Kinshasa/Barcelona - Handy-Hersteller sollen nach dem Willen von Menschenrechtlern keine Materialien mehr aus den umkämpften Gebieten der Demokratischen Republik Kongo für ihre Mobiltelefone verwenden. Die Konzerne müssten ihre Lieferkette überprüfen, um auszuschließen, dass mit ihrem Geld bewaffnete Konflikte in dem afrikanischen Land finanziert würden, forderte die Organisation Global Witness am Montag in einer Erklärung zum Auftakt der weltgrößten Mobilfunkmesse in Barcelona.
Untersuchungen der Organisation zusammen mit Uno-Experten hätten ergeben, dass sich die wichtigsten bewaffneten Gruppen im Osten des afrikanischen Landes direkt aus dem Verkauf etwa von Zinn oder Tantal finanzierten. Diese Metalle sind wichtig für die Herstellung von Mobiltelefonen. Die Rekordhochs bei den Rohstoffpreisen im vergangenen Jahr hätten die Konflikte weiter angeheizt.
Das Problem ist seit langem bekannt. Gerade Halbleitertechnik stützt sich auf zum Teil äußerst seltene Rohstoffe. Wo diese in politisch instabilen Gebieten vorkommen, werden sie schnell zum umstrittenen Gut: Im Kongo gehört der Streit um die dortigen Coltan-Vorkommen, aus denen Tantal gewonnen wird, zu den Motoren des seit 1996 mit nur kurzen Unterbrechungen tobenden Kongo-, respektive Kivukrieges, der bisher rund 5,4 Millionen Menschen das Leben gekostet haben soll.
Weil der Kampf um die Ausbeutung der Coltan-Vorkommen als eine der Hauptursachen für den Dauerkonflikt gesehen wird, hatte es seit Ende der neunziger Jahre immer wieder Boykottaufrufe gegeben. Coltan enthält sowohl das teure Tantal, von dem weltweit jährlich nur knapp 1400 Tonnen gefördert werden, als auch das billigere Niob, das unter anderem als Tantal-Ersatz in der Hightech-Produktion eingesetzt wird.
Insbesondere der Osten der Demokratischen Republik Kongo, an der Grenze zu Ruanda und Uganda, ist reich an Rohstoffen. Neben Coltan werden im Kongo auch diverse Edelmetalle gefördert, darüber hinaus Diamanten, Kupfer, Zinn und andere Erze.
pat/AFP
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