Bezahlen mit dem Handy: Parkticket per SMS

Als wäre Parken nicht schon stressig genug. Erst muss man einen freien Parkplatz finden, dann mühsam Einparken, nur um schließlich festzustellen, dass man kein passendes Kleingeld für den Parkautomaten hat. Leichter und bargeldlos parkt, wer die Gebühr per Handy begleicht.

Nach dem Einparken geht es los: Der Bezahlautomat sowie das passende Kleingeld wollen gefunden werden - und das womöglich bei ungemütlichem Winterwetter, Schnee oder Regen. Oder man entdeckt nach der Rückkehr hinter der Windschutzscheibe eine Zahlungsaufforderung, weil man die Parkzeit überzogen hat.

Digitale Parkscheibe: Dort, wo man noch nicht fürs Parken bezahlen muss, hilft die Parkscheibe. Fürs iPhone gibt es die sogar als kostenloses Programm im App Store

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Doch es geht auch anders. Telekommunikation macht es möglich, das Parkticket per Handy zu bezahlen - und zwar minutengenau. "In mehr als 25 deutschen Städten ist mittlerweile bargeldloses Parken möglich", schildert Michael Sandrock den Stand der Dinge. Er ist Vorsitzender der TelematicsPRO in Berlin. Dieser Verein hatte für einen Großversuch rechtliche und inhaltliche Konzeptionen der neuen Handynutzung entwickelt.

"Im kommenden Jahr", so glaubt Sandrock, "werden sich wohl weitere 20 bis 25 Kommunen an dem System beteiligen." Überall dort, wo die Parkzone mit einem zusätzlichen Symbol - etwa einem Handy - ausgewiesen ist, kann der Autofahrer per Motorola, Nokia & Co. seinen Parkobolus bezahlen. Entweder stehen entsprechende Hinweise am Beginn der Parkzone auf den Parkschildern oder auf den Zahlautomaten. Unter mobil-parken.de finden Interessenten eine Anbieterübersicht, eine Liste der Städte, die bereits mitmachen, sowie Tarifinformationen.

Ein einheitliches System fehlt noch

Und so funktioniert das Ganze: Zuerst muss man sich im Internet bei einem Betreiber des bargeldlosen Systems registrieren. Derzeit gibt es acht Anbieter, die in verschiedenen Städten kommunale Parkgebühren abrechnen dürfen. Ein Nachteil: Das System arbeitet noch nicht bundeseinheitlich. Das bedeutet in der Praxis, dass ein Autofahrer sich bei mehreren Betreibern anmelden muss, wenn er in verschiedenen Städten unterwegs ist - je nachdem, mit wem die jeweilige Kommune einen Vertrag abgeschlossen hat. Aber auch da wird an Lösungen gearbeitet. So will das "Integrierte Verkehrsmanagement Region Frankfurt Rhein-Main" ab 2009 eine Plattform einrichten, die eine Auswahl von sieben zertifizierten Betreibern, aber nur eine zentrale Nummer zum An- und Abmelden bietet.

Hat man sich per Web angemeldet, die Handynummer, das Kfz-Kennzeichen und die Bankverbindung mitgeteilt, kommt per Post oder als pdf-Datei eine orangefarbene Vignette. Die wird hinter die Windschutzscheibe geklebt und weist das Fahrzeug aus. Ist eine Parklücke gefunden, gibt der Fahrer seinem Systemanbieter die Nummer des Parkautomaten durch. Bei einigen Anbietern genügt eine SMS. Bevor er ausparkt, meldet sich der Fahrer wieder ab.

Die Parkzeit lässt sich per Handy nicht verlängern

Die Abrechnung geschieht auf die Minute genau. Pro Parkvorgang verlangen die Anbieter zwischen zwei und 26 Cent. Die Parkrechnung wird monatlich zugesandt. Die Mitarbeiter der Ordnungsämter können die jeweils fürs Parken angemeldeten Autos elektronisch abfragen und kontrollieren.

Achtung: Es gilt auch beim bargeldlosen Parken immer die ausgewiesene Höchstparkdauer.

In Neustadt/Weinstraße wurde bereits im April 2006 das Handy-Portemonnaie versuchsweise eingeführt. Inzwischen hat die 55.000-Einwohner-Kommune das System fest übernommen. "Wir haben derzeit mehr als 1.500 Nutzer", schildert Stadt-Pressesprecher Andreas Günther die Akzeptanz bei den Autofahrern: "Das Angebot wurde gut angenommen."

Unterdessen spürt Sandrock weiterem Potential für den Handy-Einsatz nach und denkt an ein flächendeckendes Bezahlen im öffentlichen Nahverkehr oder die Rückvergütung von Parkgebühren durch den Einzelhandel.

Norbert Michulsky/ddp

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