In der IT-Branche besteht Umweltschutz derzeit vor allem aus Schadensbegrenzung. Etwas weniger Energie verbrauchen, etwas weniger E-Schrott hinterlassen und die Recycling-Quote etwas steigern. Mehr ist wohl nach dem Stand der Technik nicht zu erwarten, denn für wirklich einschneidende Maßnahme müssten sich Produktions-, Konsum- und Entsorgungsgepflogenheiten von Grund auf ändern.
Eco Book: Dieses Asus-Notebook ist von Bambus-Holz umhüllt - ein kleiner Beitrag zum Umweltschutz, den nun Handy-Bauer nachahmen
Entsprechend durchwachsen fällt auch die Bilanz der "Greener Gadgets Competition" aus, die das Design-Magazin "Core77" anlässlich der Messe "Green Gadgets", die im Februar in New York stattfand, ausrief.
Unter den "ehrenwerten" Erwähnungen findet sich beispielsweise das "kompostierbare" Handy " Bamboo". Dessen Schalen bestehen aus Bambus. Designer Gert-Jan van Breugel hat zudem Bambus-Samen in der Hülle platziert, um die CO2-Bilanz des Geräts auszugleichen. Leider müssen vor der Kompostierung die Batterien, die Platine sowie das Display von der Bambusschale getrennt werden.
Mit der vollmundigen Ankündigung und dem mageren Resultat ist "Bamboo" wohl ein typisches Phänomen des gerade erst entbrannten IT-Umweltbewusstseins. Ebenfalls typisch: Weil sich die meisten Beteiligten erst seit kurzem mit dem Thema beschäftigen, werden alte Ideen als neues Grün verkauft. Denn bereits vor vier Jahren stellten Materialforscher von der University of Warwick kompostierbare Handyschalen vor - integrierte Samenkörner inklusive.
Glücklicherweise finden sich auf den vorderen Plätze der "Greener Gadgets Competition" vielversprechendere Entwürfe, als die Bambus-Mogelpackung. Den ersten Preis erhielt ausgerechnet ein Entwurf, der wie ein Haufen E-Schrott im Marmeladenglas aussieht. Dafür kann man mit " EnerJar" den Energieverbrauch beliebiger Geräte kontrollieren. Man muss die Stromzufuhr nur durch den Bausatz leiten, dann kann man im Inneren des Marmeladeglases auf einem LED-Display die Watt-Zahl ablesen.
Und wie "EnerJar" setzt auch der zweitplazierte Entwurf bei den grundlegenden Verbrauchsstrukturen an. " GreenCel" mutet sogar noch weniger "grün" an, als der Gewinner-Bausatz. "GreenCel" schlägt nämlich ein Konzept zur Energieversorgung mobiler Geräte vor, das ausgerechnet auf Automaten beruht. In diesen befinden sich allerdings keine Wegwerf-, sondern Leih-Akkus, für die man neben dem Entgelt für den gespeicherten Strom auch Pfand entrichtet. Großes Potential hat der Vorschlag, weil beim unsachgemäßen Aufladen von Akkus phantastische Mengen Energie verloren gehen.
Sascha Koesch / Fee Magdanz / Robert Stadler
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