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27.02.2009
 

Mobilfunk-Visionen

Telefon-Tüftler erfinden das Pillendosen-Handy

Die intelligente Pillendose überwacht die Einnahme von Medikamenten, das Handy analysiert den Atem des Nutzers: so stellen sich Designer die Zukunft des Mobilfunks vor. Das Handy als Leibarzt und Hosentaschen-Big-Brother.

Die Mobilfunkbranche ist auf der Suche nach der nächsten großen Anwendung fürs Handy. Eine neue Hoffnung: medizinische Dienstleistungen und die Gesundheitsvorsorge. Getrieben wird diese Hoffnung durch die Kombination von schlauer Sensorik und intelligenter Vernetzung.

Pillendosen-Prototyp: Der Entwurf eines Pillendosen-Handys auf der Design-Seite Yanko

Pillendosen-Prototyp: Der Entwurf eines Pillendosen-Handys auf der Design-Seite Yanko

Das stellen sich die Entwickler so vor: Handys könnten permanent den Puls von Infarktgefährdeten überwachen und bei Unregelmäßigkeiten den Hausarzt per SMS verständigen. Nach diesem Prinzip sollen etwa Demente zukünftig per GPS-Navigation kontrolliert werden: Wenn sich ein Alzheimer-Patient ziellos durch die Straßen bewegt, werden die Betreuer alarmiert und zum Patienten geführt.

Das System wurde Anfang des Jahres auf der Consumer Electronics Show (CES) in Las Vegas vorgestellt, wo auch das " Pill Phone" zu bewundern war: Das Handy erinnert an die Einnahme von Medikamenten und warnt im Zweifelsfall vor Wechselwirkungen.

Aber aktuell verfügbare Systeme sollen nur ein kleiner Vorgeschmack auf den Gesundheitsmobilfunk sein: So hat der australische Designer Steven Grech bereits den konsequenten Nachfolger das "Pill Phone" entwickelt: In seinem " The Capshell" bemannten Entwurf bekommt die Pillendose selbst einen Handy-Anschluss, um die korrekte Einnahme von Medikamenten zu gewährleisten. Das System funktioniert ähnlich wie die berühmten Bonbonspender von PEZ. Allerdings registriert das Gerät penibel, ob die Pillen zur vorgesehenen Zeit aus dem Spender genommen wurden. Ob der Patient sie auch tatsächlich schluckt, kann das Gerät dagegen nicht erfassen.

Per Mobilfunk werden die Daten automatisch in der Patientenakte abgelegt und in kritischen Fällen auch der betreuende Arzt alarmiert. Sollte sie einmal in Serie gefertigt werden, würde die vernetzte Pillendose Medizinern wertvolle Informationen liefern und könnte so Behandlungsfehler vermeiden.

Diesem möglichen Fortschritt stehen allerdings massive Datenschutzbedenken gegenüber. So fühlt sich selbst das Magazin "Yanko Design" prompt an George Orwells Überwachungsvision "1984" erinnert, obwohl hier in der Regel eigentlich nur die ästethische Qualität von Entwürfen diskutiert wird.

Noch einen Schritt weiter geht die Vision der britischen Firma Applied Nanodetectors (AND). Auf der Messe " Nano Tech 2009" in Japan präsentierte das Unternehmen den Prototyp eines Handys, das den Atem des Nutzers permanent überwacht. Möglich wird dies angeblich mittels eines neuen Sensors, der Spuren von allen denkbaren Gasen im Atem erkennt. Aus dem Verhältnis von Stickoxid, Ammoniak, Kohlenstoffdioxid und weiteren Stoffen könne man dann auf alle möglichen Krankheiten schließen.

Der Sensor soll auch erkennen, ob und wie viel Alkohol der Handy-Nutzer konsumiert hat oder aber schlicht vor Mundgeruch warnen können. Gegenüber " Nikkei Electronics" erklärte ein AND-Firmensprecher, dass man jetzt mit Handy-Herstellern und Mobilfunkern über mögliche Einsatzgebiete für den Supersensor verhandele.

Sascha Koesch/Fee Magdanz/Robert Stadler

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