Von Matthias Kremp
Wenn es darum geht, Windows-Handys zu bauen, denen man ihr Microsoft-Betriebssystem nicht ansieht, liegen die Entwickler von HTC ganz weit vorn. Ihr Meisterstück legten sie vor knapp eineinhalb Jahren mit dem HTC Touch vor. Das war klein, schick, ließ sich leidlich per Finger steuern und verbarg auf den ersten Blick, was wirklich in ihm steckte, nämlich Windows Mobile. Mit dem Touch HD legt das taiwanesische Unternehmen jetzt nach, will die Kritikpunkte ausräumen, denen sich der Vorgänger stellen musste.
Und das gelingt dem schwarzen Schönling erst einmal ganz prächtig. Das neue Modell ist fast genauso groß wie Apples iPhone, hat eine Bildschirmdiagonale von 9,65 Zentimetern. So verschwindet es zwar nicht mehr ganz so dezent in Jacken- oder Hosentaschen, bietet greifenden Fingern dafür reichlich Angriffsfläche. Endlich gelingt, was bisher keinem Windows-Mobile-Handy vergönnt war: Der Touchscreen ist als solcher nutzbar, ein Bedienstift wird kaum mehr benötigt.
Selbst die Windows-Menüs, die Einstellungen und die meisten Auswahlmenüs lassen sich per Fingerzeig bedienen. Das irgendwo im Gehäuse trotzdem noch ein kleiner Stift verborgen ist, den man in kniffligen Situationen als Fingerersatz nutzen kann, darf man als freundliche Geste des guten Willens ansehen, wirklich nötig ist er nicht.
Telefon mit Turbomotor
Die zweite große Verbesserung ist die Geschwindigkeit. Bei HTCs Touch Diamond beispielsweise fühlte sich die Benutzeroberfläche anfangs noch so an, als wäre sie mit Klebstoff überzogen. Nur zäh und widerwillig bewegten sich Menüs und Symbole über das Display, bis ein Software-Update endlich für etwas Beschleunigung sorgte. Beim Touch HD hingegen klappt das von Beginn an flüssig. Tippt man etwas an, erfolgt die Reaktion sofort, will man über eine Seite scrollen oder ein Bild umblättern, funktioniert auch das zügig. Alles andere wäre bei einem Prozessor, der mit 528 Megahertz getaktet, ist aber auch verwunderlich.
| HTC Touch HD | |
| Betriebssystem | Microsoft Windows Mobile 6.1 Professional |
| Arbeitsspeicher | 288 MB |
| Bildschirmauflösung | 800 x 480 |
| Erweiterungssteckplatz | Micro-SD-Card |
| Prozessor | Qualcomm MSM 7201A / 528 MHz |
| Digitalkamera | 5 Megapixel |
| PC-Anschluss | Mini-USB |
| Gewicht | 147 Gramm |
| Maße | 115 x 62.8 x 12 Millimeter |
| Drahtlose Verbindungen | GSM/GPRS/EDGE/HSDPA, Bluetooth, W-LAN |
| Standby-Zeit* | Bis zu 660 Stunden |
| Sprechzeit* | Bis zu 8 Stunden |
| Besonderheiten: | GPS, Beschleunigungssensor, UKW-Radio |
| * Herstellerangaben | |
Nicht verwunderlich, sondern schön anzusehen ist das Display. Dessen Auflösung liegt mit 800 x 480 Bildpunkte weit über dem Üblichen, wird nur von wenigen Geräten wie Sony Ericssons Xperia X1 erreicht und übertrumpft das iPhone bei weitem. Dasselbe gilt für die Digicam des HTC-Handys. Mit fünf Megapixel-Auflösung bietet sie schon einigen Spielraum. Wichtiger als dieser Zahlenwert ist aber, dass das Objektiv mit einem Autofokus ausgestattet ist, der sich selbsttätig auf das Motiv scharf stellt. Verbunden mit den vergleichsweise vielfältigen Einstelloptionen kann man damit schon recht brauchbare Schnappschüsse knipsen. Die vorne angebrachte Zweitkamera dagegen ist nur für Videotelefonate geeignet.
Eine digitale Wasserwaage
Dass MP3- und Videoplayer ebenso an Bord sind wie E-Mail-Software und Operas Webbrowser, versteht sich fast von selbst. Ins Internet geht das große Schwarze auf jedem derzeit denkbaren Weg: unterwegs per GPRS, EDGE oder HSDPA, im Büro und Zuhause via W-Lan.
Neben all dem Netzwerkzeugs stecken im Touch HD auch zwei Sensoren, die es dem Handy ermöglichen, sich seiner Position im Raum gewahr zu werden. Das ist zum einen ein GPS-Empfänger, der per Google Maps anzeigt, wo man gerade ist.
Zusätzlich hat das Mobiltelefon einen Beschleunigungssensor eingebaut, ganz wie das iPhone. Ähnlich wie das Apple-Handy macht das Touch HD von dessen Möglichkeiten nur eingeschränkt Gebrauch. Der Bildschirminhalt verändert seine Ausrichtung nur beim Websurfen und Bilder betrachen. Heimwerker können sich über diesen Sensor trotzdem freuen. In der Windows-Software versteckt findet man ein kleines Progrämmchen, das mit Hilfe des Sensors aus dem Hightech-Handy eine digitale Wasserwaage macht.
Wunsch-Handy für Windows-User?
Der Illusion, das Touch HD könne mit der Benutzerfreundlichkeit des Apple-Handys mithalten, sollte man sich sowieso nicht hingeben. Technisch ist es dem Kultgerät überlegen, keine Frage, mit dessen Leichtigkeit aber kann es sich nicht messen. So fehlen Multitouch-Funktionen völlig. Man kann zwar mehrere Finger auf das Display legen, eine Reaktion löst man damit nicht aus. Auch deshalb lässt sich das Touch HD nicht so intuitiv "begreifen" wie das iPhone. Allemal besser als Standard-Windows-Mobile-Handys ist es trotzdem.
Und das ist vielleicht das Killerargument: Wer gerne ein Mobiltelefon haben möchte, das sich nahtlos per Activesync in das Windows seines Heim- oder Büro-PCs einbinden lässt, findet derzeit kaum etwas Vergleichbares. Sony Ericssons Xperia X1 bietet zwar ähnlich viel Komfort und Funktionen, peilt mit seiner integrierten Tastatur aber eine ganz andere Kundschaft an.
Die Kundschaft des Touch HD allerdings sollte über ein stattliches Mobilfunk-Budget verfügen, denn den Verkaufspreis gibt HTC mit 659 Euro an. Billiger wird es natürlich, wenn man es im Pakt mit einem Mobilfunkvertrag kauft. Bis etwa Jahresende wird es solche Kombipakete ausschließlich bei O2 geben. Im Tarif Genion-L-mit-Handy soll es dann 290 Euro kosten - bei zweijähriger Vertragsbindung.
Günstig gerechnet wird man damit über die gesamte Vertragslaufzeit 915 Euro los. Damit kostet es knapp 50 Euro mehr als das iPhone in der 8-GB-Variante mit dem günstigsten Complete-Tarif von T-Mobile. Die Entscheidung für das eine oder andere wird damit nurmehr zur Geschmacksfrage. Die Preise gleichen sich immer mehr aneinander an.
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