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26.04.2008
 

Mobiles Internet

Mit Widgets in die Handy-Zukunft

In der Mobilfunkbranche rumort es heftig, der Durchbruch ins mobile Internet wird täglich erwartet. Klar scheint nur, dass es ganz anders als das gewohnte Internet werden soll. Eine Allianz der größten Mobilfunker setzt dabei auf Widgets.

Vergangene Woche traf sich die Mobilfunkbranche im Silicon Valley auf der SOFCON-Konferenz, um über "die mobile Zukunft" zu beratschlagen. Wie diese Zukunft genau aussehen wird, blieb dabei allerdings weitgehend unklar. Denn es gilt zwar als ausgemachte Sache, dass die Verschmelzung von Internet und Handy-Netzen kommt - aber wie dies genau vonstatten gehen soll, konnten auch die versammelten Konzern-Entwickler und Start-up-Tüftler nicht erklären.

Always on: Das mobile Internet ist der große Hoffnungsträger der ITK-Branchen
DPA

Always on: Das mobile Internet ist der große Hoffnungsträger der ITK-Branchen

Ein symbolträchtiger Zufall illustriert immerhin, wie das mobile Netz der Zukunft nicht sein wird. Just zur SOFCON erklärte nämlich der Proxy-Dienst Mowser seinen Bankrott mangels Investoren-Zuspruch. Mowser fungierte sozusagen als Übersetzer von Internet-Seiten für mobile Geräte, der werbefinanzierte Dienst skalierte die Inhalte auf ein Format, das den vergleichsweise winzigen Bildschirmen gerecht werden sollte. Aber obwohl Mowser allgemein zugestanden wurde, diese Aufgabe ziemlich gut zu erledigen, kam jetzt das Aus.

Déjà-vu-Erlebnis

Das Ende des Proxy-Dienstes Mowser macht immerhin klar, dass niemand in der Branche daran glaubt, dass Web-Inhalte einfach auf das mobile Netz übertragen werden können. Dazu sind die Formate, die Geräte und die Anwendungen nämlich schlicht zu unterschiedlich.

Aber obwohl der Weg ins mobile Netz noch nicht vorgezeichnet ist, herrschte auf der SOFCON Aufbruchstimmung. Und diese basiert auf der allgemeinen Einschätzung, dass man eigentlich kurz vor dem Durchbruch stehe. So erklärte Nokias Chef-Entwickler Bob Iannucci, dass ihm die aktuelle Entwicklung an einen "Film erinnert", den er schon dreimal gesehen habe. Und zwar in den 60er Jahren, als der IBM 360 das Mainframe-Zeitalter begründete, in den 70er Jahren, als Digital VAX sogenannten Minicomputern zum Durchbruch verhalf und in den 80ern, als der IBM PC eine neue Ära einläutete.

Widgets sollen es richten

Mit seinem historischen Vergleich wollte Nokia-Manager Iannucci ausdrücken, dass die verbindliche Plattform des mobilen Zeitalters noch nicht gefunden wurde, aber die Zeit dafür eigentlich reif sei. Zudem gab sich Iannucci überzeugt, dass die gesuchte Plattform anders als in der Vergangenheit nicht aus der Hardware eines einzelnen Herstellers bestehen werde. Er erwarte vielmehr, dass die "verbindliche Plattform" der mobilen Zukunftsnetze in Gestalt einer Architektur kommt, die von einer Allianz getragen wird.

Zwei Tage nach Iannuccis Ansprache auf der SOFCON ließen die beiden größten Mobilfunker prompt mit einer Ankündigung aufhorchen, die wie eine Antwort auf die Prophezeiungen des Nokia-Entwicklers klingt. China Mobile und Vodafone - die zusammen auf schwindelerregende 580 Millionen Kunden kommen - wollen nämlich ab sofort gemeinsam Anwendungen entwickeln.

Dazu wurde ein "Joint Innovation Lab" (JIL) gegründet, in dem die Branchenkolosse ihre Entwicklungsressourcen bündeln wollen. Im Mittelpunkt des Interesses stehen hier zunächst neue Widgets für das Handy-Display. Darunter verstehen die Konzerne laut Presseaussendung "kleine, hochfunktionale, Web-basierte Anwendungen, die Zugang zu nützlichen Services bieten. "Wie die mobile Zukunft aussehen wird, wissen demnach nicht einmal Vodafone und China Mobile. Mit ihrer Allianz haben die Konzerne aber schon einmal ihren Anspruch auf die Definitionshoheit angemeldet.

Sascha Koesch / Fee Magdanz / Robert Stadler

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