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16.02.2009
 

Mobile World Congress

Microsoft will griffiger werden

Von Matthias Kremp

Business raus, Multimedia rein: Microsoft will sein Handy-Betriebssystem Windows Mobile vom Büromuff befreien. Künftig soll die Software mehr Spaß machen. Einfacher und auch per Fingerzeig bedienbar werden.

Microsoft baut radikal um. Windows Mobile, die Mobilfunkvariante des Desktop-Systems, soll künftig benutzerfreundlicher, eher auf die Bedürfnisse von Privatanwendern zugeschnitten werden. Damit vollführt das Unternehmen eine Kehrtwende in seiner Strategie. Bisher versuchte der Konzern, Windows Mobile als Handy-Betriebssystem für die berufliche Nutzung zu vermarkten.

Damit soll jetzt Schluss sein. Zwar werde man professionelle Anwender weiterhin bedienen, der Fokus liege künftig aber auf den privaten Nutzern, erklärt Andreas Krieg, Geschäftsbereichsleiter Mobility bei Microsoft, im Gespräch mit SPIEGEL ONLINE. Steve Ballmer hat mobile Anwendungen zum Schlüsselthema für Microsoft gemacht. Der Grund ist nahe liegend: Der Mobilfunkmarkt wächst im privaten Bereich weit schneller als im Business-Segment.

Der erste Schritt in diese Richtung ist die neue Version 6.5 von Windows Mobile, die Microsoft in Barcelona erstmals öffentlich zeigt. Der wichtigste Unterschied zu den Vorgängerversionen: Die Symbole auf der Benutzeroberfläche werden größer. Damit sollen nicht etwa potentielle Sehschwächen der Nutzer ausgeglichen, sondern die Bedienung per Touchscreen vereinfacht werden. Microsoft springt damit - reichlich spät - auf einen Zug auf, der schon lange am Rollen ist.

Ab ins Web, jetzt wieder mit Microsoft

Als zweite wichtige Neuerung sieht Microsoft eine neue Mobilversion des Internet Explorers, intern "6 on 6" genannt. Der soll nun bedeutend schneller und kompatibler zu Web-Standards sein, sagt Krieg. Zudem wird er tiefer ins Betriebssystem eingebettet. Bookmarks etwa können jetzt direkt vom Hauptbildschirm, dem sogenannten Home-Screen, geöffnet werden, der Browser startet automatisch. Vor allem aber ist eine einfach per Fingerstrich nutzbare Zoomfunktion integriert worden.

Der Sinn der Verbesserungen ist klar: Microsoft will, dass die Hersteller auf ihren Windows-Handys wieder den Internet Explorer in den Vordergrund stellen. In letzter Zeit waren immer mehr Geräte mit Konkurrenzprodukten wie etwa dem Opera-Browser ausgeliefert worden.

Mit dem Handy in die Wolke

Neben der Handy-Software selbst stellt Microsoft auch seinen neuen Online-Dienst MyPhone offiziell vor, dessen Eckdaten bereits vor einigen Wochen bekannt geworden waren. Die Idee hinter dem unter dem Codenamen Skybox entwickelten Dienst: Statt auf einem Computer legt der Anwender seine Daten via MyPhone im Web ab. Nach dem Prinzip des Cloud Computing gehen Kontaktinformationen, Fotos, Musik und Text damit in eine Datenwolke ein.

Wo genau diese Daten physikalisch gespeichert sind, wo also der Server steht, auf dessen Festplatten die Bits und Bytes ruhen, ist unerheblich. Abrufen und ergänzen kann man seine Schätze jederzeit und von überall, solange man eine Internet-Verbindung hat. Dabei, so Microsoft-Manager Krieg, ist es unerheblich, mit was für einem Gerät ich auf die Daten zugreife.

Man kann seine Handyfotos also auch am PC betrachten oder die Kontaktliste am Notebook verändern. Vorerst aber werden nur Windows-Mobile-Handys von den neuen Diensten profitieren, so Krieg. Die Unterstützung für andere Mobil-Betriebssysteme werde zwar folgen, vorerst aber bleibe MyPhone eine reine Windows-Veranstaltung. Immerhin wird die vorerst kostenlos angeboten, inklusive 200 Megabyte Online-Speicherplatz pro Anwender.

Microsofts Handy-Software-Shop hat einen langen Namen

Ebenso wie man die Touchscreen-Unterstützung von Windows Mobile 6.5 als spätes Nachziehen ansehen kann, ist es wohl gerechtfertigt, die Ankündigung eines Online-Shops für Handy-Software als Me-Too-Aktion zu verbuchen. Der Erfolg des App Store für Apples iPhone hat schließlich auch schon Nokia dazu verleitet, einen verblüffend ähnlichen Ovi-Store für die finnischen Mobiltelefone anzukündigen.

Während allerdings die Eröffnung von Nokias Ovi Store verbindlich für Mai angekündigt wurde, mag sich Microsoft hier noch nicht festlegen. Erst wolle man für volle Regale sorgen. Vorerst stellt das Unternehmen daher nur eine Web-Seite online, über die Handy-Software-Entwickler ihre Windows-Mobile-Programme zur Veröffentlichung einreichen können.

Denn Software, die man über den als Windows Marketplace for Mobile bezeichneten Shop bezieht, wird Microsoft-zertifiziert sein. Vor der Veröffentlichung muss also jedes Programm erst mal eine Überprüfung passieren. Apple macht das genau so, was bei den Entwicklern manchmal für Ärger sorgt, wenn ihre Programme aus unerklärlichen Gründen wochenlang in der Warteschleife festhängen.

Ist Microsofts Mission gelungen?

Weit mehr als ein paar Wochen müssen sich nun aber alle Interessierten gedulden, die sich aufgrund von Microsofts Ankündigungen auf ein Handy mit Windows Mobile 6.5 freuen. Denn mit der Auslieferung der Software will der Konzern erst in der zweiten Jahreshälfte beginnen. Mobiltelefone mit dem neuen Windows werden also vermutlich erst nach den Sommerferien in die Läden purzeln.

Einen Innovationsvorsprung wird sich Microsoft auf diese Weise kaum herausarbeiten können. Zumindest wird die Konkurrenz die Wartezeit bis zum neuen Mobil-Windows sicher nutzen, um ihre eigenen Angebote zu verbessern und vor allem jene Punkte zu überarbeiten, bei denen Microsoft jetzt aufgeholt hat. Vermutlich im Juni wird Apple ein neues iPhone vorstellen, das mit einem Update des Betriebssystems einhergehen dürfte. Und auch die Open Handset Alliance, die gemeinsam mit Google das Android-Betriebssystem entwickelt, wird die Hände nicht in den Schoß legen.

Während Microsoft also scheinbar zur Konkurrenz aufgeholt hat, könnte die bis zum geplanten Veröffentlichungstermin von Windows Mobile 6.5 schon wieder Boden gutgemacht, Microsoft erneut in die Verfolgerposition abgedrängt haben.

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insgesamt 9 Beiträge zum Forum...
Die neuesten Beiträge:
17.02.2009 von brainomat: ich rede von telefonieren

Es ging mir nicht darum ob Handy oder nicht Handy, oder welcher Art die Netzwerke oder "Smartphone-Klasse" mittlerweile sind. Es war nur nervend mal wieder zu lesen, dass Microsoft eine Idee klaut (abwarten was die [...] mehr...

17.02.2009 von hollo43: Camerahandys mit hoher Auflösung ermöglichen OCR-fähige Erfassung von Dokumenten

Holau, ich stimme Ihnen voll zu. Wenn man beruflich mit den Adressen arbeitet (PocketInformant), gibt es vermutlich noch keine Alternative. Auch die Schrifteingabe ist mit raffinierten Systemen, z.B. Speedscript, einer großen [...] mehr...

17.02.2009 von holau: nicht alle wollen spielen

meine Erfahrungen mit WindowsMobile sind so schlecht nicht, auch andere Systeme, ob Symbian oder proprietäre können abstürzen. das Gerücht, dass Windows dauernd abstürzt ist überholt, obwohl es sicher von der Architektur her [...] mehr...

16.02.2009 von lassehoffe: Filmchen

>Der iPhone hat ja noch nicht mal einen Filmrecorder (soll wohl jetzt kommen). Hab mir gerade Cycorder runtergeladen fürs IPhone. macht Quicktimefilme. Merke: Denn wenn ein Handy ein Foto machen kann, kann es auch viele schnell [...] mehr...

16.02.2009 von hollo43: MIcrosoft hat Vorsprung von einigen Jahren durch Borniertheit verspielt

Als Windows Mobile User der ersten Stunde kann ich über diesen Artikel nur den Kopf schütteln. Große Icons für Fingertouch gab es schon 2002 als kostenlose Zusatzsoftware (benutze ich heute noch). Allerdins wurde die [...] mehr...

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