Masaaki Fukumoto, Chefentwickler beim japanischen Mobilfunkkonzern NTT DoCoMo, trägt klobige Ohrenschützer mit allerlei merkwürdigen Steckern. Das ist der Prototyp einer Technik, mit der man irgendwann Unterwegs-Telefone bedienen soll - per Augenbewegung. Fukumoto macht es an einem MP3-Player vor: Mit wiederholten Augenbewegungen von links nach rechts kann er so etwa zum nächsten Song wechseln oder innerhalb eines Stücks vorspulen.
In einem weiteren Experiment der Frontier Technology Research Group des japanischen Konzerns ersetzt der gezielte Blick den Mausklick. Fukumoto konzentriert seinen Blick dazu einen Moment auf das Pixelquadrat eines auf Papier gedruckten QR Codes, der als Link zu beliebigen Daten fungieren kann. Mit einem solchen Blick-Klick könnte man beispielsweise beim Einkaufen auf die Schnelle Detailinformationen zu Produkten abfragen.
NTT DoCoMo ist nicht das einzige Unternehmen, das an der Steuerung digitaler Geräte mit den Augen forscht. Auf der Computermesse Cebit in Hannover präsentierte die schwedische Firma Tobii Technology sogar schon ein marktreifes System zur Computer-Steuerung per Augenaufschlag. Allerdings beschränkt sich das 12.000 Euro teure System aufs Schreiben von Texten, zudem ist es dezidiert nicht für mobile Anwendungen geeignet.
Beim Schreibsystem von Tobii Technology und den Versuchen bei NTT DoCoMo kommen zwei völlig verschiedene Techniken zum Einsatz. Im ersten Fall die sogenannte Cornea Reflex Methode, bei der die Bewegungen des Auges per Kamera erfasst werden. Ohne festen Versuchsaufbau funktioniert dies aber nicht.
Anders als bei der Elektrookulografie, auf die die japanischen Entwickler setzen. Bei dieser wird die Bewegung des Auges durch die Messung der elektrischen Spannung der Haut registriert. Dazu müssen oberhalb und unterhalb des Auges Elektroden angebracht werden, bei NTT DoCoMo mittels des vermeintlichen Kopfhörers.
Mit der Augensteuerung könnten eines Tages "die Intentionen des Nutzers" unmerklich registriert und damit "hochgradig personalisierte Services" vom Smartphones gesteuert werden, erklärt Fukumoto. Das größte Hindernis bei der Realisierung dieser Vision ist aber nicht der klobige Apparat - das Gerät ließe sich schon in naher Zukunft in ein kleines Designerstück verwandeln.
Unklar ist dagegen, ob die Augensteuerung jemals exakt und intuitiv genug sein kann. Sonst kauft man mit einem falschen Blick den halben Supermarkt leer, obwohl man doch nur das Radioprogramm wechseln wollte.
Sascha Koesch / Fee Magdanz / Robert Stadler
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