• Drucken
  • Senden
  • Feedback
09.03.2008
 

Mobilfunk kontra Klimaschutz

Energiesparfenster sollen Handy-Empfang stören

Eine Managerin der Bank of America verblüfft die Branche mit ihrem Bericht über Energiesparfenster, die Mobilfunksignale behindern. In einigen Bankgebäuden mussten Signalverstärker installiert werden, um den Empfang zu sichern.

Eine bessere Isolierung von Gebäuden gilt als ein effizientes Mittel, um den Energieverbrauch zu senken und damit auch den CO2-Ausstoß. Hierzulande wird die Umsetzung der Klimaschutzmaßnahme detailliert in der "Energieeinsparverordnung" geregelt, die Gebäudesanierung ist zudem ein Element der "Nachhaltigkeitsstrategie" der Bundesregierung.

Bank of America: Eine Passantin läuft an einer Filiale der US-Bank am New Yorker Times Square vorbei
Zur Großansicht
REUTERS

Bank of America: Eine Passantin läuft an einer Filiale der US-Bank am New Yorker Times Square vorbei

Aber die Gebäudeisolierung könnte auch zu überraschenden Kollateralschäden führen - behauptet zumindest eine US-Bankmanagerin: Eileen Bridges, Vizepräsidentin für strategische Planung bei der Bank of America, berichtete auf einer Mobilfunkkonferenz, dass bestimmte Energiespar-Fenster den Handy-Empfang im Gebäude ganz erheblich behindern können.

Bridges erklärte in einem Vortrag im Rahmen der "Mobile & Wireless Enterprise 2008", dass es in drei Gebäuden ihres Unternehmens auffällige Probleme mit dem Mobilfunkempfang gebe. Als das Phänomen untersucht wurde, habe sich heraus gestellt, dass bei den betroffenen Bürohäusern die gleichen Energiesparfenster eingebaut wurden. Von den 15 Gebäuden am Stammsitz der Bank of America in Charlotte im US-Bundesstaat North Carolina wurden die Fenster laut Bridges genau an den drei installiert, in denen jetzt die Empfangsprobleme auftraten. Andere Ursachen für den gestörten Empfang könnten nach ihren Untersuchungen unterdessen ausgeschlossen werden.

Die Managerin geht daher davon aus, dass die Fenster die Ursache für die Probleme sind, auch wenn ähnliche Probleme mit Energiesparfenstern bislang nicht bekannt seien. In den betroffenen Häusern kommen inzwischen Signalverstärker zum Einsatz, um den Mitarbeitern den mobilen Netzzugang zu ermöglichen. Diese Maßnahme verursacht zum einen unvorhergesehene Kosten, aber auch einen zusätzlichen Energieverbrauch, was natürlich der Intention beim Einbau der Fenster zuwider läuft.

Nach den Ausführungen der Bank-Managerin wird der Mobilfunk von einer bestimmten Metallbeschichtung behindert, die aufgedampfte Schicht soll eigentlich nur Wärmestrahlung nach Innen reflektieren. Und auch wenn die versammelten Experten auf der " Mobile & Wireless Enterprise 2008" skeptisch reagierten, gab sich Bridges überzeugt, auf ein größeres Problem gestoßen zu sein: "Vermutlich sehen wir nur die Spitze des Eisbergs," erklärte sie gegenüber dem US-Magazin "Computerworld".

Völlig abwegig ist die These nicht, denn Fenster mit hauchdünnen, transparenten Metallschichten kommen auch zum Einsatz, wenn mobiler Datenfunk gezielt unterbunden werden soll. Dabei geht es in der Regel um Sicherheitsaspekte, etwa wenn man Eindringlingen nicht einmal die Chance geben will, die W-Lan-Verschlüsselung zu knacken. Entsprechende Fenster, die W-Lan- und Handy-Signale zuverlässig blocken, bietet beispielsweise von der US-Firma Astic Signals Defenses an, Firmenmotto: "Hacker aussperren, Licht durchlassen".

Sascha Koesch / Fee Magdanz / Robert Stadler

Diesen Artikel...

Aus Datenschutzgründen wird Ihre IP-Adresse nur dann gespeichert, wenn Sie angemeldeter und eingeloggter Facebook-Nutzer sind. Wenn Sie mehr zum Thema Datenschutz wissen wollen, klicken Sie auf das i.

Auf anderen Social Networks posten:

  • studiVZ meinVZ schülerVZ
  • deli.cio.us
  • Xing
  • Digg
  • Google Bookmarks
  • reddit
  • Windows Live

News verfolgen

HilfeLassen Sie sich mit kostenlosen Diensten auf dem Laufenden halten:

alles aus der Rubrik Netzwelt
alles aus der Rubrik Mobil

© SPIEGEL ONLINE 2008
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH









TOP



TOP