Wer ein neues Handy braucht, hat - je nach Perspektive - die Qual oder die Lust der Wahl zwischen Hunderten von Modellen. Der unbedarfte Käufer staunt darüber, dass es Geräte für 500 Euro und mehr gibt, wo es sich doch schon mit Handys für unter 30 Euro trefflich telefonieren lässt. Mobilfunkexperten staunen über so viel Ignoranz. Denn Top-Handys sind zum Telefonieren fast zu schade.
Sie können mittlerweile nicht nur Digitalkamera, Spielkonsole und MP3-Player, sondern dank großer Displays und integrierter Tastatur sogar das Notebook ersetzen. Mit derartigen Geräten und passender Software wird das Büro tatsächlich mobil, jedenfalls soweit das Funknetz reicht.
Was ein Handy können muss, entscheidet der Benutzer. Wer in erster Linie telefonieren will, gelegentlich eine SMS schreibt und auf alle anderen Funktionen gut verzichten kann, ist mit der Einsteigerklasse gut versorgt. Von Nokia beispielsweise gibt es das Modell 1200 zu einem Straßenpreis von gut 30 Euro. Auf ein Farbdisplay muss man hier verzichten, aber die Hintergrundbeleuchtung lässt sich "als Taschenlampe" benutzen, wie der Hersteller verspricht.
Abstriche bei der Fotoqualität
Stilbewusste Technikverweigerer legen gerne das Motorola F3 (rund 25 Euro) neben ihren Latte Macchiato. Das hat zwar nur ein einzeiliges Display, was das Schreiben von Kurznachrichten sehr mühsam macht. Dafür hat es angenehm große Tasten und ist trotzdem nur neun Millimeter dünn - das entspricht etwa der Höhe einer CD-Hülle.
Eine integrierte Kamera haben die meisten Handys jenseits der Einsteigerklasse. Für weniger als 100 Euro gibt es jedoch in der Regel nur eine Auflösung von weniger als einem Megapixel. In dieser Qualität lassen sich Bilder selbst auf den Handydisplays nur mit Mühe erkennen. Sollen die Fotos auch ausgedruckt und herumgezeigt werden, muss es schon etwas mehr sein. Um die Digitalkamera zu ersetzen, brauchen Fotohandys zudem Autofokus, ein Blitzlicht und ausreichend Speicherplatz. Einen optischen Zoom haben bislang nur wenige Modelle.
Auch billige Modelle können den MP3-Player ersetzen
Ärgerlich sind zudem lange Auslöse- und Speicherzeiten bei vielen Kamerahandys. Auch die beste Bildqualität tröstet nicht darüber hinweg, wenn das Motiv nach dem Druck auf den Auslöser eine Sekunde stillstehen muss. Und wer daran gewöhnt ist, viele Bilder in kurzen Abständen machen zu können, muss angesichts der Speicherzeiten von fünf Sekunden und mehr bei Handys umdenken. Vor dem Kauf eines Kamerahandys ist intensives "Probeknipsen" unter verschiedenen Bedingungen Pflicht.
Musikspieler gehören bereits in der mittleren Handy-Preisklasse zum guten Ton. Ein guter Klang und eine passable Bedienung sind aber längst nicht selbstverständlich. Die Tester der "Computer Bild" beispielsweise empfehlen das Samsung SGH-i550 (rund 250 Euro), dem sie einen hervorragenden Klang und weitgehend komplette Ausstattung bescheinigen. Für knapp ein Drittel dieses Preises gibt es das Sony Ericsson Walkman-Handy W200, das bei den Testern der Zeitschrift "Connect" mit der Note gut abschneidet. Allerdings bringt das Gerät über die Musikfunktion hinaus kaum Extras mit.
Mittlerweile funktioniert auch das mobile Internet, lange Zeit ein leeres Versprechen der Marketingabteilungen von Handyherstellern und Netzbetreibern. Die Übertragungsgeschwindigkeiten sind dank EDGE, UMTS und HSDPA akzeptabel bis hervorragend, der Provider muss die Datendienste allerdings auch anbieten. Den Einstieg in die schnelle Datenwelt gibt es ab 140 Euro, beispielsweise mit dem Nokia 6233, das außer UMTS auch EDGE im herkömmlichen GSM-Netz bietet. Das Business-Handy Nokia E51 hat zusätzlich W-Lan, das für 240 Euro schnelles Surfen an Flughäfen, Bahnhöfen, in immer mehr Cafés und natürlich auch daheim ermöglicht.
Der schnellste Datendurchsatz nützt allerdings nichts, wenn das Display zu klein ist, kleine Tasten die Navigation im Netz zur Irrfahrt machen und der Browser jede dritte Seite nicht korrekt anzeigen mag. Wie ein Internet-Handy funktionieren sollte, zeigt Apple mit seinem iPhone. Das gibt es in Deutschland zwar nur für T-Mobile-Kunden (ab 249 Euro zuzüglich 29 Euro Monatsgebühr), und außerdem können andere Handys für weniger Geld unbestritten mehr. Wer sich das iPhone ans Ohr hält, erregt dafür immer Aufsehen. Und das kann schließlich auch ein Kaufargument sein.
Hendrik Roggenkamp/ddp
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