer kritisierten iPhone-Tarife nachzubessern. So kann man mit seinem iPhone am Wochenende komplett kostenlos telefonieren. Und wenn man mal sein Budget an Inklusivminuten überschreitet, wird es auch ein wenig billiger. Statt bisher 39 Cent kostet die Zusatzminute in den beiden kleinen Tarifen (50 beziehungsweise 70 Euro pro Monat) nunmehr 29 Cent. Wer sich für das große Paket Complete XL für 90 Euro pro Monat entscheidet, muss sogar nur noch 9 Cent pro Extraminute berappen.
Aber vielleicht muss zu Weihnachten ja gar kein iPhone auf dem Gabentisch liegen. Schließlich hat die Konkurrenz auch schöne Töchter, sprich Handys, zu bieten. Und die bekommt man in der Regel auch, ohne sich auf ewig binden zu müssen.
Auf anderen Social Networks posten:
HilfeLassen Sie sich mit kostenlosen Diensten auf dem Laufenden halten:
| alles aus der Rubrik Netzwelt | Twitter | RSS |
| alles aus der Rubrik Mobil | RSS |
© SPIEGEL ONLINE 2007
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH