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25.01.2009
 

Nokia-Service in Indien

Die Internet-Revolution kommt als SMS

Strategieänderung: Der Handy-Hersteller Nokia wandelt sich zunehmend zum Anbieter von Online-Diensten. Die Triebfeder der Online-Revolution ist aber weder GPS-Navigation noch Musik-Download oder Handy-Game, sondern ein SMS-Informationsdienst für indische Bauern.

Nokia ist nach wie vor unangefochtener Marktführer unter den Handy-Herstellern. Doch der finnische Konzern hat bereits die Weichen für die nächste Ära gestellt. Denn der Markt für Mobiltelefone gilt als weitgehend ausgereizt. Da die Gewinnmargen in der Telefonproduktion zusehends schrumpfen, sollen zukünftig vor allem Dienstleistungen für kräftige Umsätze sorgen. Die Neuausrichtung des Konzerns folgt dem Motto "Inhalt statt Hardware". Die üppigen Gewinne aus dem Handy-Boom werden jetzt in Navigationsdienste, mobiles Gaming und Musik-Download-Angebote investiert.

Nokia 1200: Nicht mit Highend-Handys, sondern mit Online-Angeboten für Schwellenländer will Nokia das mobile Netz revolutionieren
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Nokia 1200: Nicht mit Highend-Handys, sondern mit Online-Angeboten für Schwellenländer will Nokia das mobile Netz revolutionieren

Die neuen Nokia-Dienste heißen N-Gage (Spiele), Nokia Maps (Navigation) oder "Comes with Music" (Musik-Downloads). Dazu kommt als verbindendes Element die Plattform "Ovi", unter der die Finnen verschiedene mobile Internet-Dienste anbieten. Genau diese "Ovi" (finnisch für "Tür") soll sämtliche Online-Angebote eines Tages zu einer "kompletten Erlebniswelt" verknüpfen. Bislang verläuft die Entwicklung allerdings nicht gerade rasant, was in erster Linie auf die ausgeprägte Trägheit der Nutzer zurückzuführen sein dürfte. Die nämlich akzeptieren neue Handy-Anwendungen viel zu zögerlich - jedenfalls aus Perspektive der Anbieter.

Life Tools

Nun findet die skizzierte Entwicklung zwar prinzipiell weltweit statt, aber nicht überall auf dem Globus in der gleichen Form. Denn mobile Unterhaltungsangebote oder das zielsichere Auffinden eines Restaurants sind natürlich nur in reichen Ländern gefragt. In den Entwicklungs- und Schwellenländern boomt die Mobiltelefonie dagegen vor allem, weil sie neue Erwerbsmöglichkeiten erschließt oder den Alltag etwas weniger entbehrungsreich macht: Für Millionen armer Menschen in Afrika und Asien ist das Handy auch das erste Bankkonto, die erste respektable Adresse und der erste unzensierte Informationskanal.

Daher könnte ausgerechnet der denkbar unspektakuläre Datendienst " Life Tools" zu Nokias wichtigstem Service werden. Und zwar gerade weil er auf simplen SMS-Textnachrichten basiert. Damit ist er nicht auf eine moderne Mobilfunkinfrastruktur der dritten Generation angewiesen. SMS kommen vielmehr auch bei schlechtem Empfang und überlasteten Netzen noch relativ reibungslos ans Ziel. So sollen die "Lebenswerkzeuge" demnächst indischen "Landwirten, Schülern und Studenten schnellen Zugriff auf zeitkritische Informationen" bieten.

Das SMS-Web

Die "Life Tools" sollen im ersten Halbjahr 2009 schrittweise in ganz Indien eingeführt werden, erklärte Nokia im November 2008. Danach soll das mobile Simpel-Web auch in "ausgewählte Länder in Asien, Afrika und Südamerika" kommen. Die Nutzer sollen dabei zu zahlenden Abonnenten von Informationsdiensten werden. Die zu entrichtenden Gebühren werden vom Gesprächsguthaben abgebucht. Auch wenn es sich dabei nur um Mikrobeträge handelt, sollten durch die Nutzermassen solide Geschäftsmodelle möglich werden.

Genauso einfach und unspektakulär wie die Übermittlung der Informationen per SMS sieht die Darstellung auf dem Handy-Display aus: Die "Life Tools" kommen in Form grafisch schlichter Tabellen daher. Deren Darstellung ist auch auf dem monochromen Bildschirm eines Nokia 1200 möglich. Dieses Modell, das speziell für den indischen Markt entwickelt wurde, aber auch hierzulande erhältlich ist, bietet nämlich nur elementare Handy-Funktionen. Die einzige Ausstattungs-Extravaganz besteht in einer Taschenlampe.

Dafür werden das 1200 und sein Nachfolger 1202 ohne Vertrag für 25 Dollar angeboten. So kommt die mobile Online-Revolution 2009 wohl in Form von Wetterberichten und Volkshochschulkursen daher, die als Tabellen auf einem Schwarz-Grün-Display dargestellt werden - und nicht als knallbunte 3D-Grafik auf den Displays sündteurer Highend-Handys.

Sascha Koesch/Fee Magdanz/Robert Stadler

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