Ausgerechnet ein quietschgrünes Gehäuse, in das man das iPhone stecken kann, war im Januar eines der unumstrittenen Highlights der Macworld Expo. Dabei gewinnt Apples Kult-Handy nicht unbedingt an Eleganz, wenn man ihm die Wazabee-3DeeShell der Firma Spatial View überzieht. Aber das derart getunte iPhone ist eben nicht nur grün und klobig, sondern auch in der Lage dreidimensionale Bilder darzustellen - und zwar ohne 3D-Brille.
Möglich wird der Zaubertrick durch eine Speziallinse, die über das Display geschoben wird. Anschließend können beliebige Inhalte plastisch dargestellt werden. Das funktioniert allerdings nur, wenn sie vorher mit Hilfe der Spatial-View-Software für den 3D-Effekt aufbereitet wurden. Videos, Fotos oder Spiele können so wie ein Hologramm scheinbar über dem iPhone-Display schweben. Nachdem das grüne Gagdet bei Messe- und Pressevorführungen für viel Staunen gesorgt hat, kann man es seit Freitag tatsächlich erwerben - wenn auch nur auf der amerikanische Web-Seite des Herstellers. Auf der deutschsprachigen Seite kann das Gerät nach wie vor nur vorbestellt werden.
Erwachsenenunterhaltung
Die 3DeeShell wird derzeit allerdings mit nur drei Anwendungen ausgeliefert. Darunter eine, mit der man selbstgeknipste Fotos für eine räumliche Darstellung vorbereiten kann. Das dürfte zwar ein nettes Spielzeug sein. Aber die wirklich interessanten Anwendungen werden wohl von unabhängigen Entwicklern kommen und über Apples App-Store vertrieben werden.
Einer der wenigen Anbieter, die bereits zum Wazabee-Verkaufsstart 3D-Inhalte anbieten, ist die Firma Pink Visual. Und diese ist auf "Erwachsenenunterhaltung" spezialisiert, also auf Pornografie. "Wir sind wirklich aufgeregt, unseren Kunden in Kooperation mit Spatial View im Wortsinn eine neue Porno-Dimension bieten zu können," erklärte dazu Pink-Visual-Produktmanager Kim Kysar letzte Woche der Nachrichtenagentur AFP.
Den Mobilfunk-3D-Pionieren von Spatial View scheint das recht zu sein, sie haben offensichtlich keinerlei Berührungsängste: "Die Erwachsenenunterhaltung war historisch schon immer ein Vorreiter bei der Adaptierung neuer Technologien und der Entwicklung passender Geschäftsmodelle," sagte Marketingchef Jason King.
Technik aus Deutschland
Die 3DeeShell ist mit dem Verkaufsstart ohne Frage der Pionier einer neuen Generation von 3D-Displays. An ähnlichen Produkten arbeiten fast alle großen Hersteller von Unterhaltungselektronik. Der iPhone-Hülle für den 3D-Effekt dürften in absehbarer Zeit zahllose weitere Displays für raumgreifende Darstellungen folgen. Die bahnbrechende Technik der 3DeeShell wurde übrigens in Deutschland entwickelt. Erst nachdem sich hierzulande nicht genügend Risikokapital fand, entschlossen sich die Entwickler, ihr Start-up in Kanada zu gründen.
Ein weiteres 3D-Display, das bereits für Furore sorgte, kommt aus Deutschland, genauer gesagt vom Fraunhofer-Institut für Nachrichtentechnik mit Sitz in Berlin. Das System der Forscher heißt iPoint 3D und wurde beispielsweise auf der CeBIT vorgeführt: Hier konnte der Game-Klassiker Pong mittels einfacher Armbewegungen auf einem 3D-Display gespielt werden. Und dass das neuartige Raumgefühl die Zuschauer überzeugt, wird auf den Videos der Veranstaltung schnell deutlich. Auch wenn sich der 3D-Effekt selbst nicht filmen lässt.
Sascha Koesch/Fee Magdanz/Robert Stadler
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