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23.04.2008
 

Outdoor-Mobiltelefon

Mission erfüllt, Handy kaputt

"Zerstört Euer Handy" - mit diesem Slogan fordert der US-Hersteller Sonim Technologies dazu auf, die außerordentliche Stabilität seines Mobiltelefons XP1 zu testen. Matthias Kremp hat's getan. Mit Erfolg.

Das XP1 ist ein Handy für Grenzerfahrungen - schon rein optisch. Den Look haben sich die Designer offenbar bei Siemens-Mobiltelefonen der neunziger Jahre abgeschaut. Aber eine Schönheit soll es ja auch nicht sein, das " toughest phone", stabil soll es sein - und das ganz außerordentlich.

So verspricht es zumindest der Hersteller und verschickt das Testgerät nicht etwa in einem ordinären Pappkarton, sondern in einer extradicken Plastiktüte voll mit Sand, Steinen und Nägeln. Das ist natürlich ein wenig dezenter Hinweis auf die angepeilte Kundschaft: Leute, die viel draußen sind, die aktiv sind und sich intensiv mit ihrer Umwelt auseinandersetzen, sollen das Gerät kaufen. Zimmerleute also beispielsweise, Grubenarbeiter oder Extremsportler.

Denn bei den Tätigkeiten dieser Zielgruppe kann es schon mal etwas ruppig zugehen, was normale Handys normalerweise übelnehmen. Das XP1 hingegen wurde genau dafür konstruiert, dass man ihm übel mitspielt. Das ist ihm sogar zertifiziert worden: Es entspricht beispielsweise dem IP54-Standard, der besagt, dass es gegen Staub und Spritzwasser geschützt ist.

Doch das XP1 soll noch mehr wegstecken können. Dicke Gummiarmierungen sollen es bis zu einer Fallhöhe von 1,65 Meter vor Beschädigungen schützen. Der Temperaturbereich, in dem es sich wohlfühlt, wird mit -20 bis +60 Grad Celsius angegeben. Überdies soll das Display besonders unempfindlich gegen Kratzer sein.

Und damit gibt sich der Hersteller nicht zufrieden: Er erhebt das Gerät zum quasi unzerstörbaren Handy.

Dem Testgerät liegt dementsprechend eine laminierte Karte bei, die darüber aufklärt, welchen Tests man das Gerät problemlos unterziehen können soll. Dazu gehören ein Sturz aus dem vierten Stock, ein Duschbad und der Überrolltest mit einem Gabelstapler. Im Rahmen einer Werbetour durch Deutschland rief der Hersteller Zuschauer gar dazu auf, sich selbst daran zu versuchen, dem Gerät Schaden zuzufügen.

Wette verloren

Bob Plaschke, CEO von Sonim Technologies, gab sich im Vorfeld überzeugt: "Auf der Tour durch Deutschland können alle Besucher versuchen, ein XP1 zu zerstören. Ich wette, dass es nicht einem Einzigen gelingen wird." Tja, diese Wette hat er verloren. Nachdem es ein Bad in der Elbe, ein Fußballspiel, mehrere Würfe und einen eifrigen Fahrradkurier überstanden hatte, musste sich mein Testgerät einem DHL-Pakettransporter geschlagen geben - zumindest teilweise.

Denn der eigentliche Telefonteil des Handys, den sich Sonim von Philips zuliefern lässt, funktioniert problemlos weiter. Das Display aber ließ sich von der Masse des DHL-Transporters erweichen, zerbarst und wird seither von einem großen schwarzen Fleck dominiert.

Zugegeben: Denselben Trick habe ich schon einmal fertiggebracht. Etwa 1999 musste sich mir ein Siemens S10 Active, eines der ersten Outdoor-Handys, geschlagen geben. Es genügte schon mein damaliges Körpergewicht von rund 70 Kilo, um dem S10 das Licht auszuknipsen, während seine Telefonfunktionen im Blindflug weiter funktionierten. Gemessen daran hat sich das Sonim wacker geschlagen, brachte es der DHL-Transporter doch auf rund drei Tonnen.

Kein Multimedia, keine Goodies, keine Extras

Technisch freilich kann es das fast zehn Jahre alte Siemens S10 fast noch mit dem XP1 aufnehmen. Denn viel mehr als Telefonieren und SMS-Funktionen kann das Sonim-Gerät nicht aufbieten. Als technisches Highlight zeichnet es gerade noch Bluetooth-Kurzstreckenfunk aus. Versuche, über diesen Weg einen Datenabgleich mit einem Adressbuch auf dem Computer zu bewerkstelligen, scheiterten allerdings. Nicht einmal einzelne Adressen mochte das Gerät annehmen.

Die Suche nach modernen Standards wie einem MP3-Player, einem Speicherkartensteckplatz oder gar einer Kamera kann man sich getrost sparen. Alles, was nicht unbedingt nötig war, haben die Entwickler eingespart. Aber das kommt dem Marketing-Geplauder der Firma durchaus entgegen, die ihr Handy konträr zum allgemeinen Trend als Werkzeug und nicht als modisches Accessoire sieht.

Aber von solchen Definitionen muss man sich ja nicht bremsen lassen. Schließlich haben es auch die einstmals mit Kuhfängern, bulligen Reifen und Anhängerkupplungen zweckmäßig ausgestatteten Geländewagen über Umwege zum modischen Statussymbol ohne echten Mehrwert gebracht. Sollte sich diese Entwicklung auf dem Mobilfunkmarkt wiederholen, dürfte uns spätestens 2010 ein Outdoor-iPhone mit Quarzglas-Abdeckung, Schnorchel und dicken Gummilippen ins Haus stehen.

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