Ablösezahlung Gebühr für iPhone-Upgrade erzürnt Erstkäufer

"Strafgebühr", "Unverschämtheit", "Entsetzlich": Apple-Fans sind erzürnt über die Zusatzgebühren, die Bestandkunden für den Wechsel zum neuen UMTS-iPhone zahlen sollen. T-Mobile hingegen versucht zu beruhigen: Vergleichbare Angebote hat es bisher noch nie gegeben.

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Das neue iPhone wird billiger als das alte - aber nicht für alle. Bestandskunden, die bereits ein iPhone der ersten Generation besitzen, müssen einen Aufpreis berappen. Pro Monat, den der Alt-Vertrag eigentlich noch laufen würde, verlangt T-Mobile eine Ablöse von 15 Euro. Die Grundvoraussetzung, um überhaupt in den Genuss eines solchen Upgrades zu kommen, ist dass der bisherige Vertrag seit mindestens sechs Monaten läuft. Je nachdem, ob man also iPhone-Kunde der ersten Stunde ist oder sich gerade erst zum Jahreswechsel ein iPhone gekauft hat, muss man zusätzlich zum Preis des neuen Geräts zwischen 240 und 270 Euro zahlen.

Das Angebot sorgt unter upgrade-willigen iPhone-Besitzern für reichlich Unmut, wie etliche Zuschriften an SPIEGEL ONLINE zeigen. "Ich bin entsetzt über die Zehn-Euro-Strafsteuer für iPhone-Käufer der ersten Stunde", beklagt sich beispielsweise ein Leserbriefschreiber. Als Viel-Telefonierer und iPhone-Erstkunde hätte er erwartet, dass man ihm "das neue 3G-Modell gegen eine symbolische Summe anbieten würde." Eine Erwartungshaltung mit der er nicht allein dasteht.

SPIEGEL-ONLINE-Leser Tjark Aden etwa empfindet die Kosten der Vertragsverlängerung als "Strafgebühr" die ihm T-Mobile "aufdrückt obwohl dem Unternehmen keinerlei Kosten bzw. Verluste entstehen". Ein weiterer Leser ist schon einen Schritt weiter, rechnet vor, dass er "624 Euro für das Vergnügen" zahlen musste, "neun Monate als so genannter Early Adaptor mit dem ersten iPhone telefoniert zu haben", wenn er sich jetzt für eine Upgrade entscheidet. Die Monatsgebühren seines 89-Euro-Vertrags hat er dabei noch nicht berücksichtigt. Für ihn ist das Upgrade-Angebot "eine unglaubliche Unverschämtheit". Er fühlt sich, als hätte er "die Markteinführung des iPhones in Deutschland subventioniert".

Glückliche Briten

Im Gespräch mit SPIEGEL ONLINE bezeichnet T-Mobile-Sprecher Alexander von Schmettow die harsche Kritik an der Upgrade-Regelung als "in hohem Maße unangebracht". Schließlich, so von Schmettow, sei "dieses Angebot in der deutschen Mobilfunkbranche ein echtes Privileg. Für andere Kunden mit Laufzeitvertrag gibt es keinen vergleichbaren Upgrade-Prozess". Dieses Privileg ist man bei T-Mobile aber offenbar gerne zu gewähren bereit, weil iPhone-Anwender vergleichsweise hochpreisige Verträge abschließen und ihr Handy intensiv nutzen. Von Schmettow bezeichnet die iPhone-Nutzer als "besonders attraktive Kunden" für den Konzern.

Demnach müsste das britische Mobilfunkunternehmen O2 seine Kunden als geradezu unwiderstehlich beschreiben. Apples britischer Mobilfunkpartner nämlich bietet seinen iPhone-Bestandskunden ein vollkommen kostenloses Upgrade auf das iPhone 3G an. Alles was man als Kunde akzeptieren muss, ist eine Vertragsverlängerung um 18 Monate.

Damit nicht genug, bekommen Anwender, die sich für einen der beiden teureren O2-iPhone-Tarife (57 bzw. 95 Euro monatlich, siehe Tariftabelle unten) verpflichtet haben, das neue 8GB-Modell kostenlos. Nutzer der günstigeren Tarifoptionen (38 bzw. 44 Euro monatlich) müssen für ein 8GB-iPhone 3G 125 Euro berappen.

Britische O2-Tarife für das UMTS-iPhone

S M L XL
monatlicher Grundpreis
(in Euro umgerechnet)
37 44 56 94
Preis 8 GB UMTS-iPhone
(in Euro umgerechnet)
124 124 0 0
Preis 16 GB UMTS-iPhone
(in Euro umgerechnet)
200 200 74 0
Inklusivminuten monatlich 75 600 1200 3000
Inklusiv-SMS, monatlich 125 500 500 500
UMTS-Datenflatrate inklusiv inklusiv inklusiv inklusiv
Vertragslaufzeit (Monate) 18 18 18 18
Gesamtpreis 8GB-Modell
(Gerätepreis plus 18 x Grundgebühr)
790 916 1.008 1.692

Quelle: O2

iPhone allerorten

Das britische Unternehmen bietet auch Weiterverwendungsmöglichkeiten für das durch ein solches Upgrade nutzlos gewordene iPhone der ersten Generation an. Schenkt man das Gerät beispielsweise Freunden oder Familienmitgliedern, die bereits O2-Kunden sind, kann der Beschenkte seinen laufenden Vertrag in einen iPhone-Vertrag umwandeln. Und auch für Wenignutzer, die sich nicht an einen Mobilfunkvertrag binden wollen, will O2 eine Lösung anbieten. Mit sogenannten Pay & Go-Guthabenkarten sollen sich alle Funktionen des Apple-Handys nutzungsabhängig und ohne Vertragsbindung verwenden lassen.

Mobile Breitbandformate
UMTS
Universal Mobile Telecommunications System - wird oft als Mobilfunkstandard der dritten Generation (3G) bezeichnet, da er deutlich höhere Datenübertragungsraten als sein Vorgänger GSM ermöglicht. Deutsche UMTS-Netze schaffen üblicherweise eine Bandbreite von 384 Kbit/s für die Datenübertragung vom Mobilfunkmast zum Endgerät. Reguläre DSL-Anschlüsse bieten heute üblicherweise 1024 Kbit/s. (mehr ...)
HSDPA
High Speed Downlink Packet Access - setzt auf UMTS auf, erzielt aber deutlich höhere Übertragungsraten bei der Übertragung vom Mobilfunkmast zum Endgerät. Die praktisch erreichbare Datenrate liegt zurzeit bei 1,4 Mbit/s. Durch technologische Verbesserungen soll sie allmählich auf 5,1 Mbit/s steigen. (mehr ...)
GPRS
General Packet Radio Service - dieser Standard zerlegt Daten beim Sender in einzelne Pakete, überträgt sie gestückelt und setzt sie beim Empfänger wieder zusammen. Durch Bündelung mehrerer Übertragungskanäle ist theoretisch eine Übertragungsrate von bis zu 171,2 Kbit/s möglich. Im praktischen Betrieb sind es meist 55,6 Kbit/s - so langsam waren Modems in den Zeiten vor DSL. (mehr ...)
Edge
Enhanced Data Rates for GSM Evolution - Technik zur Erhöhung der Übertragungsrate von Daten in GSM-Mobilfunknetzen. Durch effizientere Modulationsverfahren sollen in der Summe bis zu 384 Kbit/s erreicht werden - das ist UMTS-Geschwindigkeit. Edge wurde bisher in 75 Ländern eingeführt. (mehr ...)
WiMax
Die WiMax-Technologie umfasst mehrere Standards zu Datenübertragung auf verschiedenen Funkfrequenzen. Manche WiMax-Standards brauchen eine Sichtverbindung zwischen Sender und Empfänger, bei anderen können die Signale auch Mauern durchdringen. Bei Tests soll WiMax schon Datentransferraten von mehr als hundert Mbit/s erreicht haben. Hermann Lipfert, Experte für Drahtlosnetze beim Münchner Institut für Rundfunktechnik (IRT), schätzt, dass in einer regulären WiMax-Funkzelle Tranferraten von 50 Mbit/s realistisch sind - unter idealen Bedingungen und bei Anwendung aller derzeit zur Verfügung stehenden technischen Tricks. Diese Bandbreite müssten sich dann wie bei UMTS alle Nutzer teilen, die in der jeweiligen Funkzelle online sind. (mehr ...)
DVB-T
Der DVB-T-Standard regelt die Verbreitung digitaler Fernsehsignale per Funk. Der DVB-Standard ist zwar auch dafür ausgelegt, Internetinhalte zu übertragen - in den Frequenzbereich eines einzigen analogen Fernsehkanals (etwa sieben MHz) passen aber gerade mal 13 Mbit pro Sekunde hinein. Wenn an einer einzigen Sendestation also 20 Nutzer hängen, die gleichzeitig etwa einen Dateidownload versuchen, wird es schon eng - die Datenrate für jeden Nutzer läge unter einem Mbit/s, also niedriger als die der günstigsten DSL-Verbindungen, die derzeit im Angebot sind. "Die größte Gefahr für diese Technik ist, von der Gegenwart überholt zu werden", sagt Sven Hansen von der Computerzeitschrift "c't". Überträgt man die Inhalte über DVB, geht das auch nur in eine Richtung - wie beim Fernsehen eben. Der Rückkanal muss dann auf anderem Wege hergestellt werden, etwa über eine herkömmliche Telefonleitung. Mausklicks im Browser gingen bei dieser Methode über die Telefonleitung zum Provider, die angeforderten Seiten würden dann von der DVB-Sendestation zurück zum Empfänger gefunkt. Das ist umständlich - und langsam. (mehr ...)
LTE
Long Term Evolution ist der Name, den eine Reihe von Mobilfunkunternehmen einem weiteren Standard der vierten Mobilfunkgeneration gegeben haben. LTE ist im Grunde eine Weiterentwicklung von UMTS - braucht aber gänzlich neue Hardware, einschließlich neuer Sendestationen. LTE konkurriert mit dem WiMax-Standard um die Marktführerschaft im mobilen Internet der Zukunft - zwischen den beiden Standards wird möglicherweise ein neuer Formatkrieg ausbrechen. LTE ist nach Einschätzung von Experten gegenüber WiMax allerdings etwa zwei Jahre im Rückstand, was die technologische Entwicklung angeht. (mehr ...)

Von derartig attraktiven Angeboten ist T-Mobile noch meilenweit entfernt. Immerhin aber gibt es Gerüchte, wonach die Telekom-Tochter auch schon Pläne für ein Prepaid-iPhone in der Schublade hat. Die werden aber wohl erst dann hervorgeholt, wenn der Hype um das neue Gerät sich gelegt hat.

In der Zwischenzeit gilt es, so viele Neukunden wie möglich vertraglich zu binden. Um dafür bessere Voraussetzungen als bisher zu schaffen, sollen offenbar mehr Verkaufsstellen geschaffen werden. Wie in den letzten Tagen bekannt wurde, wird das iPhone 3G nicht mehr, wie sein Vorgänger, ausschließlich über die Shops von T-Mobile angeboten. Stattdessen wird man es künftig auch bei der Apple-Handelskette Gravis, bei debitel sowie in den Saturn- und Media Märkten der Metro-Gruppe kaufen können. Zu welchen Konditionen die Geräte dort angeboten werden, ist bislang noch unklar. Es gilt allerdings als sicher, dass die neuen iPhone-Händler ausschließlich die auf das iPhone zugeschnittenen Complete-Verträge von T-Mobile unter eigener Flagge anbieten werden.

iPhone ohne Vertragsbindung

War es beim ersten iPhone noch vergleichsweise einfach, sich ein Gerät aus den USA zu besorgen und hier mit Spezialsoftware freizuschalten, will Apple diesen Graumarkt künftig offenbar austrocknen. So soll das iPhone 3G in den USA nur noch mit sofortiger Aktivierung verkauft werden. Wer also ein Apple-Handy im AT&T- oder Apple-Store kauft, muss dort auch sofort einen Vertrag unterschreiben, seine Kreditkarte verifizieren und das Gerät online aktivieren lassen.

Trotzdem wird es weiterhin die Möglichkeit geben, iPhones ohne Vertragsbindung zu kaufen - billig wird das allerdings nicht. So hat AT&T angekündigt, das 8GB-Modell für 599 Dollar (379 Euro) und das 16GB-Modell für 699 Dollar (442 Euro) vertragsfrei anzubieten. Ein ähnliches Angebot hat auch die Schweizer Swisscomm veröffentlicht. Dort soll das iPhone 3G ohne Vertrag 519 beziehungsweise 619 Schweizer Franken (322 Euro/384 Euro) kosten.

Die Netzsperre wird fallen

Ein Freibrief zur Nutzung des neuen Handys wie, wo und mit welchem Provider man will, sind diese Angebote aber nicht. Wie ein AT&T-Sprecher gegenüber der Nachrichtenagentur AP erklärte, sind auch die vertragsfreien iPhone mit einem sogenannten Netlock versehen, funktionieren also nur im Netz von AT&T. Dasselbe dürfte für alle anderen iPhones gelten, die ohne Vertragsbindung angeboten werden.

Ob und wie lange diese Netzsperre aber tatsächlich wirksam sein wird, bleibt abzuwarten. Sicher ist, dass etliche iPhone-Hacker sich schon jetzt darauf vorbereiten, auch das iPhone 3G von jeglichen Fesseln zu befreien. Ob sie dafür Tage oder Wochen brauchen werden ist unklar. Darüber, dass sie es schaffen werden, herrscht allerdings kaum Zweifel.



Forum - Diskussion über diesen Artikel
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Seite 1
hansmaus 02.07.2008
1. wie jetzt?
wie kann man unzufriden mit einer derart hippen und kuhlen Firma wie Apple sein? Das geht mal garnicht wenn das die fanatischen Glaubensritter mitbekommen denen Apple auch ein gut durchgestyltes Stück Butterstulle für 1000€ andrehen kann dann gibts mecker. Hochverrat! Apple sollte jeden einzelnen der Maul verklagen schließlich ist die Firma so kuhl das 95% der Benutzer einfach nicht stylisch genug sind einen Mac zu haben ;)
Bobby Shaftoe, 02.07.2008
2. Adapter/Adopter
Wenn schon Anglizismen, dann bitte richtig: Den frühzeitigen Adapter gibt's nicht, nur einen early adopter. Ganz nebenbei: Niemand wird gezwungen, ein weitgehend grundlos hochgehyptes Gerät noch in der ersten Nacht zu kaufen. Dass die Preise anfangs extrem hoch sind und Kinderkrankheiten zur Regel gehören, sollten auch (oder gerade?) Apple-Fans wissen.
spon-1215012547982 02.07.2008
3. Kundenbindung geht anders
@Bobby: Es ist wohl weniger das Problem, dass die Bestandskunden das iPhone nicht geschenkt kriegen, sondern das Gefühl haben abgezogen zu werden. Denn der Durchschnitts-iPhone User hat letztes Jahre das Gerät für 399,- gekauft und einen Vertrag mit einer ordentlichen Grundgebühr abgeschlossen. Vor einigen Wochen hat T-Mobile dann auch angekündigt am 1.7. besonders attraktive Upgrade-Konditionen anbieten zu wollen und man ging dann wohl davon aus, dass schlimmstenfalls die üblichen 10,- / Monat vorzeitiger Ablösung anfallen. Doch T-Mobile hat pünktlich zum 1.7. diese bisher gültigen Konditionen auf 15,- geändert. Dass das auf den iPhone Kunden nicht sonderlich attraktiv wirkt, ist doch klar. Wenn man das aus CRM-Sicht betrachtet, kann man nur noch denken, die sind doch total behämmert bei T-Mobil. Da hat man Kunden, die so doof waren, unglaublich viel Geld für ein "weitgehend grundlos hochgehyptes Gerät" nebst Vertrag (min. 29,- meistens aber eher 89,-) auszugeben und könnte diese ganz einfach an den Konzern binden und dann spart man an dieser falschen Stelle Geld ein. Das kann nur doof ankommen und die Kunden kennen Ihren Wert. Sie haben bei anderen Mobilfunker Gold-Status oder eine Treuekunden Karte gehabt und fühlen sich einfach verarscht. Ich kann das verstehen und denke T-Mobile sollte Nachhilfe in Kundenbindung nehmen... Daniel
peterbruells 02.07.2008
4. T & A sind unterschiedliche Buchstaben
Zitat von hansmauswie kann man unzufriden mit einer derart hippen und kuhlen Firma wie Apple sein? Das geht mal garnicht wenn das die fanatischen Glaubensritter mitbekommen denen Apple auch ein gut durchgestyltes Stück Butterstulle für 1000€ andrehen kann dann gibts mecker. Hochverrat! Apple sollte jeden einzelnen der Maul verklagen schließlich ist die Firma so kuhl das 95% der Benutzer einfach nicht stylisch genug sind einen Mac zu haben ;)
Und das hat jetzt mit der Firma T-Mobile und deren Preispolitik genau was zu tun?
rosilein 02.07.2008
5. Guten Morgen!
Sehr geehrte Damen und Herren, natürlich kann ich Ihren Ärger verstehen. Als ich mich letztes Jahr NICHT zum Kauf eines iPhones entschlossen habe und mir lieber ein UMTS-Telefon zugelegt habe, das ich über meinen Laptop als Blauzahn-Modem nutzen konnte, war mir durchaus bewusst, dass das von Apple herausgebrachte iPhone "2G" sicherlich nicht die nächsten 10 Jahre unverändert bleiben würde und eines herauskommt, dass meinen Bedürfnissen sicherlich eher entspricht. So, nun ist es geschehen. Es ist da. Bin ich jetzt gezwungen dieses Gerät zu kaufen, wenn T-Mobile solch eine hohe Ablöse verlangt? Nein, ich bin es nicht! Als freier Mensch in einem freien Land kann ich freie Entscheidungen treffen. Hurra!!! Freuen wir uns darüber. Wir haben doch beim Abschluss des 2-Jahres-Vertrages gewusst, worauf wir uns einlassen. Ausserdem, das iPhone "2G" wird auch weiterhin funktionieren, genau wie mein Handy, obwohl das iPhone 3G herausgekommen ist. Grüße aus Berlin
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