Fieser Trick oder nützlicher Helfer? In den Vereinigten Staaten erregt ein Mobilfunkdienst die Gemüter, der Anrufe direkt zur Mailbox leitet, auch wenn das Handy des Angerufenen eingeschaltet ist. Da das Telefon nicht klingelt, bemerkt der Angerufene den Anruf erst, wenn er von einem vermeintlich verpassten Anruf unterrichtet wird.
Nun kann man "sly" mit "schlau" aber auch mit "durchtrieben" übersetzen. Und in ihren Webespots wird Mobile Sphere auch schon deutlicher, wenn es darum geht SlyDial effektiv anzupreisen. Hier ist nämlich nicht mehr von Rücksichtnahme die Rede.
Stattdessen erklärt ein Mann, wie er seiner Frau Poker-Eskapaden verheimlicht und ein Mädchen, wie sie Verehrer abspeist. In beiden Fällen ist der Vorteil gegenüber einer SMS natürlich, dass man behaupten kann angerufen zu haben - nur sei der andere leider gerade nicht erreichbar gewesen.
Der SlyDial-Service kann kostenlos in Anspruch genommen werden, allerdings muss der Nutzer dann 10 Sekunden Werbung in Kauf nehmen, bevor er zur gewünschten Mailbox durchgestellt wird.
Daneben bietet Mobile Sphere den Dienst aber auch in einer "Premium-Variante" an, die pro Anruf 15 Cent kostet - oder monatlich 4,95 Dollar für beliebig viele Anrufe.
Damit ist SlyDial tatsächlich schlau und durchtrieben. Allerdings auf eine gänzlich andere Art und Weise, als es die Betreiberfirma dem Publikum weismachen will.
Um die Mailbox von Handys zu erreichen, muss man nämlich weder Werbung in Kauf nehmen, noch eine Gebühr zahlen. Die direkte Erreichbarkeit der Mailbox ist vielmehr eine Eigenart der Mobilfunknetze, auf die auch die Dienstleistung von Mobile Sphere aufbaut.
Hierzulande muss man beispielsweise nur eine zweistellige Kennziffer zwischen der Netzvorwahl und der persönlichen Nummer wählen (siehe Kasten unten).
Sascha Koesch / Fee Magdanz / Robert Stadler
© SPIEGEL ONLINE 2008
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH