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13.05.2008
 

Pakistan

Betteln per SMS, Geben per Handy-Guthaben

In Pakistan greift nach einem Zeitungsbericht das Betteln per SMS um sich. In den Textnachrichten wird um Beträge zwischen zehn Cent und einem Euro gebeten, die ebenfalls per SMS transferiert werden sollen.

In Pakistan haben Bettler eine neuen "Vertriebsweg" für ihre Gesuche um milde Gaben entdeckt: In offensichtlich massenhaft verschickten SMS wird um die Übermittlung von zehn bis hundert Rupien gebeten (umgerechnet rund zehn Cent bis einen Euro). Im Gegenzug wird den Spendern sinngemäß "ein Platz im Paradies" versprochen, so ein Bericht der pakistanischen Zeitung "Daily Times".

Der traditionelle Ansatz: In Pakistan entdecken Bettler nun das Handy als neue Methode
AP

Der traditionelle Ansatz: In Pakistan entdecken Bettler nun das Handy als neue Methode

Im Erfolgsfall wird der Transfer der erbetenen Beträge ebenfalls per SMS abgewickelt, und dem Bettelnden als Mobilfunk-Guthaben zur Verfügung gestellt. Angesichts von SMS-Preisen zwischen zwei und drei Rupien geht die Bettelrechnung wohl nur bei einer recht hohen Erfolgsquote auf. Dazu passt die Aussage einer Handy-Nutzerin, die gegenüber der "Daily Times" angibt, "in Gottes Namen" täglich zehn Rupien an einen SMS-Bettler zu spenden. Die Zeitung berichtet allerdings auch von Handy-Besitzern, die jeden Tag rund zehn Bettel-SMS erhalten und entsprechend genervt reagieren.

Hintergrund der Mobilfunk-Bettelei ist zunächst der massive Handy-Boom, der Pakistan in den vergangenen fünf Jahren erfasst hat. Der Netzbetreiber Mobilink nahm zwar schon 1994 sein erstes GSM-Netz in Betrieb, aber noch 2002 zählte das Unternehmen erst eine Millionen Kunden. Danach ging das mobile Wachstum umso schneller, heute zählt Mobilink als Marktführer alleine 31 Millionen Nutzer.

Daneben tummeln sich noch weitere fünf Anbieter, die zusammen auf 34 Millionen Kunden kommen. Damit verfügen in Pakistan rund 40 Prozent aller Einwohner über einen eigenen Handy-Anschluss. Konkreter Auslöser des Bettel-Phänomens am Handy-Display dürfte unterdessen die Einführung von Finanztransfers per SMS durch Mobilink sein, womit das Gesprächsguthaben praktisch zum Konto wird.

Guthaben statt Konto

Mit der Einführung des SMS-Finanzdienstes von Mobilink erhielten auf einen Schlag mehr als 25 Millionen Pakistaner erstmals Zugang zum bargeldlosen Zahlungsverkehr - über ein traditionelles Bankkonto verfügen in Pakistan nämlich nur rund sechs Millionen Menschen. Und das M-Banking ist natürlich explizit für die Verwaltung und die Überweisung von Mikrobeträgen ausgelegt.

Mit dem Service folgt Mobilink dem Konzept des Friedensnobelpreisträgers Muhammad Yunus. Dieser betreibt außer der Grameen Bank für Mikrokredite auch den Mobilfunker Grameen Phone, der auch den Ärmsten einen Zugang zu modernen Kommunikationsnetzen ermöglicht. Allerdings haben Yunus Unternehmen in Bangladesch bereits 2004 eine seriöse Alternative zur SMS-Bettelei entwickelt: Sie vergeben subventionierte Mobiltelefone an Bettler, damit diese sich als wandelnde Telefonzelle verdingen können.

Sascha Koesch / Fee Magdanz / Robert Stadler

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