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Cell Phone Disco: Die Ästhetik der Handystrahlung

Licht wird in Discos in der Regel über die Musik gesteuert. Die Kunstinstallation "Cell Phone Disco" verwendet dazu stattdessen die Strahlung von Mobiltelefonen. Jedes Handy verleiht seinem Besitzer so eine Aura aus Licht.

5000 Leuchtdioden haben Auke Touwslager und Ursula Lavrencic mit der Hand zu einem Kunstprojekt verlötet. Cell Phone Disco nennen sie die Installation, die derzeit im MAMA Showroom for Media and Moving Art in Rotterdam gezeigt wird.

Die Leuchtdioden dienten ursprünglich als Modeaccessoire für Handys. Jetzt zieren sie die Wände der Cell Phone Disco. Sobald jemand mit einem Handy an ihnen vorbeigeht, leuchten die am stärksten bestrahlten LEDs auf und zeigen so die Strahlung des Telefons als Aura.

E-Smog als visuelles Erlebnis

Rein ästhetisch sind Strahlen in der Regel ja eher positiv besetzt, im Zusammenhang mit Telefonen werden sie allerdings zu Recht kritisch beäugt. Und seit kürzlich festgestellt wurde, dass es genetische Dispositionen für besonders anfällige Zellen gibt, ist noch unklarer, welche Folgen ein übermäßiges Plappern an der drahtlosen Leitung haben kann.

Die Macher von Cell Phone Disco sind sich dessen durchaus bewusst, aber anstatt ihre Installation rings um die Fragen der Gesundheitsprobleme von Strahlung zu bauen, machen sie lieber erst einmal die Strahlung sichtbar: "Wir wollten mit Cell Phone Disco zwar Aufmerksamkeit für dieses unsichtbare Feld der Strahlung erzeugen, vor allem aber diese Strahlung auch genießbar machen. Handys erweitern unseren physischen Körper mit einem Feld, eine Art erweitertem unsichtbaren Körper, dessen Existenz Cell Phone Disco zeigen will. "

Handys erzeugen Licht-Graffiti

Während der Großteil der LEDs in der Installation den Handys quasi hinterherleuchtet, gibt es auch kleinere Bereiche, in denen man mit dem Telefon auf den Dioden malen kann. So ist die Cell Phone Disco auch eine Art Licht-Graffiti.

Die beiden Medienkünstler, die sich vor allem mit den Grenzgebieten und Überschneidungen von Informationsfluss und Architektur, interaktiven Gebäuden und der Visualisierung von Information beschäftigen, planen zur Zeit eine mobile Version der Cell Phone Disco: "Der ideale Ort dafür wäre einer, an dem viele Leute spontan telefonieren, denn dort würden die Strahlung überraschender, fast wie zufällig wahrgenommen werden. Ganz ähnlich wie die eigene Reflektion in einem Schaufenster."

Und so würde uns, scheinbar unvermittelt, auch klarer, dass wir alle einen Schleier aus Strahlung hinter uns herziehen.

Sascha Koesch / Fee Magdanz / Robert Stadler

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Installation: Handy-Aura sichtbar gemacht

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