Botanicalls Telefonieren mit Topfpflanzen

Internet-Telefonie und Open-Source-Bauteile sollen die Beziehung zwischen Mensch und Pflanze neu ankurbeln: Der mobile Großstadtbewohner erkundigt sich am Handy nach der Licht- und Wasserversorgung seiner Heimbotanik.


Der moderne Mensch und seine (Zimmer-) Pflanzen könnten wunderbar miteinander auskommen - Wenn sie öfter telefonieren würden. So lautet jedenfalls die Arbeitshypothese des Projekts "Botanicalls", mit dem derzeit in New York erste Erfahrungen mit der floralen Telekommunikation gesammelt werden.

Wer sein Pflänzchen liebt, fragt nach: Wie geht's, mein Töpfchen?
DDP

Wer sein Pflänzchen liebt, fragt nach: Wie geht's, mein Töpfchen?

Dazu wurden zunächst eine Reihe von Topfpflanzen mit Sensoren bestückt, die die Bodenfeuchtigkeit, die Luftfeuchtigkeit, den CO2-Gehalt der Umgebungsluft und den Lichteinfall messen. Der Rechner, der die Daten auswertet, verbindet schließlich via Voice over IP die Pflanze mit ihrem Besitzer: Dieser kann sowohl sein Gewächs "anrufen", um sich nach dessen aktuellem Zustand zu erkundigen, als auch angerufen werden, etwa wenn er dringend gießen sollte.

Kein Bewässerungsautomat

Anders als bei Automatisierungsversuchen in "intelligenten" Häusern, bietet Botanicalls allerdings nicht die Möglichkeit, eine Pflanze, die am Handy über ihren Durst klagt, beispielsweise per SMS zu wässern. Botanicalls soll nämlich die "Kommunikation zwischen Pflanze und Mensch" fördern, beziehungsweise ins Netzzeitalter katapultieren: Damit auch chronisch gestresste Großstadtbewohner, die dauernd unterwegs sind, eine emotionale Beziehung zu ihrer Zimmer-Botanik aufbauen können.

Die New Yorker Medienkünstler Kate Hartman, Kati London, Rebecca Bray und Rob Faludi hoffen zudem, dass technisch orientierte Menschen, wie sie es selbst sind, durch Botanicalls überhaupt eine Beziehung zu Pflanzen herstellen können - dank klarer Anweisungen und der Möglichkeit, Inhalte zur jeweiligen Pflanze direkt mit dieser zu verknüpfen. So können neben dem aktuellen Status unter der Pflanzen-Telefonnummer auch Informationen zu Art und Herkunft abgerufen werden. Zuletzt erlauben LEDs am Topf nach dem Ampelprinzip eine einfache Statusanzeige, und zwar ohne die Gefahr, sich die Hände an der Blumenerde schmutzig zu machen.

Nachbau erwünscht

Botanicalls läuft noch ein halbes Jahr im Rahmen des "Interactive Telecommunications Program" der New York University, danach wollen die Initiatoren das System über Bastler nach dem Open Source-Prinzip verbreiten.

Dazu sind die Sensoren sowie die nötige Hard- und Software kostengünstig und einfach gewählt, alle Bauteile basieren zudem auf möglichst offenen Standards: Die Telefonate werden mit der Software für virtuelle Telefonanlagen, Asterisk, abgewickelt, der Nahfunkstandard für die Vernetzung von Hausgeräten, ZigBee, verbindet den Rechner mit der Hardware, die mit der Open-Source-Plattform "Arduino" entwickelt wurde.

Sascha Koesch / Fee Magdanz / Robert Stadler



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