Mittwoch, 10. Februar 2010

Netzwelt



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18.03.2009
 

Programme fürs iPhone

Apple träumt von riesiger Handysoftware-Welt

Von Stefan Schultz, Cupertino

Neue Push-Dienste und Verkaufsmodelle, Bluetooth-Netze und mehr als tausend Schnittstellen: Apple will sein iPhone endgültig zum Mini-Computer machen. Der Konzern eröffnet Programmierern jetzt lukrative Möglichkeiten für bessere Handy-Software - um ohne großen Aufwand die Konkurrenz abzuhängen.

Die Zahlen, die Apple-Softwarechef Scott Forstall am Dienstag auf einer Pressekonferenz in Cupertino bekannt gab, sprechen für sich. Das Software Developer Kit (SDK), mit dem Nutzer eigene Anwendungen für das iPhone schreiben können, wurde seit seinem Launch vor gut einem Jahr rund 800.000 Mal heruntergeladen. Aktiv programmieren laut Forstall gut 50.000 Nutzer Software für Apples Smartphone. Insgesamt existieren bereits mehr als 25.000 Programme.

Dass das Geschäft mit der iPhone-Software boomt, liegt vor allem daran, dass es sich erheblich lohnen kann, für Apples Smartphone Programme zu schreiben. Denn die Programme werden über einen zentralen Download-Shop verkauft, den App Store. 30 Prozent Provision kassiert Apple pro heruntergeladener Anwendung - den Rest bekommt der Programmierer, der außerdem den Kaufpreis seiner Software selbst festlegen kann.

Mit diesem Modell befeuert Apple einen gewaltigen Kreativ-Markt, der dem Unternehmen nicht nur zusätzlich Geld in die Kassen spült, sondern auch das iPhone durch neue, kreative Anwendungen immer schlauer macht - und damit gegenüber der Konkurrenz Alleinstellungsmerkmale sichert, ohne dass Apple irgendetwas zu tun braucht. Das App-Store-Modell ist so erfolgreich, dass es in letzter Zeit von einer Reihe Apple-Konkurrenten kopiert wurde.

Doch es scheint, als sei Apple den Rivalen auf diesem Feld einen Schritt voraus. Während die Präsentation der neuen Apple-Betriebssystems wenig Überraschendes zutage förderte, wurde das SDK beachtlich weiterentwickelt.

Um mehr als tausend neue Programmierschnittstellen (API) ist der Baukasten gewachsen - mehr Funktionen des Handys werden also für andere Programme nutzbar gemacht. Das bietet Programmierern ein Universum an neuen Möglichkeiten beim Entwickeln schlauer Programme. Forstall nannte am Dienstag vor allem folgende Verbesserungen von besonderer Tragweite:

  • Mehrere iPhones lassen sich nun per Bluetooth zu einem Netzwerk zusammenschließen. Das ist vor allem für Computerspiele interessant, aber auch zum schnellen Datenaustausch.
  • Die Steuerung von Hardware über das iPhone wurde erheblich verbessert. Es ist jetzt beispielsweise möglich, den Equalizer eines Lautsprechers über das iPhone zu steuern oder medizinische Geräte mit intelligenter Software zu koppeln.
  • Apple implementiert endlich den "Push Notification"-Dienst, mit dem Benachrichtigungssignale auf das iPhone gesendet werden können. Das ist beispielsweise für Messenger-Services interessant. Ursprünglich hatte Apple diese Funktion bereits im September 2008 veröffentlichen wollen.

Um das Programmieren attraktiver zu machen, erweitert Apple außerdem seinen App Store. Die Anzahl der Länder, in denen Software darüber heruntergeladen werden kann, soll von 62 auf 77 erhöht werden. Für die Entwickler bedeutet das mehr Reichweite - und mehr potentielle Käufer.

Apple ergänzt das Geschäftsmodell des App Stores um drei wesentliche Aspekte - und kommt damit den Forderungen vieler Entwickler entgegen, die sich bei der Vermarktung ihrer Software mehr Flexibilität wünschen:

  • Apple unterstützt nach eigenen Angaben künftig kumulative Verkaufsmodelle: Ein Spieleentwickler kann beispielsweise nur die ersten zehn Levels seines Games verkaufen - und die nächsten zehn erst gegen Zahlung einer weiteren Gebühr freischalten.
  • Abonnements sollen künftig unterstützt werden. Verkäufer von E-Magazinen bekommen demnach die Möglichkeit, ihre Produkte mehrere Monate im Voraus zu verkaufen.
  • Micropayment: Der Verkauf kleiner Items innerhalb kostenpflichtiger Software soll ebenfalls ermöglicht werden. Nutzer können dadurch nun zum Beispiel auch auf dem iPhone in virtuellen Spielewelten Kleidungsstücke für einen Avatar kaufen. Wie das ablaufen kann präsentierte am Dienstag die Firma Electronic Arts - mit einer iPhone-Version ihres Erfolgsspiels "Die Sims".

Apple forciert mit all diesen neuen Funktionen die Strategie, Konkurrenten mit einer wahren Flut von intelligenten Anwendungen für das iPhone zu toppen. Welche neuen Möglichkeiten die Verbesserungen des SDK und des App Stores eröffnen, konnte man am Dienstag in Cupertino bereits erahnen: Sieben Software-Programmierer durften das neue SDK in den vergangenen zwei Wochen testen - und zeigten auf der Presseveranstaltung, was man innerhalb kurzer Zeit aus dem Developer Kit herausholen kann.

SPIEGEL ONLINE präsentiert die drei besten Programm-Ideen.

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