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01.04.2008
 

New York

Ermittler wollen Demonstranten-Datenbank knacken

Bei einem Parteitag der Republikaner in New York koordinierten Demonstranten ihre Aktionen über eine SMS-Plattform im Web. Nun soll der Entwickler dieser Kurzmitteilungs-Seite den Behörden die Daten aller Nutzer übergeben - der Student wehrt sich.

1.800 Demonstranten nahm die Polizei während des Parteitags der Republikaner in New York 2004 fest. Gegen die allermeisten Festgenommenen wurde bislang keine Anklage erhoben. Die Anwälte der Stadt fordern nun die Logfiles der SMS-Plattform TxtMob.com als Beweisstücke an. Über diesen Dienst kommunizierten viele Demonstranten.

Parteitag: So feierten die Republikaner 2004 George W. Bush im Madison Square Garden in New York
REUTERS

Parteitag: So feierten die Republikaner 2004 George W. Bush im Madison Square Garden in New York

Über die Website txtmob.com konnten sich Interessierte mit ihrer Handy-Nummer bei diversen "Message Groups" anmelden. Alle Kurzmitteilungen, die an eine Gruppenadresse gesendet wurden, gingen dann an jeden Abonnenten weiter, womit spontan zu Aktionen mobilisiert werden konnte.

TxtMob funktionierte während des republikanischen Parteitages tadellos, trotzdem enttäuschte das Tool wohl die Erwartungen der Teilnehmer. Denn höchstwahrscheinlich waren auch Polizisten unter den TxtMob-Abonnenten, womit das erhoffte Überraschungsmoment schlicht verpuffte. Besonders erstaunlich ist die eifrige SMS-Lektüre der Sicherheitskräfte aber nicht, denn TxtMob wurde in New York nicht zum ersten Mal zur Koordination von Protesten eingesetzt.

Nachdem sich die Handy-Demonstrationsplattform in der Praxis nur als mäßig erfolgreich erwiesen hat, könnte sie jetzt zu einem Bumerang werden. Denn natürlich läuft es der Idee von der SMS-Verabredung zum politischen Protest zuwider, wenn die Beteiligten damit rechnen müssen, dass ihre Handy-Daten später veröffentlicht werden.

Entsprechend kämpferisch gibt sich der TxtMob-Programmierer Tad Hirsch, obwohl ihm als unkooperativen Zeugen handfeste Strafen drohen könnten. Sein Anwalt David B. Rankin erklärte der " New York Times", dass die Herausgabe sämtlicher TxtMob-Daten "völlig ungerechtfertigt" sei. Soweit die Daten Personen betreffen, die nicht verhaftet wurden, ist die Veröffentlichung der Daten in den frei zugänglichen Gerichtsakten schlicht ungesetzlich, so Rankin.

Sascha Koesch / Fee Magdanz / Robert Stadler

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