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09.03.2008
 

Bürgersteig-Experiment

Polster an Straßenschildern sollen Handy-Telefonierer abblocken

Vorgegebene Laufwege auf Bürgersteigen und Polster an Straßenschildern: In Großbritannien könnten bald ganz neue Verkehrskonzepte verhindern, dass abgelenkte Handy-Nutzer sich verletzen. Viele Briten sind von den skurrilen Ideen angetan.

Laut einer Umfrage des britischen Telefonbuchverlags 118 118 sind annähernd zwei Drittel aller Handy-Nutzer durch das Verfassen von SMS regelmäßig so in Beschlag genommen, dass sie ihre Umgebung nicht mehr richtig wahrnehmen. Schlimmer noch: Von gut 1000 befragten Briten berichteten mehr als 100 von Unfällen innerhalb des letzten Jahres, die sie auf die Ablenkung durch das Mobiltelefon zurückführen.

Passanten: Wer am Hauptbahnhof telefoniert, könnte diese Wartenden anrempeln
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DDP

Passanten: Wer am Hauptbahnhof telefoniert, könnte diese Wartenden anrempeln

Das Boulevardblatt "The Mirror" rechnete die Umfrageergebnisse zielstrebig hoch und kam dabei zu der Schlussfolgerung, dass sich letztes Jahr "sechs Millionen Briten verletzt" hätten - eine kühne Übertreibung, denn in der Umfrage wird zwischen dem versehentlichen Anrempeln anderer Passanten und blutigen Crashs mit Straßenschildern nicht unterschieden.

Aber "The Mirror" trifft mit seiner Zuspitzung offensichtlich einen Nerv, denn nicht weniger als ein Viertel der Befragten sprachen sich für spezielle "Handy-Nutzer-Laufspuren" auf Gehwegen aus. Auf diesen soll man sich dann getrost in die SMS-Lektüre vertiefen können. Wie der Zusammenstoß mit gleichermaßen beschäftigten Zeitgenossen verhindert werden soll, bleibt leider völlig schleierhaft.

Die Schnapsidee der "Handy-Nutzer-Laufspur" ist aber beileibe nicht der Gipfel britischer Mobilfunkskurilität. Der Verein " Living Streets", der sich der Verkehrssicherheit verschrieben hat, testet nämlich derzeit Polsterungen für Laternenpfähle und Straßenschilder, die Kollisionen telefonisch abgelenkter Briten sanft abfedern sollen. Wenn der Feldversuch in Londons Brick Lane erfolgreich verläuft, will der Verein auch in Birmingham, Manchester und Liverpool Stangen mit der Polsterung versehen.

Aber auch jenseits der wohl typisch britischen Übertreibung gilt die Ablenkung durch mobile Gadgets im Straßenverkehr als ernstzunehmende Gefahrenquelle. So kommt auch eine Studie unter Federführung des Städteplaners Jack Nasar von der Ohio State University zu dem Schluss, dass die Unachtsamkeit beim Überqueren vielbefahrener Straßen signifikant zunimmt, sobald sich Passanten mit ihrem Handy beschäftigen. Demnach steigt der Anteil der eindeutig Leichtsinnigen von 25 auf 48 Prozent, wenn Fußgänger durch ein Telefonat oder einer SMS abgelenkt sind.

In einem Artikel, der jüngst in der Zeitschrift "International Journal of Urban and Regional Research" erschienen ist, weist Nasar aber auch noch auf eine ganz andere Handy-Gefahrenquelle hin. Mobiltelefone können demzufolge auch die Ursache für Leichtsinn sein, weil das mitgeführte Handy das subjektive Sicherheitsempfinden erhöht. Angeblich begeben sich US-Studenten mit Telefon in Situationen, die sie sonst meiden würden. Dass die Sicherheit beim nächtlichen Durchqueren eines dunklen Parks durch ein Handy steigt, sei allerdings ein Trugschluss.

Sascha Koesch / Fee Magdanz / Robert Stadler

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