Die estnischen Künstlerinnen Eve Arpo und Riin Kranna-Rõõs schockieren Handysüchtige mit ihrer Installation
"
A Day Without The Mobile Phone".
Arpo und Kranna-Rõõs sammeln vor Ort Handys ein, um sie für 24 Stunden in den Dienst der Kunst zu stellen. Dazu werden die geliehenen Telefone in eine Art Mobilfunkbaum gehängt, an dem es ständig irgendwo klingelt oder blinkt.
Die Handy-Spender in Tallinn und im kanadischen Edmonton waren mit der Erfahrung konfrontiert, wie ungewohnt es ist, auf einmal nicht ständig erreichbar zu sein.
Allein der Gedanke daran scheint die meisten Zeitgenossen zu schockieren. In Kanada konnten die Künstlerinnen unter Aufbietung aller Überredungskunst nur etwa 50 Menschen zur Teilnahme bewegen.
Viel lieber kooperiert das Publikum, wenn eine Installation totale Erreichbarkeit vorführt. Zum Beispiel beim Projekt "Telemegaphone" der schwedischen Künstlergruppe Unsworn Industries. Diese Installation erinnert an einen altmodischen Laternenpfahl, an dessen Spitze allerdings Lautsprecher angebracht sind.
Dazu kommt ein Windrad für die Energieversorgung, sowie ein Mobilfunkanschluss, der direkt mit den Lautsprechern verbunden ist. Derzeit bauen die Künstler aus Malmö ihre Installation auf einem norwegischen Berg auf, zur Vernissage am 2. August wird dann die Telefonnummer des Telemegaphone veröffentlicht.
Wenn die Installation wie gewünscht funktioniert, wird sie den ganzen August über den Dalsfjord und das Städtchen Dale beschallen. Was dabei aus den Lautsprechern über die Küstenidylle tönt, hängt ganz von den Anrufern ab: "Jeder wird unzensiert einen großen öffentlichen Raum beschallen können," erklärt Magnus Torstensson von Unsworn Industries.
Torstensson: "Wir sind selbst ziemlich gespannt, wer alles anrufen wird. Vielleicht ruft jemand aus Kabul an, um seine Freunde zu grüßen. Vielleicht werden Teenager öffentlich ihren Liebeskummer beklagen."
Wie wohl Bewohner der Kleinstadt Dale auf die ungewohnten Töne von ihrem Hausberg reagieren werden? Die Aktion wird zwar vom lokalen Nordic Artists' Centre gefördert, aber wenn jede Nacht die Stimmen liebeskranker Teenager durch den Ort schallen, könnte die Freiheit der Kunst mächtig unter Druck geraten.
Sascha Koesch / Fee Magdanz / Robert Stadler
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