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27.11.2008
 

iPhone-Rivale

Blackberry patzt beim Touchscreen-Handy

Touchscreen statt Tastatur: Das klappt beim iPhone ganz großartig und soll jetzt den Blackberry voranbringen. Sogar eine ganz neue Technik haben die Macher von Research in Motion dafür ersonnen. Geholfen hat's wenig, kritisiert Matthias Kremp - das neue Modell Storm ist für ihn eine Enttäuschung.

Wenn man es einem Unternehmen zugetraut hätte, eine Antwort auf Apples iPhone zu erfinden, dann Research in Motion. Seit Jahren dominieren die Kanadier mit ihren Blackberrys den Markt für E-Mail-Mobiltelefone. Begeisterte Fans des Blackberry-Prinzips kaufen treu jedes neue Modell, mal weil es eine verbesserte Tastatur hat, mal weil es mehr Multimedia kann. Und jetzt das.

Ausgerechnet beim Blackberry Storm, jenem Multimedia-Modell, auf das nicht nur die Anhänger des Unternehmens seit Monaten warten, leistet sich das innovative Unternehmen einen kapitalen Patzer. Beim Touchscreen nämlich, jenem Merkmal, das den Storm von allen anderen Blackberrys abhebt, haben die Entwickler so ziemlich alles verkehrt gemacht, was man verkehrt machen konnte.

Dabei hatten sie eine gute Idee. Sie wollten dem berührungsempfindlichen Bildschirm ein wenig von der Haptik einer echten Tastatur wiedergeben. Das Problem liegt auf der Hand: Bei normalen Touchscreens bekommt man keine fühlbare Rückmeldung darüber, ob man beispielsweise einen der virtuellen Buchstaben auf dem Bildschirm gedrückt hat oder nicht. Eine Kontrolle ist nur optisch möglich, blind zu tippen schlicht nicht machbar.

Der Bildschirm gibt nach

Blackberrys aber leben von ihrer Tastatur - zumindest bisher. Bei einem Gerät, mit dem man unterwegs nicht nur eine paar SMS, sondern haufenweise E-Mails empfangen und vor allem versenden soll, muss das Tastenfeld perfekt funktionieren. RIM hat dazu einige gute Ideen gehabt, wie etwa das doppelt belegte SureType-Tastenfeld. Manch Nutzer mag ohne Blackberry-Tastenfeld kaum noch Texte tippen. Der Versuch, diese Technik auf einen Touchscreen zu übertragen, war das Ziel des Storm - und wurde leider verfehlt.

Die fühlbare Rückmeldung für jeden Tastendruck erzeugt der Storm, indem er nachgibt. Das komplette Display ist beweglich aufgehängt, gibt um vielleicht einen Millimeter nach unten nach, wenn man darauf drückt. So wird es quasi zu einer riesigen Maustaste. So weit so gut. Die Art, wie man damit umgehen soll, ist allerdings ausgesprochen umständlich.

Erst sanft auswählen, dann kräftig drücken

Um beispielsweise einen Menüpunkt auszuwählen, muss man diesen zuerst sanft mit dem Finger ansteuern. Das ist eine Art Vorwarnung an das System: "Achtung, diese Taste drücke ich gleich." Der Blackberry hilft dabei zu erkennen, ob man richtig liegt, indem er den jeweils aktiven Menüpunkt oder Buchstaben blau aufleuchten lässt. Um den Menüpunkt zu aktivieren, muss man jetzt aber noch mit dem Finger das Display herunterdrücken. Erst damit wird die Aktion ausgelöst.

Das ist ungefähr so sinnvoll, als würde man genötigt, beim Tippen an der Computertastatur jeden gedrückten Buchstaben mit einem Mausklick zu bestätigen: "Ja, ich wollte diese Taste wirklich drücken."

Ist das noch ein Blackberry?

Das Tippen von Texten wird auf diese Weise zu einem nervenzehrenden, langatmigen Prozess. Da hilft es nichts, dass man die Wahl zwischen drei unterschiedlichen Tastaturvarianten hat: einer Handytastatur, einer typischen Blackberry-Tastatur und einer PC-Tastatur. Alle natürlich nur virtuell, als Bild auf dem Display eingeblendet.

Das Resultat: Von der Idee, mit dem Storm längere E-Mails zu verfassen, nimmt man schnell wieder Abstand. Eine langjähriger Blackberry-User gestand mir nach eingehenden Storm-Spielereien, dass er doch lieber bei seinem jetzigen Modell bleiben wird. Ein echter Blackberry sei der Storm nicht mehr.

Mobile Breitbandformate

UMTS

Universal Mobile Telecommunications System - wird oft als Mobilfunkstandard der dritten Generation (3G) bezeichnet, da er deutlich höhere Datenübertragungsraten als sein Vorgänger GSM ermöglicht. Deutsche UMTS-Netze schaffen üblicherweise eine Bandbreite von 384 Kbit/s für die Datenübertragung vom Mobilfunkmast zum Endgerät. Reguläre DSL-Anschlüsse bieten heute üblicherweise 1024 Kbit/s. (mehr ...)

HSDPA

GPRS

Edge

WiMax

DVB-T

LTE

Und ein iPhone ist er gerade wegen seines Bildschirms noch viel weniger. Zwar scrollt es sich damit zügig, aber doch etwas ruckelig. Zudem bewegt sich nur etwas, solange man auch den Finger bewegt. Das organische Weiterscrollen und langsame Abbremsen des Apple-Handys fehlt völlig.

Ebenso vermisst man ein W-Lan-Modul für das schnelle Surfen zu Hause oder an Hotspots. Das haben mittlerweile fast alle Blackberrys. Warum es ausgerechnet dem Storm nicht eingebaut wurde, bleibt rätselhaft.

Elf Programme im Download-Center

Auch der eingebaute Browser kann kaum Punkte sammeln. Der Aufruf der Web-Seite von SPIEGEL ONLINE etwa ging regelmäßig schief. Rund eine Minute dauert es bei bester Netzanbindung, bis die Seite angezeigt wurde, doppelt so lange wie beim iPhone 3G. Zudem erzeugte der Browser etliche Darstellungsfehler, die auch bei anderen Seiten auftraten.

Beim ersten Aufruf werden Web-Seiten zudem viel zu klein angezeigt. Immerhin: Zweimal mit dem Finger darauf getippt und der Text wird vergrößert. Aber bitte sanft tippen und nicht den Bildschirm drücken, denn dann passiert nichts. Logisch ist das nicht.

Unlogisch ist auch das Application Center, ein Web-Bereich, aus dem man sich Zusatzprogramme auf den Storm laden kann. Mit Apples App Store sollte man das nicht verwechseln. Ein echter Online-Shop für Blackberry-Software soll erst im kommenden März kommen. Entsprechend dünn ist das Angebot bisher. Insgesamt elf Applikationen sind dort zu finden. Darunter ICQ, eine Flickr-Software und Google Maps. Diese paar Progrämmchen hätte man durchaus auch vorinstallieren können, statt dem Kunden das Herunterladen abzuverlangen.

Surfen wie vor zehn Jahren

Bevor man zum Download des gewünschten Programms vorgelassen wird, muss man zuerst die kompletten Nutzungsbedingungen durchscrollen. Das sind jedes Mal 18 Seiten nerviger AGB-Texte. Hoffentlich wird das im Application Store anders. Sonst wird der sich kaum übermäßiger Beliebtheit erfreuen.

Ohnehin sollte man Downloads nur durchführen, wenn man sich in einem gut mit UMTS oder HSDPA abgedeckten Bereich befindet. Außerhalb dieser Zonen schaltete zumindest unser Testgerät innerhalb des Hamburger Testgebiets stets in den lahmen GPRS-Modus zurück. Das ist Surfen wie vor zehn Jahren. Eine EDGE-Verbindung, die auch ohne UMTS flotte Datenübertragungen ermöglichen würde, wollte zumindest im Hamburger Vodafone-Netz nicht zustande kommen. Mit einer zum Test eingesetzten T-Mobile-Karte hingegen funktionierte EDGE sofort.

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