• Drucken
  • Senden
  • Feedback
 

Comes with Music Nokias Musik-Flatrate kommt

Musik satt, ein Jahr lang. Mit diesem Angebot will Mobilfunk-Marktführer Nokia jetzt auch deutsche Kunden locken und bietet zu vier aktuellen Handys eine Musik-Flatrate an. Die Offerte ist verlockend - hat aber auch ihre Fallstricke.

Musik satt für Handy-Nutzer: Der weltgrößte Handy-Hersteller Nokia bringt im Mai seine Musik-Flatrate "Comes With Music" auf den deutschen Markt. Kunden des Angebots sollen Zugriff auf eine digitale Musikbibliothek mit mehr als fünf Millionen Titeln bekommen, sagte die Leiterin von Nokias Musiksparte, Liz Schimel, am Donnerstag bei der Vorstellung des Musikangebots in Hamburg. Nokia tritt damit gegen Angebote wie Musicload von der Deutschen Telekom und den iTunes Store von an, die ebenfalls Musik für Mobiltelefone offerieren.

Zunächst wird "Comes With Music" nur in Verbindung mit einem von vier aktuellen Nokia-Handys erhältlich sein. Ein Jahr lang kann der Käufer eines solchen Mobiltelefons über eine Flatrate unbegrenzt Lieder aus dem Nokia Store laden - egal ob per Handy oder Computer. Nach Ablauf des Jahres können die Nutzer ihre Songs auch weiterhin behalten und abspielen.

Der Dienst, der von 4. Mai an verfügbar sein soll, ist laut Nokia auch eine Reaktion auf das Problem der Musikpiraterie: "Comes With Music bildet eine Brücke zwischen der boomenden Beliebtheit digitaler Musik und der legalen Kaufmöglichkeit sowie den Verdienstmöglichkeiten für Label und Künstler", erklärte Heikki Tarvainen, General Manager Nokia Deutschland.

Günstiger Einstiegstarif

Den Vertrieb des Dienstes übernimmt in Deutschland zunächst der Provider mobilcom-debitel. Der bietet zur Einführung das Nokia 5800 XpressMusic in Kombination mit dem Mobilfunk-Flatrate-Tarif Flat M für einen Euro an. Die monatlichen Kosten für Flat M belaufen sich dabei auf 24,95 Euro. Wer sich für eine solche Variante entscheidet, kann Musik aber nur über den Heim-PC herunterladen. Anwendern, die zusätzlich auch unterwegs Songs herunterladen wollen, offeriert das Unternehmen eine Daten-Flatrate für 9,95 pro Monat. Die monatlichen Gesamtkosten für Gesprächsgebühren, SMS-Versand, Web-Surfen und Musik-Downloads summieren sich damit auf 34,90 Euro.

Bezeichnend ist dabei, dass Nokia mit keinem der vier großen Netzbetreiber handelseinig werden konnte. Gut möglich, dass die Zurückhaltung von T-Mobile, Vodafone, O2 und E-Plus damit zusammenhängt, dass diese Mobilfunkanbieter teilweise schon eigene Musik-Download-Shops in ihren Netzen anbieten. Eine konkurrierende Musik-Flat wird sich da kaum ein Anbieter ans Bein binden wollen. Nokia sei aber auch im Gespräch mit anderen Netzbetreibern, sagte Tarvainen.

Zweifel am bisherigen Erfolg

In Großbritannien, wo Nokias "Comes with Music" bereits seit Oktober 2008 angeboten wird, soll sich das Angebot bisher nur schlecht verkaufen. Lediglich 23.000 britische Mobilfunkkunden hätten sich bisher für Nokias Musik-Flatrate verpflichtet, behauptet das auf digitale Musik spezialisierte Marktforschungsunternehmen Musik Ally. Eine Zahl, die Nokia nicht bestätigen mochte.

In Großbritannien wird Comes with Music allerdings auch nur mit den vergleichweise veralteten Handy-Modellen N95, N96 und 5310 angeboten. Hierzulande sind es die aktuellen Geräte N95 8GB, N79, 5630 XpressMusic und 5800 XpressMusic. Allesamt also weit attraktivere Angebote.

Trotzdem schleppt "Comes with Music" einen gewaltigen Klumpfuß mit sich herum: DRM. Alle Songs, die man sich aus dem Nokia-Shop herunterlädt, sind mit Microsofts Rechtemanagement versehen. Das Technik-Blog TechDigest beklagt sich deshalb darüber, dass die via Nokia geladenen Songs nur mit Nokias eigener Abspielsoftware hörbar gemacht werden können. Anderen Playern verweigern sie sich ebenso wie dem Versuch, auf CD gebrannt zu werden.

Ein Jahr und dann für immer

In den übrigen Ecken der digitalen Musikwelt trennt man sich unterdessen eifrig von derartigen Bevormundungen, versucht zusehends, die Musikkunden von derartigen technischen Fußangeln zu befreien. Selbst Apple, sonst für eine sehr eigenbrötlerische Produktpolitik bekannt, hat sein gesamtes Digitalmusikangebot im iTunes Store auf DRM-freie Titel umgestellt.

Fast alle übrigen Anbieter ziehen nach oder sind dem gleichauf. Da scheint Nokias DRM-verkrüppeltes Angebot etwas spät dran zu sein. Pragmatisch gesehen aber ist die finnische Musik-Flatrate nicht nur eine nette Dreingabe, sondern eher ein ordentlicher Anreiz für Anwender, die ohnehin mit dem Kauf eines neuen Mobiltelefons liebäugeln - und dann doch wieder zu einem Nokia greifen.

Denn Spaß machen wird das bestimmt: Ein Jahr lang Musik herunterladen, Songs und Interpreten auszuprobieren, die man bisher nicht kannte. Und vor allem: Nach einem Jahr ist nicht Schluss, alles was man während der ersten 365 Tage heruntergeladen hat, darf man für immer behalten - so lange das DRM hält.

mit Material von dpa

Diesen Artikel...
Aus Datenschutzgründen wird Ihre IP-Adresse nur dann gespeichert, wenn Sie angemeldeter und eingeloggter Facebook-Nutzer sind. Wenn Sie mehr zum Thema Datenschutz wissen wollen, klicken Sie auf das i.

Auf anderen Social Networks posten:

  • studiVZ meinVZ schülerVZ
  • deli.cio.us
  • Xing
  • Digg
  • Google Bookmarks
  • reddit
  • Windows Live
News verfolgen

HilfeLassen Sie sich mit kostenlosen Diensten auf dem Laufenden halten:

alles aus der Rubrik Netzwelt
alles aus der Rubrik Mobil

© SPIEGEL ONLINE 2009
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH









TOP



TOP