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29.06.2008
 

Multimedia-Gaunerei

Brieftauben bringen Handys in den Knast

Brasilianische Häftlinge und ihre Helfer außerhalb überbrücken die letzte Meile über die Gefängnismauer mit Brieftauben, weil Besucher immer genauer kontrolliert werden. Die Vögel transportieren neben Drogen vor allem Mobiltelefone.

Die Häftlinge des Marilia-Gefängnisses im brasilianischen Bundesstaat Sao Paulo nutzen Brieftauben zum Handyschmuggel. Die Mobiltelefone sind inzwischen so kompakt und leicht (mehr...), dass sie von den Tieren problemlos in zwei Fuhren transportiert werden können. Beispielsweise bringen sie erst das Telefon über die Mauer, dann folgt der Akku.

Stadttaube: Die als Brieftauben dressierten Artgenossen in Brasilien transportieren Mini-Telefone in Gefängnisse
Getty Images

Stadttaube: Die als Brieftauben dressierten Artgenossen in Brasilien transportieren Mini-Telefone in Gefängnisse

Nach einem Bericht der Nachrichtenagentur Reuters, flog der neue Kommunikationskanal ausgerechnet auf, weil er so effektiv war. Die fleißigen Tauben tragen ihre Fracht nämlich so zuverlässig über die Gefängnismauern, dass es in der Anstalt zu einer regelrechten Drogen- und Handy-Schwemme kam. Und mit Störsendern kann der Mobilfunk hinter Gittern zwar eingeschränkt, aber nicht völlig unterbunden werden.

"Mit moderner Ausrüstung können wir den Schmuggel durch Besucher inzwischen unterbinden," erklärte Direktor Luciano Gamateli: "Aber diese Kontrollen werden durch die im Gefängnis dressierten Tauben einfach umgangen."

Die Entdeckung der illegalen Brieftauben-Spedition bedeutet keineswegs das Ende der Schmuggelroute. Denn mit vertretbaren Mitteln können die Gefangen wohl bis auf weiteres nicht vom Dach und dem Hof ferngehalten werden. Daher ist davon auszugehen, dass der Brieftaubenverkehr - etwas eingeschränkt - weiter laufen wird.

Aus der Perspektive des Justizvollzugs sind die Tauben auf der "letzten Meile" jedenfalls ein normales Übel: "In jedem Knast, in jedem Land" gebe es Schmuggel, erklärte etwa im vergangenen Jahr die Sprecherin der Berliner Justizsenatorin Gisela von der Aue (SPD).

Das sei nicht zu verhindern. Und auch in Berlin boomt neben dem Drogen- vor allem der Handy-Schmuggel: "Wir haben allein in diesem Jahr schon 400 Handys eingesammelt," sagte von der Aue im September 2007 zur " Berliner Morgenpost."

Sascha Koesch / Fee Magdanz / Robert Stadler

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