Mobilfunknetze entwickeln sich zu einem wertvollen Instrument in der Umweltbeobachtung. So nutzen Biologen und Wildhüter zur Übertragung von Daten aus Beobachtungsstationen Handy-Netze.
Fluss in Kabul: Auch hier könnte das mobile Labor der TU München die Wasserqualität messen - es braucht zur Datenübertragung nur Sonne und ein Mobilfunknetz
Die neue Lösung zur flexiblen und mobilen Gewässerüberwachung wurde am Heinz-Nixdorf-Lehrstuhl für Medizinische Elektronik entwickelt. Es basiert auf dem " Intelligent Mobile Lab" (IMOLA), das bereits im vorigen Jahr vorgestellt wurde. Im mobilen Labor sind biohybride Sensoren, ein Handheld-Computer zur Verarbeitung der Messergebnisse, sowie verschiedene Kommunikationsschnittstellen untergebracht.
Damit stellt IMOLA eine vielfältig einsetzbare, handliche Basisinfrastruktur dar, die je nach Bedarf über Kabel, Bluetooth oder Mobilfunk vernetzt werden kann. Um Giftstoffe in Flüssen und Seen aufzuspüren, kombinieren die Münchener Forscher die Sensorchips im IMOLA mit Algen, die auf bestimmte Giftstoffe besonders sensibel reagieren. Wenn die Konzentration eines der gesuchten Stoffe ansteigt, verändert sich der Stoffwechsel der Algen, was wiederum von den Sensoren registriert wird.
Die hybriden Algen-Chips sollen etwa einen Monat lang ihren Dienst tun, ansonsten ist die Einsatzdauer des Systems nicht weiter beschränkt. Denn um das mobile Labor flexibel in gefährdeten Gewässern einsetzen zu können, wurde es durch eine Stromversorgung mit Solarzellen erweitert. Die tagsüber gewonnene Energie reicht dabei aus, um die Akkus der Messgeräte auch nachts zu betreiben.
Mit der kompakten und für einen Monat autonomen Messstation sinkt der Aufwand einer dezentralen Überwachung der Wasserqualität drastisch. Zudem können beliebig viele der mobilen Algen-Solar-Systeme schnell und unkompliziert installiert und vernetzt werden. Die Münchener Forscher hoffen daher, dass ihre Entwicklung bald dazu dienen wird, "Umweltsünder zu erfassen, den Abwasserzulauf zu sperren und damit Umweltschäden auf ein Minimum zu begrenzen", wie es in einer Aussendung der TU München heißt.
Sascha Koesch / Fee Magdanz / Robert Stadler
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