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02.12.2008
 

Touchscreen-Handy

Nokia verspricht das Über-iPhone

Von Matthias Kremp

Touchscreen, GPS, üppige Multimediaausstattung und bis zu 48 Gigabyte Speicher: Mit dem N97 bläst Handy-Marktführer Nokia zum Angriff auf iPhone, Blackberry und Co. Die Erfolgschancen stehen gut - wenn Mobilfunkkonzerne per Subvention den Verkaufspreis von 650 Euro drücken.

Bloß keine falsche Bescheidenheit. Bevor Nokia-Präsident Olli-Pekka Kallasvuo das neue Mobiltelefon vorstellte, für das Hunderte Journalisten und Branchenvertreter zur Nokia World nach Barcelona geflogen waren, klärte er noch schnell darüber auf, welchen Status seine Firma genießt. Vier Milliarden Menschen, so Kallasvuo, werden Anfang 2009 ein Mobiltelefon besitzen. Eine Milliarde davon, wird ihre Gespräche mit Nokia-Handys abwickeln. Eine zweite Milliarde soll sich bald dazugesellen - auch wegen des neuen Multimedia-Handys N97.

Und das hat es in sich - in jeder nur denkbaren Hinsicht. Vor allem aber hat es einen Touchscreen. Den gibt es zwar schon bei Nokia, im Modell 5800 Xpress Music, aber dort ist noch eine vergleichsweise unaufregende Variante zum Thema Bildschirmbedienung eingebaut worden. Einen Bildschirm wie den des nun vorgestellten Nokia N97 hat es bisher noch nicht gegeben.

Denn der Nokia-Touchscreen lässt die Benutzer es fühlen, wenn sie eine virtuelle Taste niederdrücken. Anders als es Research in Motion beim Blackberry Storm gemacht hat, muss man dafür aber nicht das ganze Display herunterdrücken. Stattdessen sorgt eine neue Technik dafür, dass der Bildschirm genau dort, wo man einen Tastendruck ausführt, leicht vibriert. Taktiles Feedback nennen das die Spezialisten. Berichte darüber, wie gut das tatsächlich funktioniert, stehen noch aus.

Push-E-Mail für alle

Dass man sich bei Nokia ohnehin nicht ausschließlich auf die Touchscreen-Technik verlassen mag, zeigt ein Detail, das hervorkommt, wenn man den Bildschirm des N97 nach oben wegschiebt. Dann nämlich kommt eine komplette Mini-Tastatur zum Vorschein. Das dürfte Vieltipper beruhigen, die nicht lange E-Mails auf dem Bildschirm tippen wollen.

Vor allem aber schiebt man bei dem neuen Nokia die Tastatur nicht einfach unter dem Gerät hervor, sondern bewegt dabei gleichzeitig den Bildschirm in eine leicht erhobene Position. So wird das Display in einen Winkel von 35 Grad zur Tastatur verschoben. Das Mobiltelefon gleicht so einem Mini-Notebook.

Und Schreiben, das macht Kallasvuo in seiner langen Vorrede zur eigentlichen Präsentation klar, soll man viel am N97. Mit dem Gerät nämlich führt Nokia einige Erweiterungen seiner Online-Dienste namens Ovi (Tür) ein. Die wichtigste: Nokia Messaging. Unter dem Dach dieses Angebots will Nokia E-Mail- und Messaging-Dienste zusammenfassen. Einige E-Mail-Angebote, darunter Yahoo Mail, Hotmail, Googlemail und AOL Mail, sollen per Push nutzbar sein, neue Nachrichten würden also automatisch auf das Handy geschickt werden. Damit macht Nokia nicht nur Apples MobileMe auf dem iPhone, sondern vor allem den E-Mail-Angeboten der Blackberrys starke Konkurrenz.

Ob Nokias Push-Dienst kostenlos ist, wurde bei der Präsentation in Barcelona nicht klar gesagt - entsprechende Dienste von Apple oder RIM kosten extra.

Soziale Standorte

In erster Linie soll die Verquickung von E-Mail und Messaging aber dafür sorgen, dass man stets in Kontakt zu Freunden und Kollegen bleibt. Damit man das auch ja nicht vergisst, lassen sich auf dem großen Bildschirm sogenannte Widgets, kleine Mini-Programme plazieren. Die sollen zum Beispiel anzeigen wenn eine neue E-Mail eingetroffen ist. Außerdem gibt es Widgets, die RSS-Feeds anzeigen, so dass man keine aktuelle Nachricht verpasst.

Das Besondere: Die Widgets lassen sich beliebig auf dem Bildschirm anordnen. So soll man etwa die Uhrzeit, seinen Terminkalender, RSS-Feed und E-Mails permanent im Blick behalten können. Und wenn der Bildschirm einmal zu voll wird oder man einfach seine Ruhe haben will, wischt man überflüssige Widgets per Fingerzeig vom Schirm. Genau so schnell sollen sich die kleinen Helfer auch wieder zurückholen lassen.

Flash im Breitbildformat

In Kombination mit dem integrierten GPS-Empfänger will Nokia zudem eine Funktion einführen, die das Unternehmen als "Soziale Standorte" oder Social Locations (So-Lo) bezeichnet. Fotos und Filme, die man mit dem N97 aufnimmt, werden mit Standortinformationen versehen. Außerdem ist der aktuelle Aufenthaltsort des Telefons für ausgewählte Freunde des Gerätebesitzers beispielsweise in Nokias Kartensoftware Nokia Maps abrufbar. Glücklicherweise lässt sich einstellen, wer diese Informationen bekommt.

Nokia N97 - Technische Daten
Betriebssystem Symbian S60, 5th Edition
Arbeitsspeicher 32 GB (erweiterbar bis 48 GB)
Erweiterungssteckplatz microSDCard
Bildschirmauflösung 640 x 360
Bildschirmdiagonale 8,9 Zentimeter
Digitalkamera 5 Megapixel
PC-Anschluss Micro-USB 2.0
Gewicht 150 Gramm
Maße 117 x 55 x 16 Millimeter
Drahtlose Verbindungen EDGE, UMTS, HSDPA, W-Lan, Bluetooth 2.0
Standby-Zeit 400 Std. (16,6 Tage)
Sprechzeit bis zu 400 Minuten (6,7 Std.)
Musikwiedergabe 1,5 Tage
Videowiedergabe 4,5 Stunden
Besonderheiten: Touchscreen, GPS, Aufschiebtastatur, N-Gage-Spiele, Widgets
Preis*: ca.650 Euro
Alle Daten basieren auf Herstellerangaben, * Ohne Mobilfunkvertrag

Ganz nebenbei soll das neue Nokia natürlich auch als Web-Surfbrett taugen, was durch den Bildschirm im Format 16:9 besonders unterstützt wird. Der passt bestens zum Breitbildformat, das YouTube seit kurzem anbietet. Vor allem aber sollen sich mit dem Gerät auch Flash-Videos anschauen lassen, wie sie unter anderem auf SPIEGEL ONLINE verwendet werden.

Aber Videos wird man mit dem N97 auch selber aufnehmen können, in Breitbildformat und DVD-Qualität, so Nokia. Vor allem aber weist das Unternehmen auf die integrierte 5-Megapixel-Kamera hin, der eine Linse von Carl Zeiss Tessar vorsteht. Ein LED-Blitz soll helfen, damit auch bei Dunkelheit brauchbare Bilder zu schießen.

Schon jetzt ein Dauerbrenner?

Dass ein MP3-Player eingebaut ist, versteht sich bei einem Gerät aus Nokias N-Serie von selbst. N-Handys sind immer Multimedia-Handys. So auch das N97, das Musik neben MP3 auch in den Formaten AAC und WMA abspielen kann. Mit Nachschub soll man sich nach Nokias Willen natürlich im Nokia Music Store versorgen. Wirklich erstaunlich ist aber die Musikwiedergabezeit, die das Unternehmen verspricht.

Eineinhalb Tage lang soll man mit dem N97 ununterbrochen Musik hören können, bevor der Akku den Dienst quittiert. Das gilt zwar nur, wenn währenddessen der Telefonteil des Geräts abgeschaltet ist.

Aber auch sonst verspricht Nokia, das N97 werde ein Dauerbrenner. Mehr als zwei Wochen soll es im Standby-Modus durchhalten, fast sieben Stunden Gesprächszeit bieten. Das sind Superwerte, sofern sie sich in der Praxis erreichen lassen.

Speicher satt

Super ist die Speicherausstattung des Touchscreen-Nokia. Mit 32 Gigabyte, die bereits bei Kauf eingebaut sind, bietet es doppelt so viel Platz für Musik und Filme wie Apples iPhone 3G. Sollte auch das noch nicht ausreichen, lässt sich der Speicher per microSD-Karte erweitern. In Kombination mit einer 16-Gigabyte-Karte wären das lässige 48 Gigabyte Gesamtkapazität.

Mobile Breitbandformate

UMTS

Universal Mobile Telecommunications System - wird oft als Mobilfunkstandard der dritten Generation (3G) bezeichnet, da er deutlich höhere Datenübertragungsraten als sein Vorgänger GSM ermöglicht. Deutsche UMTS-Netze schaffen üblicherweise eine Bandbreite von 384 Kbit/s für die Datenübertragung vom Mobilfunkmast zum Endgerät. Reguläre DSL-Anschlüsse bieten heute üblicherweise 1024 Kbit/s. (mehr ...)

HSDPA

GPRS

Edge

WiMax

DVB-T

LTE

Die Kombination schließlich dürfte es sein, die das N97 zu einem Publikumserfolg machen wird. Ein fetter Touchscreen samt echter Tastatur, guter Kamera, großem Speicher, schneller Netzanbindung und üppigen Multimediafunktionen dürfte viele Freunde finden.

Einzig der Preis, den Nokia dafür einfordert, könnte abschrecken: 550 Euro netto, also rund 650 Euro nach Steuern wird das N97 ohne Vertrag kosten, wenn es irgendwann in der ersten Jahreshälfte 2009 in die Läden kommt.

Aber diesen Preis wird wohl kaum jemand zahlen müssen. Das zumindest stellt Nokia-Manager Anssi Vanjoki in Aussicht. Er sagte zum Ende der Vorstellungsshow für das N97, dass er hoffe, die Mobilfunkanbieter würden Interessenten den möglichen Schmerz ersparen, den eine solche Ausgabe mit sich brächte.

Klar, auch das neue Nokia wird subventioniert mit Mobilfunkverträgen angeboten werden. So wurde auch schon sein Vorgänger, das N95, zum Kassenschlager, ließ sich 15 Millionen Mal verkaufen. Das könnte das N97 auch locker schaffen - wenn es hält, was der Hersteller verspricht.

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Nokia ist inkonsequent oder betreibt schlechte Informationspolitik. Ich hätte mir ja fast ein N900 gekauft. Es wurde beworben, einen Computer zu ersetzen. Auf dem Linuxhandy konnte man z.B. OpenOffice ausführen, einen [...] mehr...

16.01.2010 von dirsch:

Also die anzahl verfügbarer "Apps" ist wohl nicht unbedingt ein Qualitätsmerkmal für das Handy selbst. Man kann es auch so deuten, dass man ein Haufen nachinstallieren muß, um "alle" Funktionen zu haben. [...] mehr...

28.11.2009 von Jotti:

[QUOTE=Johanna.1.15; Während übrigens die Nokia-Telefone, die ich kenne, allesamt tatsächlich auch von Laien ganz einfach bedient werden können.[/QUOTE] Sorry, ich habe mich über Deine Beiträge (ja, die Mühe habe ich mir [...] mehr...

28.11.2009 von Jotti: Kein Vergleich

Hallo. In meinem Haushalt befindet sich sowohl ein N97 und ein iPhone 3GS. Ganz klar: das iPhone ist besser! Das N97 ist wirklich nicht schlecht, doch die Benutzung des iPhone mitsamt dem gesamten "drumherum" ist um [...] mehr...

27.11.2009 von sappelkopp: Schwere Frage!

Ist der Audi A6 besser als die E-Klasse? mehr...

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