Abhörflugzeug Amerikas Kampfdrohne geht auf Handy-Jagd

Das unbemannte US-Kampfflugzeug "Predator" wird mit neuen Überwachungsfunktionen ausgestattet. Die Drohnen können damit auch Handys orten und Mobilfunk abhören. Für Gegner der US-Streitkräfte wird die Handy-Nutzung so zum tödlichen Risiko.


Terroristen dürften schon jetzt bei der Handynutzung größtmögliche Zurückhaltung wahren - zum einen, weil der Mobilfunk auf vielfältige Weise abgehört werden kann, aber auch weil ein eingeschaltetes Telefon von Verfolgern wie ein Peilsender zum Aufspüren seines Besitzers genutzt werden kann. Doch die Risiken des Handygebrauchs dürften für gesuchte Extremisten zukünftig noch größer werden. "Killer-Drohnen" der US-Sicherheitskräfte sollen die Telefone - und damit auch ihre Nutzer - bald direkt ins Visier nehmen.

Kampf-Drohne Predator: Künftig auch als fliegendes Handy-Peilgerät einsetzbar
DPA

Kampf-Drohne Predator: Künftig auch als fliegendes Handy-Peilgerät einsetzbar

Das Rüstungsunternehmen Northrop Grumman arbeitet jedenfalls gerade daran, die bewaffneten Drohnen der "Predator"-Familie mit neuen Spionagefunktionen auszustatten. Northrop Grumman soll die unbenannten Flieger im Auftrag der US-Luftstreitkräfte mit einem System namens "ASIP-2C" aufrüsten, das unter anderem weitgehende Mobilfunk-Überwachung ermöglicht, heißt es dazu in einer Presseaussendung.

"ASIP-2C" wird bereits in den hochfliegenden Spionageflugzeugen U2 und Global Hawk eingesetzt. Mit einem Budget von annähernd 55 Millionen Dollar soll die Hightech-Abhörausrüstung jetzt von Northrop Grumman für die vergleichsweise kleinen Predator-Drohnen modifiziert werden.

Der Predator genießt spätestens seit der gezielten Tötung des Topterroristen Kaid Ali Bin Sinian al-Harethi vor sechs Jahren eine fragwürdige Berühmtheit als tödlicher Roboter. Denn al-Harethi wurde von den unbemannten, ferngesteuerten Fliegern nicht nur überwacht. Mit Boden-Luft-Raketen vom Typ "Hellfire" wurde die Drohne vielmehr selbst zum tödlichen Waffensystem. Dabei war das Predator-Modell, das damals zum Einsatz kam, eigentlich nicht für eine Bewaffnung ausgelegt. Die Nachfolgermodelle "MQ-1 Predator" und "MQ-9 Reaper" sind dagegen explizit dafür konstruiert, mit Raketen bestückt zu werden.

Abhören und Schießen

Nach Angaben von Northrop Grumman soll zunächst der "MQ-1 Predator" mit dem Überwachungssystem "ASIP-2C" ausgestattet werden. Im Mai 2009 sollen erste Testflüge stattfinden, und schon 2010 sollen einsatzreife System an die US-Luftwaffe ausgeliefert werden.

Die tödlichen Drohnen, die bei einer Reichweite von 740 Kilometern 24 Stunden in der Luft bleiben können, werden dann die Handykommunikation potentieller Gegner direkt erfassen können. Laut Northrop Grumman kann der Predator dadurch seine "taktische Aufgabe im Kampfeinsatz" noch besser erfüllen, die man auch als "Jäger/Killer/Scout-Mission" beschreiben könne. Im Klartext heißt das wohl: Ein falsches Wort am Telefon und die Hellfire-Rakete wird gezündet.

Sascha Koesch / Fee Magdanz / Robert Stadler



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