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Diebstahlschutz: Fahrradschloss alarmiert Überwachungs-Kameras

In Großbritannien überwachen 14 Millionen Kameras den öffentlichen Raum, Verbrechen werden dadurch aber kaum verhindert. Die Lösung soll noch mehr Technik bringen - zum Beispiel vernetzte Fahrradschlösser mit Funkchips und Bewegungssensoren.

Radler können mit dem WASP Cycle Monitoring System der britischen Firma SOS Response ihr vorhandenes Schloss elektronisch aufrüsten. Das System registriert dann Diebstahlsversuche per Bewegungssensor und schlägt unter anderem per SMS Alarm.

Nun ist eine SMS, die den Fahrradbesitzer davon unterrichtet, dass sein Drahtesel gerade von Unbefugten bewegt wird, in der Praxis selten von großem Nutzen. Bis er zum Ort des Geschehens geeilt ist, dürfte der Dieb bereits das Weite gesucht haben. Das WASP-System ist daher auch für ein bestimmtes Szenario konzipiert, das in den vergangenen Monaten im britischen Portsmouth erstmals getestet wurde.

WASP (Wireless Asset Security Protection) setzt zunächst einen Abstellplatz voraus, der von Kameras überwacht wird, außerdem müssen vor Ort RFID-Lesegeräte den Funkchip am Fahrradschloss erkennen. Stellt man ein Fahrrad an einem der solchermaßen technisch aufgerüsteten Plätze in Portsmouth ab, aktiviert man zunächst per SMS das System. Dieses registriert den genauen Standort des abgestellten Fahrrades über den Funkchip. Wenn der Bewegungssensor dann einen Diebstahlsversuch anzeigt, zoomen die Überwachungskameras automatisch auf das entsprechende Fahrrad.

Allgegenwärtige Kameras

Das aufwendige System zur Fahrradsicherung erklärt sich aus der besonderen Affinität der Briten zu Überwachungskameras, die auf der Insel CCTV genannt werden (Closed Circuit TV). Geschätzte 4,2 Millionen Videokameras halten rund um die Uhr im ganzen Land die Augen offen, womit eine Kamera auf 14 Einwohner kommt. Dummerweise verhindern die Kameras allein kaum ein Verbrechen, bestenfalls verlagern die sich in (noch) nicht überwachte Gegenden.

Damit sich die immensen Investitionen doch noch auszahlen - in den vergangenen zehn Jahren wurden alleine vom Staat 500 Millionen britische Pfund für CCTV aufgewendet - scheint noch mehr Technik eine konsequente Option zu sein.

Mit der Kombination aus RFID, Mobilfunk und CCTV konnten die Fahrraddiebstähle an den so hochgerüsteten Orten jedenfalls um 90 Prozent reduziert werden: "Bisher blickten die Kameras oft in die falsche Richtung, und wenn ein Dieb im Bild war, dann meist viel zu klein, um ihn zu identifizieren", erklärte ein Polizist aus Portsmouth den Erfolg des WASP-Systems gegenüber dem Handy-Magazin "160 Characters".

Sascha Koesch / Fee Magdanz / Robert Stadler

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