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15.12.2008
 

Schlaue Kleidung

Hose mit Keyboard im Schritt

Das intelligente T-Shirt und die Tastatur-Jeans werden wohl auf absehbare Zeit nur Konzepte bleiben. Dafür werden die Verheißungen des "Wearable Computing" von Handys eingelöst. Zeugen schlauer Kleidung sind heute Handy-Abdrücke in der Jeans.

Unter dem Schlagwort "Wearable Computing" geistert bereits seit Jahrzehnten das Versprechen durch die Technik-affine Welt, Kleidung und Digitaltechnik zu einer Einheit zu verschmelzen. In der Realität enttäuschen die vermeintlich intelligenten Textilien dann aber regelmäßig. Der MP3-Player-Button auf der Hose oder die Handy-Tasche am Jackenärmel machen eben noch lange keine schlaue Kleidung.

Screenshot "Yankodesign": Tastatur im Schritt
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Screenshot "Yankodesign": Tastatur im Schritt

Ein zumindest in der Theorie erfrischender Ansatz zum Thema kam dieses Jahr vom Designer Erik De Nijs, der eine Jeans mit integrierter Tastatur entworfen hat. Ausgehend von der Baggy-Mode jugendlicher HipHop-Fans nutzt De Nijs den reichlich vorhandenen Stoff der weiten Jeans, um eine Tastatur in voller Größe auf den Oberschenkeln und über dem Schritt zu plazieren. Nach den Vorstellungen des Designers werden die Eingaben des Nutzers via Bluetooth von der Hose zum Laptop gefunkt, der dadurch unterwegs nicht mehr auf den Knien balanciert werden muss.

Fluch des Prototypen

Der Prototyp der Funktionshose von De Nijs sieht sogar halbwegs praktikabel aus, tragbar dürfte die Keyboard-Jeans dank Gummitasten ebenfalls sein. Der größte Haken am Konzept ist aber, dass es sich eben nur um ein Konzept handelt, das wohl nie in Serienproduktion gehen wird. Abgesehen davon, dass man sich fragt, was der Hardcore-Geek machen sollte, wenn die Tastatur-Hose doch mal in die Wäsche muss.

Damit dürfte es der Keyboard-Jeans ähnlich ergehen wie dem Fernumarmungs-T-Shirt. Das "Hug Shirt" sollte mittels eingearbeiteter Druck-Sensoren und -Aktuatoren den Austausch von Umarmungen über beliebige Distanzen ermöglichen, die Steuerdaten sollten per Handy übermittelt werden. Über vielversprechende Ankündigungen kam die technische Kuschelhilfe allerdings nie hinaus.

"Wearable Computing"-Vision von 2000: Das war wohl nichts
DPA

"Wearable Computing"-Vision von 2000: Das war wohl nichts

Vom Anspruch an die Funktionalität deutlich bescheidener kommt das "Electronic Drum Kit Shirt" daher. Dieses T-Shirt bietet immerhin ein vollständiges elektronisches Schlagzeug und Lautsprecher, also alles für die mobile Jam-Session: Alle sieben abgebildeten Teile des Schlagzeugs machen ihre eigenen Sounds und lassen sich separat spielen. Zum Waschen müssen die elektronischen Teile leider noch entfernt werden. Trotzdem sticht das Schlagzeug-Shirt die Tastatur-Jeans und das Umarmungs-T-Shirt locker aus, und zwar schlicht und ergreifend, weil man es schon heute für 21 Euro erwerben kann.

Die Crux mit den "intelligenten Textilien" lässt sich unterdessen wohl recht einfach auflösen. Denn in der Realität werden die meisten Versprechungen, die mit dem "Wearable Computing" verbunden sind, schon eingelöst: mit Handys, die ja inzwischen oft extrem geschrumpfte Computer darstellen. Aus dieser Perspektive muss die Kleidung gar nicht mehr "intelligent" werden, da wir die entsprechenden Funktionen schon in der Hosentasche mit uns herumtragen.

Die Probleme bei der Realisierung von schlauer Kleidung würden sich somit in Wohlgefallen auflösen. Was bleibt, ist einerseits Symbolik, wie sie etwa bei Flickr zu finden ist, wo im Pool "mobile_imprint_on_jeans" Fotos von Jeans gesammelt werden, die durch jahrelange, gleichförmige Nutzung Handy-Abdrücke bekommen haben. Darüber hinaus sollten sich Designer aber durchaus noch Gedanken darüber machen, wie Handys mit der Kleidung zusammenspielen könnten. So gesehen ist Francesca Lanzavecchias Entwurf für eine Handy-Halskrause wirklich fortschrittlich. Die "ProAestetics Neck Brace" ermöglicht nämlich das freihändige Telefonieren ohne weiteres Hightech-Zubehör.

Sascha Koesch / Fee Magdanz / Robert Stadler

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