Nokias Forschungsabteilung hat einen Telefon-Roboter entwickelt, mit dem neue Formen der Video-Telefonie erkundet werden sollen. Der Roboter namens " Jeppe" hat etwa die Form und die Größe eines Fahrradhelms.
Und ein debiles Grinsen.
Jeppe rollt auf drei kleinen Rädchen, auf denen er sich recht wendig bewegen kann, solange der Boden nicht zu uneben wird. Zuletzt hat Jeppe ein abstrahiertes Comic-Gesicht erhalten, womit der Roboter in Aktion ein wenig an eine dreidimensionale Version der Videospiel-Figur Pacman erinnert.
Erklärtes Ziel des "Nokia Research Center" (NRC) ist es, mit diesem Grinseding die "Akzeptanz der Nutzer für verschiedene Video-Konferenzgeräte" auszuloten. Dabei soll das "existierende Paradigma PC + Webcam" um neue Elemente erweitert werden, um Video-Telefonate zu einer "attraktiveren" Option zu machen. Jeppe ist demnach das Ergebnis einer "Spielerei mit Formen und Funktionen" auf Basis der bisherigen Erkenntnisse zum Thema.
Nach der aktuellen Vision der Nokia-Entwickler soll Jeppe eines Tages ein sozial voll integrierter Roboter werden, ein elektronisches Haustier als zentrale Kommunikationsschnittstelle des Haushalts zur Außenwelt. Dazu soll das dauergrinsende Gerät möglichst viele Informationen zur Wohnung und ihren Bewohnern sammeln. Wie ein Haustier könnte Jeppe beispielsweise lernen, wo er sich aufhalten soll und wo nicht, oder zu welchen Uhrzeiten verschiedene "Mitbewohner" seine Gegenwart schätzen und wann man sie besser in Ruhe lässt.
Derzeit ist Jeppes soziale Intelligenz allerdings noch unterentwickelt und auch mit der selbstständigen Bewegung durch sein Revier ist es noch nicht weit her. Aktuell wird der Roboter jedenfalls noch von den Nutzern gesteuert, wozu er sechs verschiedene Gesten erkennen kann (siehe Video unten). Aber auch von einem Anrufer kann Jeppe prinzipiell gesteuert werden, jedenfalls wenn dieser über ein Nokia-Smartphone verfügt. Der Anrufer kann dann mit Hilfe des Video-Streams aus der Kamera des Roboters navigieren. Damit wird Jeppe zum Repräsentanten des Anrufers, der seine Perspektive selbst wählt.
Nokias Handy-Roboter ist unterdessen nicht der erste seiner Art. Insbesondere in Japan und Südkorea ist es eine gängige Idee, das Mobiltelefon mit einem Roboter und "sozialer Intelligenz" zu kombinieren. So erinnert Jeppe über weite Strecken an den "Cellular Phone Robot" (CPR) aus Südkorea, der sich im Praxistest bereits selbstständig durch eine Wohnung bewegen kann. Und der Handy-Roboter als Repräsentant des Menschen am anderen Ende der Leitung wurde erst kürzlich in Japan demonstriert: Dabei absolvierte ein Blechkamerad vom Typ "TMSUK 04" stellvertretend für eine gebrechlichen Seniorin den Einkaufsbummel.
Trotz dieser konkreten Vorbilder sprechen die Nokia-Entwickler auffallend zurückhaltend über konkrete Ziele ihres Experiments. Aber das wird verständlich, wenn man die mühsame Geschichte der Video-Telefonie betrachtet.
Mit dieser hat die Telekom-Branche nämlich schon schlechte Erfahrungen gesammelt, als die Deutsche Telekom noch Post hieß. Ursache war und ist schlicht und ergreifend die ablehnende Haltung der allermeisten Nutzer, die sich beim Telefonieren nicht beobachten lassen wollen. Erst seit dem Boom von Skype und ähnlichen Diensten erfährt das Konzept wenigstens ein wenig Akzeptanz. Das "Paradigma PC + Webcam" ist so betrachtet schon ein gewaltiger Fortschritt bei der Etablierung des Video-Telefonierens.
Sascha Koesch / Fee Magdanz / Robert Stadler
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