Edel-Handy Aura: Motorolas Mobiltelefon für Angeber

Der Absatz von Handys steigt jährlich um zweistellige Prozentsätze. Die Gewinnmargen der Hersteller aber fallen zurück. Nun hoffen sie auf das Hochpreis-Segment. So auch Motorola, mit einem aufwendig gebauten Nobel-Telefon mit Kreis-Display.

Eine Kombination aus Sci-Fi-Elementen und Durchschnittstechnik soll Motorolas neues Handymodell zum Flaggschiff des Herstellers machen. Das "Aura" getaufte Gerät fällt zunächst durch sein ungewöhnliches Designkonzept auf: Die Tastatur wird durch einen Drehmechanismus ausgefahren, bei dem das kreisrunde Display als Achse dientt.

Genauso extravagant geht es weiter: Das Einrasten der Tastatur wird beim Zudrehen durch ein Geräusch signalisiert, das vom Zuschlagen der Tür eines Luxusautos stammt. Das runde OLED-Display ist zwar mit einem Durchmesser von knapp vier Zentimetern vergleichsweise klein, aber dafür wartet es mit einer Rekordauflösung von 300 dpi auf - ein Wert der auch für den Hochglanzdruck auf Papier ausreichen würde. Das Gehäuse aus rostfreiem Stahl wurde durch eingeätzte Muster veredelt. Die Tasten sind aus Aluminium gefertigt, die Schrauben vernickelt, das Display wird von Saphirglas geschützt.

Die hochwertigen Materialien und die aufwendige Verarbeitung erinnern nicht zufällig an die Arbeit eines Juweliers. Das Aura-Handy soll durchaus zu Schmuckpreisen verkauft werden. In den USA wird es 2.000 Dollar kosten, für Europa wurde noch kein Preis genannt.

Teuer ist lukrativ

Zu diesem Oberklassepreis bekommt man allerdings nicht durchgehend Spitzentechnik. Das Innenleben des Telefons ist in vielen Punkten gerade einmal guter Durchschnitt. So hat die Kamera zwei Millionen Bildpunkte und keinen Autofokus. Für den integrierten Musik-Player stehen gerade einmal zwei Gigabyte Speicher zur Verfügung, die sich wohl auch nicht erweitern lassen.

Aber die mageren Spezifikationen dürften dem Erfolg des Handys nicht im Weg stehen, wie die Entwicklung von Nokias Edeltochter Vertu zeigt: Das Unternehmen hat sich mit der gleichen Mischung aus edler Hülle und ordinärem Innenleben, die auch Motorolas Aura kennzeichnet, zur profitabelsten Nokia-Sparte entwickelt. Das Erfolgsrezept der Tochter wird daher inzwischen auch bei Nokia selbst angewendet, etwa mit dem Modell "Carbon Arte". Das kürzlich vorgestellte Handy wird aus Titan, Edelstahl und Kohlenstofffasern gefertigt und für den stolzen Preis von 1.100 Euro verkauft.

Sinkende Margen

Hintergrund des Trends zum Edel- oder Teuer-Handy sind die sinkenden Margen in der Branche. Der Absatz von Mobiltelefonen legt zwar weltweit immer noch zweistellig zu, aber die Umsätze und Gewinne der Hersteller wachsen nur noch einstellig. Und weil die Masse immer weniger Profit verspricht, wenden sich Nokia, Motorola, LG und Samsung vermehrt dem Hochpreis-Segment zu. Dabei sind Modelle wie Aura oder Arte Carbon einerseits gut fürs Image, aber vor allem können mit ihnen Margen erzielt werden, die sonst nur mit Luxusuhren möglich sind.

Dass man mit High-End-Produkten durchaus auch beachtliche Stückzahlen erzielen kann, wird den etablierten Herstellern seit einiger Zeit vom Branchenneuling Apple vorgeführt. Der iPhone-Produzent hat sein Renditen-Erfolgsrezept zuletzt sogar auf sein ehemaliges Kernsegment zurückübertragen: Die neuen Apple-Laptops sollen vor allem durch ihre aufwendige Verarbeitung überzeugen, während das Innenleben kaum überarbeitet wurde.

Sascha Koesch / Fee Magdanz / Robert Stadler

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