Der New Yorker Anwalt John Jacobs ist vor drei Jahren an Bauchspeicheldrüsenkrebs gestorben und trotzdem immer telefonisch erreichbar - wenn auch nur über die Mailbox seines Handys. Dieses wurde Jacobs als Grabbeigabe in den Sarg gelegt, seine Witwe bezahlt seitdem pünktlich die monatliche Telefonrechnung. Zuletzt ist auf Jacobs' Grabstein neben seinem Namen, Geburts- und Todestag auch noch seine Mobilnummer eingraviert.
Letzte Ruhestätte: Unter der Erde klingelt das Handy, bis die Batterien aufgeben
Gadgets im Grab
Inzwischen pflegen Jacobs' Angehörige sein Gedenken bereits seit drei Jahren telefonisch: "Manche Menschen reden mit Gott, ich spreche zu meinem verstorbenen Ehemann", erklärte Seltzer der "New York Post" ihre Anrufe. Außer Seltzer, die einmal im Monat eine Nachricht auf der Mailbox des Verstorbenen hinterlässt, nutzen auch ihre beiden Söhne diese Art der Erinnerung. Und inzwischen ist diese Art des Gedenkens auch bei Freunden der Familie akzeptiert, während das Handy im Sarg während der Beerdigung noch für Irritationen sorgte: Damals wählte einer von Jacobs' Söhnen die Nummer des Vaters, woraufhin das Handy im Sarg klingelte.
Dass die Familie noch regelmäßig die Telefonnummer des Verstorbenen wählt, ist wohl recht ungewöhnlich. Dass sich Menschen mit ihren Handys beerdigen lassen, allerdings weniger: "Scheinbar wünschen sich alle unter 40 im Todesfall mit ihrem Handy beerdigt zu werden", erklärte etwa Noelle Potvin vom Begräbnisunternehmen Hollywood Forever unlängst MSNBC.
Demnach wollen Verstorbene öfter ihre Lieblings-Gadgets mit ins Grab nehmen - vom Blackberry über iPods bis hin zu Gameboys. Ed Defort, Herausgeber des Magazins "American Funeral Director", berichtet sogar von einem Fall, in dem ein Mann mit seinem Bluetooth-Headset auf dem Kopf beerdigt wurde.
Trend aus der Steinzeit
Welche Dimensionen das Phänomen der Gagdet-Grabbeigaben in den USA hat, lässt sich nicht mit Bestimmtheit sagen. Aber "der Trend ist seit fünf oder sechs Jahren zu beobachten", erklärte der Bestattungsunternehmer Frank Perman wiederum MSNBC. Demnach werden Handy, MP3-Player und Co. aber zukünftig eher immer häufiger zur Grabbeigabe, schließlich "ist es kein größeres Problem, ein Handy in den Sarg zu legen".
Ähnlich äußerte sich kürzlich auch Rolf-Peter Lange, Vorsitzender des Verbands Deutscher Bestattungsunternehmen (VDB). Bei Erdbestattungen sei es nicht weiter schwierig, das geliebte Gadget einfach im Sarg zu plazieren. Für Feuerbestattungen gebe es im Gegensatz dazu "aber strenge Regelungen", nach denen Metall und andere Materialien nicht mit verbrannt werden dürften.
Sascha Koesch / Fee Magdanz / Robert Stadler
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