Der Mobilfunkkonzern Vodafone hat seinen britischen Kunden angekündigt, dass der Handy-Empfang in Zügen der Bahngesellschaft Virgin Trains bis November dieses Jahres deutlich verbessert wird. In den Hochgeschwindigkeitszügen, die auf der Route London-Glasgow verkehren, soll bis dahin auch die Nutzung von 3G-Diensten (sprich: UMTS) ohne lästige Funklöcher gewährleistet werden. Ähnliche Kommunikationsmöglichkeiten hat am Freitag hat auch die Bahn AG für ICE-Kunden in Aussicht gestellt. Ab Mai sollen alle Hochgeschwindigkeitszüge mit sogenannten Mobilfunk-Repeatern für besseren Handyempfang ausgerüstet werden.
Die frohe Kunde, die sich vor allem an Geschäftskunden richtet, wird allerdings durch eine Ermahnung getrübt. Laut einer Erhebung im Vodafone-Auftrag werden bei Telefonaten im Zug nämlich oft sensible Firmenangelegenheiten diskutiert. Mitreisende werden so zu Mitwissern. Nach Vodafone-Angaben führen 70 Prozent aller Pendler und Geschäftsreisenden im Zug berufliche Telefongespräche. Von diesen gab rund ein Fünftel zu, auch sensible Fakten wie Verkaufszahlen zu diskutieren, 15 Prozent plaudert auch über handfeste Geschäftsgeheimnisse wie etwa Produktneuheiten.
Unfreiwillige Zuhörer
Natürlich sind Zahlen, die im Auftrag eines Mobilfunkunternehmens erhoben wurden, mit Vorsicht zu genießen. In diesem Fall laufen sie beispielsweise schlicht auf ein Marketingargument für mobile Datendienste hinaus. "Unterwegs sollte man sich genau überlegen, welcher Kommunikationskanal angebracht ist", erklärt Vodafone-Manager Mark Bond in der Presseaussendung zum Handy-Empfang in Zügen. Natürlich hat er einen Tipp parat, wie sich das Sicherheitsloch schließen lässt: "Unser Service ermöglicht es, jederzeit auf diskretere Kanäle wie SMS oder mobile E-Mail zu wechseln."
Jenseits dieser durchsichtigen Werbeabsicht spricht aber schlicht der Augen- respektive Ohrenschein im alltäglichen Zugverkehr dafür, dass Vodafone durchaus einen relevanten Punkt anspricht. Mit penetranter Lautstärke geführte Geschäftsgespräche nerven auch hierzulande regelmäßig die Mitreisenden. Und natürlich spricht auch das - gerade im Beruf gültige - Zeitgeist-Dogma von der ständigen Erreichbarkeit für die Vodafone-Zahlen.
Interessierte Zuhörer
Maßnahmen gegen unerwünschte Mithörer wie Codenamen für sensible Geschäftsdinge nutzen laut den Zahlen des britischen Mobilfunkers nur sechs Prozent der Befragten. Bedenklich ist zudem, dass ein Viertel der Teilnehmer angab, durch zufällig mitgehörte Telefonate schon einmal geschäftlich relevante Hinweise aufgeschnappt zu haben.
Dabei sind Mitarbeiter-Handys für Firmen ohnehin eine zweischneidige Angelegenheit. Einerseits werden sie immer stärker in den Arbeitsprozess einbezogen und zur Organisation der Angestellten genutzt. Andererseits konterkarieren Mitarbeiter-Handys in zunehmenden Maß Sicherheitsbemühungen. So speichern nach einer europaweiten Studie des Marktforschers Dynamic Markets 92 Prozent der Befragten unternehmenskritische Informationen auf Handys oder PDAs. Da die handlichen Geräte regelmäßig verloren gehen - beispielsweise wenn sie im Zugabteil vergessen werden - könnten die von Vodafone angepriesenen "diskreten" Kommunikationskanäle sich schnell als Bumerang erweisen.
Sascha Koesch / Fee Magdanz / Robert Stadler
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